Luther und der Buchdruck

Von Hans-Jürgen Grundmann

4Ist Ihnen bewusst, wenn Sie – schwarz auf weiß – diese Buchstaben lesen, dass wir auch das der ­genialen Erfindung des Mainzers Johannes Gutenberg verdanken, der um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand? Wenn wir auch heute andere Herstellungsverfahren benutzen, so gehen grundlegende Erkenntnisse auf ­diese Erfindung zurück. Wäre doch die Reformation ohne das Können von Druckern des 16. Jahrhunderts schnell in Vergessenheit geraten und hätte nicht diese schnelle Verbreitung gefunden. Durch den Druck von Flugblättern und Einblattdrucken in hohen Auflagen hätten sich die Gedanken L­uthers nicht in den deutschen Landen und darüber hinaus ­verbreiten können.

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Schön einfach und klar

Von Jens Blanck

Schnell sind viele Worte gesagt, ohne etwas gesagt zu haben. Substanzielles ist Mangelware. Aber auch mit dem Richtigen kann man falsch liegen, wenn man es so verklausuliert, dass es niemand versteht. Gerade für Theologen kommt es auf das Wichtigste an: die Frohe Botschaft. Sie ist so schön einfach und klar und muss nicht künstlich verkompliziert werden.

Vor Jahren auf einer Klassenfahrt nach Sachsen durfte ich als begleitender Lehrer meine Reli-Schüler fragen, ob sie in den Gottesdienst gehen wollen. Zu meiner Verwunderung waren sie begeistert und jemand sagte: „Geil, da gehen wir hin!“ Es kamen viel mehr mit, als ich Reli-Schüler hatte. Doch der Gottesdienst war so mit theologischen Begriffen überfrachtet, dass vermutlich auch die Gemeinde es nicht verstand. Der Pfarrer hätte mit gleichem Effekt den Gottesdienst auch in Latein halten können.

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Selber denken

Von Angelika Obert

Das Zitat habe ich in einer Zelle des alten Wittenberger Gefängnisses entdeckt: bei der Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ auf einem Wandbild von Csilla Kudor mit dem Titel „Sieben Todsünden“. Ich fand mich ertappt. Wenn Ärger mich antreibt, kann ich auch besser schreiben. Aber dass selbst Luther, das Sprachgenie, nicht immer gleich gut schreiben konnte!

Auch er muss Tage gekannt haben, an denen ihm das Sätze Schmieden auf Papier zähe Mühe machte. Auch er wusste es zu schätzen, wenn ihm dabei Adrenalin zu Hilfe kam. Sein Dopingmittel war der Zorn. Das Zürnen lag ihm ja. ­Warum davon lassen, solange es den Output befördert? Aber ist der Zorn nicht doch ein Laster? Sogar eine „Todsünde“?

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Achtungsvoll streiten

Von Jürgen Israel

Calvin hatte Melanchthon ge­beten, ein Treffen führender luthe­rischer und reformierter Theologen einzuberufen. Dieses Treffen sollte der Annäherung beider Glaubensrichtungen dienen. Melanchthon war darauf nicht eingegangen. Nun schlägt Calvin erneut ein solches Treffen vor, an dem alle teilnehmen, „denen die Ruhe der Kirche am Herzen liegt“.

Mit „Ruhe“ ist nicht Friedhofsruhe gemeint. Um den rechten Glauben sollen wir uns ernsthaft bemühen und auch streiten. Aber unser Streiten soll andere nicht verletzen. Wir sollen uns nicht streiten um des Streitens, sondern um der Wahrheit willen. Diese Briefstelle hält uns zum achtungsvollen Streiten an.

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Luther? Ungefragt

Von Matthias Brix

Aus Luther kann man sich nichts machen oder alles, eine Spielzeugfigur, die meistverkaufte von Playmobil (steht bei mir) oder einen Namenszusatz auf dem Bahnhofsschild „Lutherstadt Wittenberg“. Wer liest das? Wer spielt mit Luther? Welche Rolle geben wir ihm? Über die Jahrhunderte hat er schon jede Rolle gespielt, immer als Held.

Bei mir sitzt er in sich zusammengesunken im Regal. Ich nehme ihn heraus und stelle ihn ins Bad auf die Spiegelkonsole. Als ich mich nach dem Duschen ansehe, lese ich auf dem ­beschlagenen Glas: „Er wird dich fragen, wo du deine Dornenkrone, dein Kreuz, Nägel und Geißel hast, ob du auch der ganzen Welt ein Greul gewesen bist.“ Das

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Töten heißt töten

Von Uli Schulte Döinghaus

Auf diesen Seiten der Kirchenzeitung, liebe Leserinnen und Leser, lesen Sie interessante Einsichten in das Für und Wider von heutiger Militärseelsorge. Wie ein fast 500 Jahre alter, zugleich hoch­aktueller Kommentar dazu klingt, was Sebastian Castellio seinem Widersacher Johannes Calvin entgegenhielt: „Das Schwert wird für das Reich Christi nicht gebraucht, außer um Christus und die Seinen zu töten.“ Castellio schrieb es, nachdem er von der qualvollen Verbrennung des Michael Servet erfahren hatte. Servet, der leise Glaubenszweifel (etwa an der Trinität) geäußert hatte, starb auf Betreiben des obersten Genfer Geistlichen Calvin als Häretiker auf dem Scheiterhaufen der stadtbürgerschaftlichen Obrigkeit. Was Castellio einer obrigkeits­fixierten und mörderischen Dogmatik entgegenhielt, war Toleranz, Nächstenliebe, Friedfertigkeit, ­Vernunft, Vielfalt, Religions- und Gewissensfreiheit im friedlichen Ringen um christliche Gnade und Wahrheit.

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Wahre Wohltat

Von Barbara Manterfeld-Wormit

Man sieht es den Bildnissen ­seiner Zeit an: Melanchthon war ein Gelehrter durch und durch. Hochgebildet, fleißig, dabei asketisch und weltfremd. Einer, den man sich – anders als seinen Freund und Weggefährten Martin Luther – nicht gut mit einem derben Spruch auf den Lippen und dem Bierkrug in der Hand vorstellen kann. Ein Schreibtischhocker, der sich mit Frauen schwer tat, bis er am Ende nur durch hartnäckiges Zureden doch noch heiratete. Bleich und schmal und spitz auf den Bildern eines Lucas Cranach, ein „Nerd“, ein Sonderling – würde man heute wohl sagen.

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Tut etwas Tapferes

Von Rolf Wischnath

Waren die Reformatoren „besonnen“? Mitnichten. Immer wieder erfahren sie es: Das Evangelium ruft Widerstand hervor. Und sie sehen sich darum herausgefordert zu widerständigen Worten und Taten. Von „Besonnenheit“ – wie das griechische Wort „sophronismus“ zum Beispiel im 2. Timotheusbrief 1,7 gern übersetzt wird – sprechen sie nicht. Der Begriff kommt weder in Luthers Übersetzung noch in der alten Zürcher ­Bibel vor. Für die reformatorischen Akteure gibt es ja kaum Gelegenheit zu einer „Besonnenheit“, die sich als Sanftheit und Ruhe, als Bedachtsamkeit und Ausgeglichenheit äußert, als überlegte, selbstbestimmte Gelassenheit. Die Neuentdeckung des Evangeliums ist stattdessen oft verbunden mit Schmerzen und Herzweh, mit Niedergeschlagenheit und Verzagtheit, mit Niederlagen und Tränen, mit Aufgebrachtheit und Zorn.

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Besonderes Priestertum?

Von Bernd Krebs

In einem Teil unserer Pfarrerschaft herrscht ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich im Alltag von anderen Mitarbeitenden durch das permanente Anlegen von Collarhemden, einem weißen oder schwarzen Hemd mit Stehkragen, abheben zu wollen. Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen die Erkennbarkeit als Pfarrerin oder Pfarrer ge­boten sein kann. Sich dauerhaft in solcher Weise darzustellen, halte ich jedoch für fraglich. Luthers Einsicht, dass es kein besonderes Priestertum, sondern allein ein „allgemeines Priestertum“ gibt, war eine Konsequenz der Rechtfertigungslehre. Durch die Taufe werden alle zu „Priestern“, denen der Auftrag ­gegeben ist, das Evangelium zu ­bezeugen, Seelsorge zu üben und die Kirche (auf den verschiedenen Ebenen) zu leiten.

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Konkurrenz für Jesus

Von Jürgen Wandel

Um ihren römisch-katholischen Kollegen die Mitfeier zu erleichtern, wollen evangelische Bischöfe das Reformationsjubiläum als „Christusfest“ begehen. Dabei ­besteht das unterschiedliche Verständnis Christi weiter, das in der Reformationszeit aufbrach. So rufen römische Katholiken die Heiligen in der Allerheiligenlitanei an: „Bittet für uns.“ Das Augsburger ­Bekenntnis der Lutheraner hält ­dagegen, dass Christus der „einzige Fürsprecher vor Gott“ ist.

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