Null Toleranz. Null Gnade?

Von Johanna Haberer

Ja, wovon singen wir nun in diesem Land? Von Gnade oder von Recht? Wovon singen wir, wenn wir unseren Gott loben? Da gibt es die Stimmen, die die sogenannten Rechtsmittel weitestgehend ausschöpfen wollen, um eingewanderte Menschen aus dem Land zu verweisen, egal, ob sie hier Arbeit und Familie haben oder nicht. Null Toleranz. Null Gnade. ­Polizeieinsatz nachts. Abschiebehaft.

Da gibt es in einem ganz anderen Fall die Stimmen, die kompromisslos für die Verfolgung und Bestrafung von Menschen plädieren, die Kinder missbraucht haben. Null Toleranz. Null Gnade.

Dann gibt es die Stimmen, die für „Gnade vor Recht“ plädieren. Die ­einen, im Fall der Geflüchteten, die doch eine Chance verdient haben, die anderen im Fall der Priester, die in ­ihrem Leben doch auch so vielen Menschen geholfen haben. Gott ist gnädig und gerecht, jubelt unser Psalm.

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Gottes Gebote sind #unteilbar

Von Bernd Krebs

Sich selbst das Beste nehmen, egal was anderen bleibt, nennt der Volksmund  „Rosinenpickerei“. Dieser Methode folgen heute Populisten aller Arten. Sie versprechen Arbeit, Wohnen, soziale Sicherheit, doch nur den „Ihren“. „Deutsche zuerst“ ist ihr Leitmotiv, auch wenn damit die Prinzipien unserer Verfassung außer Kraft gesetzt werden. Leider befürworten viele Menschen diese Politik. Die Versuchung ist groß, nur das gelten zu lassen, was einem selbst Vorteile bringt. In der Bibel begegnet uns diese Haltung von der ersten Seite an, mit allen schrecklichen Folgen: Feindschaft, Hass, Trennung, Krieg. Doch nur wenn das Recht für alle gilt, können gerechte Verhältnisse geschaffen, kann Frieden erhalten bleiben. 

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Einer, der für Zuverlässigkeit steht

Von Ulrich Hutter-Wolandt

In diesen Tagen spüre ich viel Angst, Verzweiflung oder Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft, besonders wenn es um politische Entscheidungen geht. Wovor haben die Menschen noch Respekt? Bestimmen nur noch grölende, aggressive Demonstranten unsere Öffentlichkeit und das Bild unseres Landes nach außen, eine grölende Masse, die manchmal – so denke ich – gar nicht weiß, hinter wem sie herläuft. Wem können wir noch vertrauen? Im Augenblick scheint es, als haben viele Menschen ihr Vertrauen in die Politik verloren. Und da werden ganz schnell bisher beachtete Denk-Grenzen übersprungen. Doch Negativ-Denken soll nicht unser Handeln bestimmen.

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Halleluja trotzt dem Ohnmachtsgefühl

Von Ulrike Trautwein

Ein bekanntes englisches Sprichwort heißt: „No news is good news“. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Da ist was dran. Täglich erreichen uns eine Menge Nachrichten, meistens „bad news“, schlechte Nachrichten. Kriegsszenarien, Terror anschläge, Fluchtdramen, Unwetterkatastrophen, antisemitische Angriffe, rechtsextremistische Aufmärsche. Die Liste scheint endlos in diesen Tagen. Das ist bedrückend und manchmal macht es mir auch richtig Angst.          

Immer öfter aber regt sich in letzter Zeit ein innerer Widerstand in mir. Nein, denke ich, ich will nicht in Traurigkeit, Angst oder Ohnmacht versinken! Darin unterstützen michdie Worte aus Psalm 89. Der Psalmbeter hat Schlimmes erlebt. Trotzdem bleibt er an Gott dran, lobt Gott von ganzem Herzen:   

„Halleluja. Ich will Dir singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Halleluja.“

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Dem Tod von der Schippe springen

Von Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Kirchenkreises Oder-Spree.

In der Welt geht es hoch her. Da sind „Könige von Heerscharen“, „Völker, die gerne Krieg führen“ und natürlich die, „die das Silber lieb haben“. Auch die Natur leidet und ist „dürre“. Das ist die Welt des 68. Psalms, und es ist auch unsere Welt. In ihr haben die Waisen und die Witwen, die Einsamen, die Gefangenen, die Elenden und die Gerechten Angst, unter die Räder zu kommen. In dieser Angst hoffen sie auf Gott – nicht, dass sie getröstet werden, wenn sie unter die Räder gekommen sind, sondern dass die großen Räder gestoppt werden, bevor sie sie zermalmen. Schließlich hat Gott in der Vergangenheit immer wieder aus Todesnöten geholfen: Er hat das Volk Israel bei der Flucht aus dem Sklavenhaus Ägypten vor dem Heer des Pharaos bewahrt. In der Wüste hat er den Menschen zu essen und zu trinken gegeben. Und Jesus befreit Kranke von lebensbedrohlichen Dämonen und schützt geschickt eine wehrlose Frau, die gesteinigt werden soll.

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Ein starkes Herz für Menschen

Von Wolf Krötke

„Kommt, denn es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.“ Aus diesen Einladungsworten zum Abendmahl ist uns Christinnen und Christen unser Psalmwort wohl vertraut. Wir werden eingeladen, uns nicht nur durch Worte, sondern auch durch unsere körperlichen Empfindungen Gottes Freundlichkeit angehen zu lassen. Beim Abendmahl sind es Brot und Wein – Früchte der Erde, die wir schmecken und sehen – , welche uns sinnlich daran erinnern, dass Gottes Freundlichkeit im Leben und Sterben Jesu Christi geerdet ist. Da wird also die Wahrnehmung unseres Psalms aufgenommenen.

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Gebete geben Antworten

Von Jürgen Israel

Vermutlich könnten wir unbeschwerter in diesen Halleluja-Vers einstimmen, wenn statt „fürchten“ das Wort „lieben“ stünde, oder wenigstens „ehren“. Aber fürchten? Ist nicht Jesus gekommen, um uns die Furcht zu nehmen, um das Himmelreich auch denen aufzuschließen, die den Vater nicht fürchten? Hat nicht die Vorstellung vom strengen, strafenden Vater, den die Kinder fürchten sollen, ausgedient? Bemühen wir uns nicht, unsere ­Kinder angstfrei zu erziehen? Aber hier steht nun einmal „fürchten“.

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Gottes Barmherzigkeit ruft nach unserer

Von Rolf Wischnath

Im Buch der Zehn Gebote, der Thora, in jüdischen Schriften um die Zeitenwende und im Buch des Juden Jesus Christus ist unter „Barmherzigkeit“ zu verstehen: Hinwendung zur Barmherzigkeit Gottes als dem Grund aller Hoffnung; Wohltätigkeit gegenüber den Armen, die nichts zu essen oder zum Anziehen haben; Hilfe für anderweitig sozial Bedrängte und für Verfolgte und Flüchtlinge; Zuwendung zu denen, die unser Ohr erreichen und die wir hören können und die nach unserem Erbarmen schreien und Nachsicht im Umgang mit Sündern. Muss man das kommentieren?

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Demut vor Gott kennt keine Schubladen

Von Beate Wolf

Politische Korrektheit nervt! Immer musst du aufpassen. Sag ein falsches Wort und schon bist du Rassist, Antisemitin, frauenfeindlich oder homophob. Du willst nicht mehr ständig aufpassen müssen, was du sagst, dass niemand sich beleidigt oder ausgegrenzt fühlt? Dann mach es einfach so: Lobe den Herrn! Immer! In jedem Wort, das du sprichst.        

Aber nicht, indem du ständig den Leuten deine Frömmigkeit unter die Nase reibst, sondern indem du in jedem Menschen deine Schwester, deinen Bruder siehst. Vom selben Schöpfer geschaffen. Sieh nicht die Hautfarbe, das Geschlecht, die Kleidung. Menschen machen so ein Tamtam darum. Der Schöpfer kennt keine Schubladen. Jedes Menschenkind ist ein Unikat.

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Melodie der Dankbarkeit

Von Sibylle Sterzik

Gottes Namen darfst Du nicht unnütz in den Mund nehmen. Das bekam ich als Kind und Jugendliche immer wieder in Christenlehre und Konfirmandenunterricht zu hören. Meine Eltern nahmen das auch zu Hause sehr ernst, was Luther in seiner Erklärung zum Zweiten Gebot „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht“ schrieb: Bei seinem Namen sollen wir nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, schreibt er im Kleinen Katechismus weiter. Auch nicht bei Belanglosigkeiten. Genervt „Oh je“ zu sagen, ohne Jesus überhaupt im Sinn zu haben, missachtet Gottes Namen. So verstand ich das und bin bis heute dankbar für diese Übung in Respekt.

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