Zeit der Hoffnung

 

Von Friederike Höhn

Die Adventszeit wird gerne als Zeit des Wartens und der Vorfreude beschrieben. Doch das greift zu kurz. Im Advent wird Hoffnung ganz deutlich sichtbar, mit Händen greifbar. Das wird auch deutlich in den Liedern, die wir singen. Nicht in den fröhlich klingenden, sondern in den getragenen. In denen, die uns ­innerlich ruhig werden, das ganze Außenrum vergessen lassen, die uns trösten und hoffnungsvoll stimmen.

Als Jochen Klepper zum Dritten Advent 1937 dieses Lied schrieb, durfte er nicht mehr arbeiten, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Freunde wendeten sich von ihm ab, er hat Grund zu zweifeln und sich verlassen zu fühlen.

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Auf Empfang

Von Beate Wolf

Wie soll ich dich empfangen, Jesus, wenn du wirklich kommst? Soll ich mein Bad vorher putzen? Das mache ich immer, wenn ich nervös bin. Kommst du allein oder mit anderen – ich frag nur wegen des Essens. Werde ich überhaupt ein Wort rauskriegen vor Aufregung? Oder soll ich mich mal lieber beruhigen und „ganz ich selbst sein“, wie meine Supervisorin immer so bedeutungsschwanger sagt. Ich weiß nie, was sie damit meint.

Wie soll ich dich empfangen? Soll ich schon mal alle meine Fehler und Macken und Schandtaten aufschreiben, damit wir die Liste in Ruhe durchgehen können? Oder ist es völlig wurscht, was ich tue und wo ich bin, weil du allein den Zeitpunkt und den Ort bestimmen wirst? Aber wie wird es sein? Wie ein Schock oder eher wie Rettung in letzter Sekunde?

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Das besondere Privileg

Von Jens Blanck

Am frühen Morgen vor der ersten Stunde Religionsunterricht: Schülerinnen und Schüler kommen müde in den Raum und einige legen ihren Kopf auf den Tisch. Ich frage, ob sie denn an diesem Morgen schon fünf Mal vor Freude in die Höhe gesprungen sind. Dann heben sie fragende die Köpfe: „Wieso das denn?“

Ich sage: „Zum Beispiel, weil ihr gesund seid, weil ihr was zu essen und zu trinken habt, weil ihr Menschen um euch habt, die euch lieben, weil ihr zur Schule gehen könnt.“ Ups, dann kommt der erste Einwand: „Schule? Nee! Und die anderen ­Sachen sind doch Selbstverständlichkeiten.“ – „Was, Gesundheit eine Selbstverständlichkeit? Wohl lange nicht krank gewesen? Und gerade das Erntedankfest macht uns doch jedes Jahr deutlich, dass unsere Lebensmittel nicht selbstverständlich sind.“

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Von Taten und Wundern reden

Von Linda Hochheimer

Wie kann ich von Gott reden? Im Laufe meines Theologiestudiums habe ich darauf viele Antworten gefunden. Ich bin die Regalmeter in der Bibliothek abgelaufen, habe mir eine Dogmatik gegriffen, die nächste stehen lassen und dann wieder in einer anderen geblättert. Es war spannend zu sehen, wie alles miteinander zusammenhängt und wie verschiedene Theologen die christliche Lehre plausibilisieren. Wie umfassend die christliche Lehre ist, lässt das Apostolische Glaubensbekenntnis erahnen. Im Alltag jedoch, in der Auseinandersetzung mit Freunden, in tiefgehenden Gesprächen, wenn es spät wurde auf Feiern und in der Gemeinde ließen mich die verschiedenen Dogmatiken oft im Stich. Schlagfertig war ich damit nicht, wenn mich jemand nach Gott oder Jesus Christus fragte. Zu kompliziert und einfach zu lang waren die Erklärungen, die folgen mussten. Was so sperrig für den Kopf ist, geht noch viel schwerer ein ins Herz.

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Rituale am Schweideweg

Von Stefanie Hoppe

„Bis dass der Tod euch scheidet“, das wünschen sich nach wie vor die meisten Brautpaare, die ich kirchlich traue. Und tatsächlich wird die Mehrzahl durch den Tod geschieden. Rund eine halbe Millionen Paare geben sich in Deutschland jährlich das Ja-Wort, knapp 400000 werden geschieden. 70 Prozent durch den Tod, 30 Prozent gerichtlich. Immerhin.
Was nicht gezählt wird, das sind die zahllosen Trennungen nach langer Partnerschaft.

Während der Beginn einer Ehe groß gefeiert wird, erstickt das Ende einer Beziehung in Trauer, Streit oder Schweigen.
Gottesdienst zur Eheschließung und Gottesdienst zur Ehescheidung oder Trennung. Den Anfang eines neuen Lebens als Getrennter mit dem Segen Gottes beginnen – wäre das denkbar?

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Null Toleranz. Null Gnade?

Von Johanna Haberer

Ja, wovon singen wir nun in diesem Land? Von Gnade oder von Recht? Wovon singen wir, wenn wir unseren Gott loben? Da gibt es die Stimmen, die die sogenannten Rechtsmittel weitestgehend ausschöpfen wollen, um eingewanderte Menschen aus dem Land zu verweisen, egal, ob sie hier Arbeit und Familie haben oder nicht. Null Toleranz. Null Gnade. ­Polizeieinsatz nachts. Abschiebehaft.

Da gibt es in einem ganz anderen Fall die Stimmen, die kompromisslos für die Verfolgung und Bestrafung von Menschen plädieren, die Kinder missbraucht haben. Null Toleranz. Null Gnade.

Dann gibt es die Stimmen, die für „Gnade vor Recht“ plädieren. Die ­einen, im Fall der Geflüchteten, die doch eine Chance verdient haben, die anderen im Fall der Priester, die in ­ihrem Leben doch auch so vielen Menschen geholfen haben. Gott ist gnädig und gerecht, jubelt unser Psalm.

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Gottes Gebote sind #unteilbar

Von Bernd Krebs

Sich selbst das Beste nehmen, egal was anderen bleibt, nennt der Volksmund  „Rosinenpickerei“. Dieser Methode folgen heute Populisten aller Arten. Sie versprechen Arbeit, Wohnen, soziale Sicherheit, doch nur den „Ihren“. „Deutsche zuerst“ ist ihr Leitmotiv, auch wenn damit die Prinzipien unserer Verfassung außer Kraft gesetzt werden. Leider befürworten viele Menschen diese Politik. Die Versuchung ist groß, nur das gelten zu lassen, was einem selbst Vorteile bringt. In der Bibel begegnet uns diese Haltung von der ersten Seite an, mit allen schrecklichen Folgen: Feindschaft, Hass, Trennung, Krieg. Doch nur wenn das Recht für alle gilt, können gerechte Verhältnisse geschaffen, kann Frieden erhalten bleiben. 

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Einer, der für Zuverlässigkeit steht

Von Ulrich Hutter-Wolandt

In diesen Tagen spüre ich viel Angst, Verzweiflung oder Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft, besonders wenn es um politische Entscheidungen geht. Wovor haben die Menschen noch Respekt? Bestimmen nur noch grölende, aggressive Demonstranten unsere Öffentlichkeit und das Bild unseres Landes nach außen, eine grölende Masse, die manchmal – so denke ich – gar nicht weiß, hinter wem sie herläuft. Wem können wir noch vertrauen? Im Augenblick scheint es, als haben viele Menschen ihr Vertrauen in die Politik verloren. Und da werden ganz schnell bisher beachtete Denk-Grenzen übersprungen. Doch Negativ-Denken soll nicht unser Handeln bestimmen.

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Halleluja trotzt dem Ohnmachtsgefühl

Von Ulrike Trautwein

Ein bekanntes englisches Sprichwort heißt: „No news is good news“. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Da ist was dran. Täglich erreichen uns eine Menge Nachrichten, meistens „bad news“, schlechte Nachrichten. Kriegsszenarien, Terror anschläge, Fluchtdramen, Unwetterkatastrophen, antisemitische Angriffe, rechtsextremistische Aufmärsche. Die Liste scheint endlos in diesen Tagen. Das ist bedrückend und manchmal macht es mir auch richtig Angst.          

Immer öfter aber regt sich in letzter Zeit ein innerer Widerstand in mir. Nein, denke ich, ich will nicht in Traurigkeit, Angst oder Ohnmacht versinken! Darin unterstützen michdie Worte aus Psalm 89. Der Psalmbeter hat Schlimmes erlebt. Trotzdem bleibt er an Gott dran, lobt Gott von ganzem Herzen:   

„Halleluja. Ich will Dir singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Halleluja.“

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Dem Tod von der Schippe springen

Von Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Kirchenkreises Oder-Spree.

In der Welt geht es hoch her. Da sind „Könige von Heerscharen“, „Völker, die gerne Krieg führen“ und natürlich die, „die das Silber lieb haben“. Auch die Natur leidet und ist „dürre“. Das ist die Welt des 68. Psalms, und es ist auch unsere Welt. In ihr haben die Waisen und die Witwen, die Einsamen, die Gefangenen, die Elenden und die Gerechten Angst, unter die Räder zu kommen. In dieser Angst hoffen sie auf Gott – nicht, dass sie getröstet werden, wenn sie unter die Räder gekommen sind, sondern dass die großen Räder gestoppt werden, bevor sie sie zermalmen. Schließlich hat Gott in der Vergangenheit immer wieder aus Todesnöten geholfen: Er hat das Volk Israel bei der Flucht aus dem Sklavenhaus Ägypten vor dem Heer des Pharaos bewahrt. In der Wüste hat er den Menschen zu essen und zu trinken gegeben. Und Jesus befreit Kranke von lebensbedrohlichen Dämonen und schützt geschickt eine wehrlose Frau, die gesteinigt werden soll.

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