Auf roten Socken zum Taufstein?

Von Victoria Fleck

Die Menschen strömen herein, die Programmhefte gehen weg wie warme Semmeln und der Pfarrer strahlt – zu Konzerten ist die Kirche voll. Was für ein Geschenk, dass die Menschen die Schwelle so leichtfüßig überqueren. Und die Gemeinde gibt sich alle Mühe, gastfreundlich zu sein. Denn das Lob über das gelungene Konzert wird ihnen noch lange in den Ohren klingen. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Nicht ohne das ­Alte Testament

Von Rolf Wischnath

Ohne die beiden Namen der hier ursprünglich Angesprochenen steht dieses Gotteswort in evangelischen Gesangbüchern und Gottesdienst­ordnungen. So wurde es zu einem der aller-liebsten bib­lischen Texte bei „Amtshandlungen“. Aber so geht es nicht.

Dieses Wort ist zu Menschen eines bestimmten Volkes in einer bestimmten ­Situation gesprochen: zum Volke Israel in der schrecklichen babylonischen Gefangenschaft. Der König Nebukadnezar war in das Land Jakobs eingefallen. Er hat Jerusalem umzingelt und eingenommen, den Tempel zerstört, viele Bewohner der Stadt und des Landes über tausend Kilometer verschleppt in die Sklaverei nach Babylon. Für diese Gefangenen war alles zu Ende. Und sie hören als allererste dieses Wort Gottes durch den Propheten Jesaja II. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Pausen gönnen

Von Andreas Fünfstück

Am 4. Juli erinnern wir auf dem Lausitz-Kirchentag an paradiesische Möglichkeiten. „Edenmäßig“ heißt es für alle, die das kurzweilige, themenstarke Programm miterleben. Die es mitgestalten und hoffentlich reichlich Ableger und Saatgut in die Gemeinden mitnehmen und an geeigneten Standorten klug verteilen. Dabei gnädig zu sein mit denen, die nicht da sein können, täte allen gut. Wie vielleicht überhaupt eine Pause mit gemeinde-, kirchenkreis- und sprengelübergreifenden Großveranstaltungen, – so seligmachend sie auch sind? Eine schöpferische, edenmäßige Pause bis zum Reformationsjubiläum 2017 täte bestimmt allen gut. Damit Gemeinden Zeit haben, sich zu regenerieren. Ruhephasen nannte man solche Praxis bereits in der antiken Landwirtschaft. Vom Sabbatjahr lesen wir noch heute im ersten Teil des Buches der Bücher. In Ephesus hatten die Christusanhänger von Paulus den Hinweis auf Gottes gnädige Geberlaune zu lesen und zu hören bekommen. Die Sätze waren unmissverständlich. Allem Anschein nach war diese klare Ansage auch dort und damals nötig, damit nicht die guten Werke und messbaren Aktivitäten das durch Christus veränderte Weltbild verhüllten. Gott weiß, wie es um seine Schöpfung bestellt ist, darum bleibt er schöpferisch und hat mit dem Wirken Jesu vorgesorgt. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Ins Licht tragen

Von Viola Kennert

Zu tragen hatten sie nur eine kleine Tasche, die auf die Flucht mitgenommen werden konnten. So erzählen es die Alten, die es damals vor, im und nach dem Krieg geschafft haben, Tod und Verfolgung zu entrinnen. So erzählen es die Jungen, die es heute schaffen, Folter und Krieg zu entrinnen. Die Last in den Händen ist leicht, die Last auf den Seelen unerträglich schwer. Das lebensrettende Gesetz Christi heißt: Hört zu, wenn die Last herausgeweint wird und erzählt euch die Last von der Seele. Gemeinschaft entsteht, wenn wir unsere Geschichten kennen und die Lasten unserer Seelen einander anvertrauen. Es ist der erste Schritt, damit die Lasten den Schrecken verlieren. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Einfach los

Von Johanna Friese

Harald Höppner aus einem kleinen brandenburgischen Dorf hatte im vergangenen Herbst eine Idee. Er kaufte einen Kutter, nannte ihn „Sea-Watch“, suchte sich eine Mannschaft und brachte das Schiff von Hamburg ins Mittelmeer – mit vier Rettungsinseln an Bord. Nun sind die acht freiwilligen Helfer auf ihrer ersten Einsatzfahrt vor der
libyschen Küste. Sie wollen Flüchtlinge retten, die in Seenot sind. Obwohl Höppner kaum Ahnung von Schiffen hat, und auch sein Kutter nur mittelmäßig als Rettungsschiff geeignet ist, will er wenigstens für ein paar Wochen zeigen, dass es geht. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Neue Menschen

Von Ute Gniewoß

So genau erinnert sich niemand, warum sie es gerade jetzt getan hatten. Es war ja eigentlich nichts anders in ihrer Gemeinde. Als erstes kam der eritreische Flüchtling Kidane, der nach Ungarn abgeschoben werden sollte. Sie hörten von der Irrfahrt, die er in den letzten Jahren erlebt hatte und von den Toten in seiner Familie.

Sie berieten sich und nahmen ihn ins Kirchenasyl. Und die leere Wohnung, die sie eigentlich gewinnbringend vermieten wollten, vergaben sie an die Kenianerin Phozia, die es mit ­ihrem kleinen Kind nicht mehr im Heim aushielt. Immerhin war sie schon sicher hier. Und dann kam noch Hotte. Alle kannten Hotte, der immer mal wieder vorbeikam und draußen lebte. Er brauchte eine Zahnbehandlung und wollte daher eine Weile bleiben. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Wachsam zuhören

Von Stefanie Hoppe

Was gilt in der Kirche? Na letztlich das, was Menschen sagen. Manche klug, andere weniger, hin und wieder weitsichtig und mal ein wenig beschränkt, oft uneigennützig, meistens machtbesessen.

Es ist wohl das größte Wunderwerk Gottes, dass das Evangelium durch die Kirche immer wieder hindurchleuchtet. Skandale, Verblendungen, Dummheit der Menschen, die sich Christen nannten, haben die Frohe Botschaft nicht gehindert, sich in der Welt auszubreiten. „Wer euch hört, der hört mich“, sagte Jesus. Und er kannte die Seinen nur zu gut, wie oft hatten sie versagt und nicht verstanden.(...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Die Zahl Drei

Von Friederike von Kirchbach

Es ist ein starkes Bild und trotzdem ein Geheimnis: Dreimal sprechen die Seraphime heilig, mit zweimal drei Flügeln bedecken sie Gesicht und Füße und fliegen, so steht es zuvor. Seraphime können wir uns als halb Mensch- und halb Tier­gestalten vorstellen. Das ist nicht schwer für Liebhaber von ­Fantasiefilmen, schwerer vielleicht für jene, die sich mit den Tiefen der Trinitätslehre befassen.

Da rücken die Seraphime in den Hintergrund und das dreifach Heilig bleibt unüberhörbar und schwierig. Gott einfach zu erklären, ist nicht leicht – aber dreifach? Oft scheint der Name „Gott“ ­allein schon eine Provokation zu sein – aber dreieiniger Gott? (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Jesus hat Bodenhaftung

Von Susanne Kahl-Passoth

„Die da oben machen doch, was sie wollen! Was es bedeutet, Kinder allein großzuziehen, davon haben die doch keine Ahnung!“  So eine alleinerziehende Mutter als Reaktion auf die Rede eines Politikers zur Familienpolitik. Da oben soll nun auch Jesus sein, hat er doch seine Freundinnen und Freunde verlassen: am Himmelfahrtstag, aufgefahren in den Himmel, um seinen Platz zur Rechten Gottes einzunehmen. Damit unerreichbar für uns, fern von der alltäglichen Wirklichkeit, von den kleinen und großen Sorgen und Katastrophen, von uns Menschen? (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Tätig bleiben

Von Ulrike Trautwein

Gott zu loben stärkt mich. Oft liegt es näher, mit Gott zu hadern. Weil so Unfassbares geschieht in seiner Welt. Weil ich so vieles nicht verstehe und ich mich immer wieder frage, warum ist die Welt so, wie sie ist? Warum lässt du das zu, Gott? Und es gibt ja reichlich aktuelle Anlässe für solche Fragen. Manchmal brauchen wir das Klagen und Fragen. Und ich glaube, dass Gott es hört. Wenn ich aber auf Dauer beim Klagen bleibe, halte ich mich selbst in Ohnmacht gefangen.

Freier werde ich, wenn ich die Warum-Litanei gegen Gott durchbreche. Wenn ich mich selbst frage: Warum lasse ich das zu? Gott hat in uns Menschen so viel hineingelegt. Wir sind fähig zu Vertrauen, zu Mut und Liebe. Ich will nicht ohnmächtig leben und suche nach Möglichkeiten, etwas zu tun. (...)

Ausgabe kaufen und weiterlesen