Zweierlei Maß

Von Heilgard Asmus

Ein Konfirmand bittet im Internet um Hilfe: „Die Pfarrerin hat mir bei meiner Konfirmation diesen Spruch (Lukas 12,48) ausgesucht, ich weiß nicht warum. Kann mir das jemand erklären?“ Er erhält viele Antworten und favorisiert diese: „Du bist wahrscheinlich jemand, der gut zuhören kann, deswegen suchen viele dein Vertrauen. Dir wird viel anvertraut, denk dran, dass du damit gefordert wirst, zu handeln.“

Mir gefällt die Frage, da weiß jemand noch gar nicht, wie viel ihm gegeben ist. Mir gefällt auch die Antwort, sie bindet die Gaben und die Verantwortung, die aus ­ihnen wächst, zusammen.

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Licht sammeln und weitergeben

Von Christian Stäblein

Sonnenkollektoren, Fotovoltaikanlagen– man findet sie nicht selten auf Gemeindehausdächern. Eine faszinierende Technik. Licht speichern und als Strom und Wärme zum Einsatz bringen, wenn es gebraucht wird. Elektrophysikalisch ist die Sache hochkomplex, ich bewundere die Entwickler einer Kunst, die, obwohl es um Licht geht, über ganz dunkel wirkende Platten funktioniert. Energiepolitisch ist die Technik weitgehend Konsens. Theologisch auch. Sonnenkollektoren sind ein Weg, die Schöpfungsgaben Gottes gut zu nutzen.

Lichtkollektoren – man findet sie überall in den Gemeindehäusern unserer Kirche. Menschen, die Licht sammeln, weil sie Kinder des Lichts Gottes sind. Und die dieses Licht weitergeben. Im Begleiten der neuen Flüchtlingsfamilie. Im Erzählen in der Bibelstunde. Im Blasen im Posaunenkreis auf dem Sommerfest. Früchte des Lichts. Christen sind wie Lichtkollektoren Gottes. Die sich selbst nicht immer leuchtend fühlen, innerlich ist da manches Mal das Gefühl der dunklen Platte. Nun, bevor der Vergleich schief wird und entgleitet: Glauben ist keine Frage von Speichertechnik. Gott scheint durch uns, macht es hell, gerade auch da, wo es dunkel war – und nicht selten gegen den Augenschein, wunderbar hell.

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Gar (nicht) abwegig

Von Rolf Wischnath

Zweiunddreißig Theologiestudenten im Seminar werden gefragt, was sie unter dem alten Wort „Hausgenosse“ und unter dem neuen Wort „godspot“ verstehen. Exemplarisch schreibt einer: „Hausgenossen leben miteinander in unterschiedlichen Parteien. Genossen sind solche, die man schon besser kennt. Es ist eine Zwischenstufe von Bekannten und Freunden.“ Ein anderer: „Kommunismus (Genosse)? Zweck-WG?“

Überraschung: Da sich das Leben in Palästina weitgehend im Freien abspielte, konnte das Haus klein sein. In der Regel stand dort für alle nur ein Raum zur Verfügung – errichtet aus Stein oder Lehmziegeln, ein sogenanntes Breit-Haus. Von daher wird mit „Hausgenosse“ das Verhältnis zu Gott als intimes, familiäres beschrieben. Das Gotteshaus im geistlichen Sinn ist Ein-Raum-Wohnung, kennt keine Nebenräume. Keine Untermieter. Nur Mitbewohner. Nur Familie. Nur Angehörige.

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Wenn alles ins Wanken gerät

Von Martin Herche

„Bitte lass mich keinen Krebs haben. Ich möchte für meine Kinder da sein. Ich möchte mit meinem Mann alt werden. Ich möchte meine pflegebedürftige Mutter unterstützen. Bitte lass es keinen Krebs sein.“

Ich kenne die Frau nicht, die diese Gebetsworte kürzlich in einer Kirche hinterließ. Aber die Angst, die aus ihren Zeilen spricht, spüre ich. Die Angst, nicht mehr für ihre Lieben da sein zu können. Hoffentlich bestätigt sich die befürchtete Diagnose nicht, so bitte ich mit ihr zu Gott. Aber wenn doch? Wenn es doch Krebs ist?

Ich kann kaum ahnen, wie furchtbar das für sie wäre. Umso mehr wünschte ich ihr dann Menschen, die ihr beistehen. Ihr und ihrer Familie. Und ich wünschte ihr trotz aller Befürchtungen Heilung. Aber was, wenn die Krankheit unheilbar wäre? Was dann, Gott?

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Festhalten und hüten

Von Viola Kennert

Sei doch mal gnädig! Dieser kindliche Ruf, um einen Wettlauf zu gewinnen oder einer Rüge zu entkommen – das ist ein kindliches Spiel.

Begnadigung und „Gnade vor Recht ergehen lassen“ ist Ernst des Lebens: Es gibt kein Recht auf Gnade – doch es gibt das Recht, Gnade walten zu lassen. In unserem Miteinander ist die Gnade verbunden mit der Macht, großzügig sein zu dürfen und zu können.

Wir wünschen uns Gnade, wenn wir etwas falsch gemacht ­haben und von Strafe verschont werden möchten. Doch wenn das Gnädig-Sein das Recht aushöhlt, herrscht Willkür.

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Anderer Blick

Von Johanna Friese 

Sie wollte einen Verein gründen für Eltern, die wie sie ein schwer behindertes Kind großziehen. Mühsam musste sie Betroffene erst davon überzeugen, wie gut es wäre, sich persönlich auszutauschen und nicht nur übers Internet. Vor allem die Kinder könnten vom ­Zusammensein der Familien profitieren, glaubte sie. Sie würden zusammen spielen und einander zum Vorbild werden. Die Eltern könnten sich stützen und stärken. Denn ein erfülltes Leben, ob mit oder ohne Handicap, ist ein Leben mit anderen gemeinsam. Doch wie kommt und wie bleibt man zusammen und trägt sich gegenseitig?

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Favoriten und Gurkentruppen

Von Linda Ahrens

Was schon verloren ist, wird ­selig gemacht. Das Verlieren hat keine Endgültigkeit. Es kann aufgehoben und zum Guten gewandelt werden. Das verheißt der Wochenspruch. Verlierer können immer Gewinner werden.
Beim Fußball gibt es ständig Gewinner und Verlierer, zumindest bei großen Turnieren. Immer wird bis zum Ende gekämpft. Mannschaften, die schon weit zurück ­lagen, haben ein Spiel doch noch drehen können. Alles ist möglich.

Und nun ist es wieder so weit: Die Fußball-Europameisterschaft (EM) steht kurz bevor und bald können wir wieder mit fiebern, ­zittern und hoffen. Das bunte Fußballdeutschland ist begeistert. Es gibt einige Favoriten, es ist wahrscheinlich, dass einer von ihnen ­gewinnt. Aber es gibt auch Geheimfavoriten. Was ist mit Kroatien, was mit der Türkei oder Österreich. Lächerlich? Und was ist mit all den anderen Mannschaften, die sich für die EM in Frankreich qualifiziert haben. Wer wird es ­dieses Mal packen?

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Hier sind Verlierer die Gewinner

Von Stefanie Hoppe

Kein anderes Buch hat die Jugend zwischen 20 und 35 so stark geprägt wie Harry Potter. Egal ob als Film, Hörbuch oder tatsächlich gelesen – die Kinder sind mit Joanne K. Rowlings Zauberer-Parallelwelt aufgewachsen. Im zweiten Band bekommt der Romanheld von seinem weisen Schulleiter Dumbledore einen Rat mit auf den Weg, der den Zeitgeist unserer westlichen Gesellschaft auf den Punkt bringt: „Es sind unsere Entscheidungen, Harry, die zeigen, wer wir wirklich sind – viel mehr als unsere angeborenen Fähigkeiten.“

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Energiespeicher für Tage des Zweifels

Von Friederike von Kirchbach 

Mit anderen Worten sagt dieser Wochenspruch, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, ganz und gar auf meiner Menschenseite steht. Im Guten wie im Schlechten. Er ist damit nach eigener Aussage das, wonach sich jede und jeder im Leben sehnt. Ein treuer und ständiger Begleiter. Einer, der immer da ist. Einer, der meine Kränkungen kennt und teilt. Jetzt brauche ich das nur noch zu glauben. Dann könnte ich erleichtert und glücklich weiter leben. Denn ich bin ja nicht allein.

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Eigentlich ganz einfach

Von Johanna Haberer

Die gelehrte Lektüre über die „Dreieinigkeit“ oder die „Dreifaltigkeit“ oder lateinisch die „Trinität“ des christlichen Gottes füllt Bibliotheken. Dreihundert Jahre lang, zwischen dem 4. und dem 7. Jahrhundert nach christlicher Zeit, haben sich die Oberhäupter der Weltkirche gestritten, wie sich denn das Geheimnis von Schöpfung, ­Erlösung und Gemeinschaft in einem Gott zusammendenken lässt. Und bis heute stolpern Christen über die Dreiteilung im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist.

Wie Gott und Jesus Christus ­zusammengehören, was sie trennt und was sie eint, darüber rätseln bis heute Gläubige und Religionsgelehrte: Ist Jesus ein wunderbarer Weisheitslehrer oder ist er wahrhaftig Gottes Sohn?

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