Lobe den Herrn

Von Stefanie Hoppe

Alpha und Omega, Anfang und Ende, alles in allem: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen“ (Psalm 1, 1) und „Alles was Odem hat, lobe den Herrn. Halleluja!“ (Psalm 150, 6). Diese beiden Worte sind der erste und der letzte Vers im Buch des Psalter. Alles Leben liegt im wahrsten Sinne des Wortes zwischen diesen Buchstaben. Ich bin schon lange staunende Bewunderin der wohltuenden „Überheblichkeit“ der jüdischen Psalmdichter. Nichts ist ihnen am Menschen zu klein, zu einfach, zu unbedeutend, um es nicht auf Gott zu beziehen.   

Der Psalmbeter ist „gottoffen“ und damit auch weltoffen. Die Freude von der rettenden Macht Gottes erzählt er allen weiter: der Familie, der Gemeinde, ja der ganzen Welt, also generationen-, schichten- und nationenübergreifend. Der Beter kennt keine Grenzen („… die können das nicht verstehen“) oder Scham („… die wollen das nicht hören“) oder Vorsicht („… ich will doch keinen überzeugen“).

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Selbst gemacht

Von Sibylle Sterzik

Wer etwas gemacht hat, scheint immer ganz wichtig zu sein. Die Kleinen zeigen stolz den gebauten Turm her, wollen ihr großartiges Bauwerk jemandem zeigen und gesehen werden. Die Großen arbeiten bis zum Umfallen, um wen zu beeindrucken, schreiben dicke Bücher und versäumen keine Gelegenheit, zu zeigen: Seht her, was ich schon selbst gemacht habe. Natürlich nicht in der Kirche, da redet man ja nicht über die eigenen Erfolge, man streut lieber dezent kleine Glitzerstreifen ein ins Gespräch, macht verschämt auf sich aufmerksam oder – lässt reden und setzt eine bescheidene Miene auf. So sind wir Menschen eben, wie die Kleinen gesehen zu werden, tut gut und macht auch ein wenig verführbar.

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Getrost sterben

Von Martin Herche

Die große Theologin Fairy von Lilienfeldt (1917–2009) beklagte in ihren letzten Lebensjahren, dass in unseren Gottesdiensten bei der Liedauswahl oft die letzten Strophen fehlten, gäben doch gerade sie altgewordenen Menschen wie ihr eine seelsorgerliche Hilfe bei der Vorbereitung auf das Sterben.

Mir hat ihre Klage sofort eingeleuchtet. Seitdem nehme ich die letzten Strophen der Choräle ganz anders wahr. Auch bei dem Lied, das uns durch die Karwoche begleiten wird. Es stammt von dem 1596 im schlesischen Seifersdorf geborenen Pfarrer Adam Thebesius und trug die Überschrift „Bitte um die Frucht des Leidens Jesu“.

Thebesius verlor zwei seiner Töchter durch die Pest, eine dritte durch einen Unfall. Schließlich starben auch seine Frau und das neugeborene Söhnchen. Er selber war häufig von Krankheiten und Beschwerden geplagt. Sie mahnten ihn an den eigenen Tod.

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Damit ich lebe

Von Thilo Haak

„Warum musste Jesus leiden und sterben?“ Für mich ist diese Frage immer eine der schwierigsten gewesen. Das Sterben hat doch keinen Sinn und dass ein Mensch leiden muss, ist doch nicht richtig. Der Versuch einer Antwort fällt schwer. Er wird immer wieder unterschiedlich ausfallen, ist im Laufe der ­Theologiegeschichte unterschiedlich ausgefallen.

Der wohl vertrauteste Liedermacher unseres Gesang­buches, Paul Gerhardt, hat in dem alten Kirchenlied „O Haupt voll Blut und Wunden“ seine Antwort formuliert. Er schrieb das Lied im Jahr 1656, nur acht Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, der wie kein anderer Not, Leiden und Tod über Europa gebracht ­hatte.

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Der Liebe zuliebe

Von Viola Kennert

Der Krebs ist wieder da – die Chemotherapie wird wieder heftig, doch sie wird eine Tür für eine Wegstrecke mit Kindern und Enkeln öffnen. Darauf freut sie sich. Das Kind lacht und fängt an zu sprechen und versteht immer besser, dass es zwischen Vater und Mutter hin und hergerissen wird. Doch es freut sich immer wieder – auf beide. Wehmut und Freude berühren sich. 

Die Passionszeit ist Frühlingszeit. Überall spürt man, wie sich mit Macht das neue Leben durchsetzt. Doch die Sonne bringt auch unsere Trauer und Lebenswehmut ans Licht: Trauer, die vermodert und Platz macht für Neues – und neue Trauer, die in diesem Frühling das Leben bestimmen wird.

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Den Schmerz ertragen

Von Beate Wolf

In Filmen werden die Guten oft eingesperrt und zusammengeschlagen. Aber irgendwie kommen sie wieder raus, schlagen zurück und am Ende ist das Böse besiegt und der Gute glücklich. In der Regel hat er nicht mal ein blaues Auge, weil das nicht hübsch aussähe.

Aber in Wahrheit tragen Menschen dauerhaften Schaden durch Gewalteinwirkung davon. Ist der körperliche Schaden noch zu heilen, so ist der seelische Schaden oft viel gravierender. Die Demütigung, die die Menschen erlitten haben, die Todesangst, der Verlust jeglicher Sicherheit: Das macht was mit ihnen.

Das ist keine moderne Erkenntnis. Die alten Passionslieder erzählen von Hohn, Spott und Schanden, von bitterer Verlassenheit. Sie wissen, dass die körperliche Folter eigentlich unter der seelischen Folter steht. Nicht als Held stirbt Jesus, sondern als ausgelachter Verlierer.

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Tu doch was

Von Christina-Maria Bammel

„Ich bin wütend“. So der Titel einer Fortbildung; fix ist sie ausgebucht. Wut und Zorn, mal inszeniert, mal erschreckend echt und ungebremst. Einerseits nicht verkehrt: Zorn verleiht ja Kraft. Andererseits: Ist das Dazwischenrufen und Türen schmeißen mehr geworden? Ist es diese grassierende Unanständigkeit, die uns gerade auseinander treibt?

Es sind nicht die Gefühle an sich, die den Zusammenhalt gefährden. Gefühle sind da – ob komfortabel oder nicht – und anzunehmen. Etwas anderes alarmiert: Wenn das Ich seinen Willen nicht erhält, seine Ansichten nicht unterstützt und verstärkt bekommt, dann platzt es seinen wütenden Protest heraus. Konstruktiv geht anders; Erwachsensein auch! Der Text von Kurt

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Verklebtes Wort

Von Angelika Obert

Es geht auf die Passionszeit zu. Bis Ostern wird kein Halleluja-Vers mehr gesungen. Jetzt soll an dieser Stelle ein Vers aus einem Passionslied bedacht werden, ausgerechnet! Hieß es nicht am letzten Reformationstag hier: „Schluss mit Sünde“? Da müsste es wohl auch heißen: Schluss mit Passionsliedern! Denn die kreisen mehr oder weniger alle darum: Der Menschensohn muss leiden „um unserer Sünde willen“. Bevor ich diesen Gedanken verwerfe, versuche ich, ihn zu verstehen und so viel verstehe ich jedenfalls: All das, was in Jesus als wahre Menschlichkeit aufscheint, seine Freiheit, sein Offensein, sein unbedingtes Vertrauen – es wird immerzu verdrängt, erstickt, tot gemacht, nicht nur in dieser Welt, auch im eigenen, ich-besessenen Herzen.

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Weisheit ist mehr als Wissen

Von Jürgen Israel

An diesem Sonntag werden noch einmal der Glanz und die Helligkeit des Epiphanias-Festes aufgerufen. Christus ist in die Welt gekommen, um sie zu erleuchten. Die Finsternis verschwindet. Wenn wir diesen Vers hören, denken wir selbstverständlich, er beziehe sich auf Christus. Und dann lesen wir, er stammt aus dem Alten Testament und heißt dort: Sie ist ein Glanz. Und damit ist die Weisheit gemeint. Wir wollen denen, die die Halleluja-Verse ausgewählt haben, nicht unterstellen, sie legten das Alte Testament gewaltsam so aus, bis sich alles auf Christus beziehe, als besitze es keinen Wert in sich selbst.

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Apostel mit feinem Gespür

Von Wolf Krötke

Für uns Christinnen und Christen heute ist das sicherlich eine schwierige „Ansage“, die dieser Psalmvers uns macht. Wir sollen uns rühmen. Gemeint ist: Wir ­sollen uns dessen rühmen, was wir Gott verdanken. Das aber sollen wir so machen, dass es bei Menschen, welche Luthers Über­setzung „Elende“ nennt, Freude auslöst.

Welche „Elenden“ unser Psalm vor Augen hatte, weiß niemand ­genau. Andere Bibelübersetzungen reden von „Armen“, „Gebeugten“ oder „Entmutigten“. Es sind jedenfalls Menschen, denen ihr Elend die Freude an ihrem Leben erstickt hat. Doch ist das lautstarke „Rühmen“ des Gottes, das ihnen zu Ohren dringt, angesichts ihres Elends die richtige Tonart?

Wolf Krötke ist Professor für ­Systematische Theologie und Mitherausgeber von „die Kirche“. 
Foto: privat

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