Gott light

Von Helmut Ruppel

Unter den kirchlichen Angeboten wächst die Zahl der Light-Produkte. Sie verheißen einen bedenkenlosen, ungefährlichen Genuss ohne Risiken und Nebenwirkungen: Gott ist lieb, aber nicht gewalttätig; Gott ist sanft, aber nicht zornig; Gott ist verständnisvoll, aber nicht eifersüchtig; er ist barmherzig und nicht schroff; er ist mild, nicht allmächtig; er segnet, fluchen mag er gar nicht – kurz: Gott stört nicht. Es lebt sich gut mit seiner Light-Version.

Der Wochenspruch meint das Gegenteil: Was Luther mit „Herrlichkeit“ übersetzt – „kabod“ – heißt im Hebräischen: Schwere, Gewicht, Würde, ja, berlinisch geredet: Gott ist eine Wucht.

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Beflügelt

Von Wolf Krötke

Ausnahmsweise hat Luther hier einen Text nicht gut übersetzt. Wörtlich stimmt’s zwar. Aber die Vorstellung, dass uns jemand „treibt“, bereitet doch Unbehagen. Wir denken da an eine Hammelherde. Uns fällt ein Chef ein, der zur Arbeit antreibt. Wir denken an Eltern, die ihre Kinder „auf Trab“ halten, damit sie sich als brave Spiegelbilder der Wünsche von Mutti und Vati beweisen. Doch sei es nun so oder so: Getrieben werden, macht unfrei. Das aber ist das Gegenteil von dem, was Paulus sagen will.

Wir müssen die Erläuterungen dazu nehmen, die er unserem Satz gegeben hat. Dann lautet er: „Welche der Geist Gottes beflügelt, die sind Gottes Kinder.“ Gottes Kinder kennen nämlich keinen krummen Rücken. Die haben einen aufrechten Gang und einen freien Geist. Die trauen sich zu, was sich Jesus getraut hat (Markus 14, 36). Sie sagen zu Gott „Abba“ (Römer 8, 15).

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