Ein starkes Herz für Menschen

Von Wolf Krötke

„Kommt, denn es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.“ Aus diesen Einladungsworten zum Abendmahl ist uns Christinnen und Christen unser Psalmwort wohl vertraut. Wir werden eingeladen, uns nicht nur durch Worte, sondern auch durch unsere körperlichen Empfindungen Gottes Freundlichkeit angehen zu lassen. Beim Abendmahl sind es Brot und Wein – Früchte der Erde, die wir schmecken und sehen – , welche uns sinnlich daran erinnern, dass Gottes Freundlichkeit im Leben und Sterben Jesu Christi geerdet ist. Da wird also die Wahrnehmung unseres Psalms aufgenommenen.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Gebete geben Antworten

Von Jürgen Israel

Vermutlich könnten wir unbeschwerter in diesen Halleluja-Vers einstimmen, wenn statt „fürchten“ das Wort „lieben“ stünde, oder wenigstens „ehren“. Aber fürchten? Ist nicht Jesus gekommen, um uns die Furcht zu nehmen, um das Himmelreich auch denen aufzuschließen, die den Vater nicht fürchten? Hat nicht die Vorstellung vom strengen, strafenden Vater, den die Kinder fürchten sollen, ausgedient? Bemühen wir uns nicht, unsere ­Kinder angstfrei zu erziehen? Aber hier steht nun einmal „fürchten“.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Gottes Barmherzigkeit ruft nach unserer

Von Rolf Wischnath

Im Buch der Zehn Gebote, der Thora, in jüdischen Schriften um die Zeitenwende und im Buch des Juden Jesus Christus ist unter „Barmherzigkeit“ zu verstehen: Hinwendung zur Barmherzigkeit Gottes als dem Grund aller Hoffnung; Wohltätigkeit gegenüber den Armen, die nichts zu essen oder zum Anziehen haben; Hilfe für anderweitig sozial Bedrängte und für Verfolgte und Flüchtlinge; Zuwendung zu denen, die unser Ohr erreichen und die wir hören können und die nach unserem Erbarmen schreien und Nachsicht im Umgang mit Sündern. Muss man das kommentieren?

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Demut vor Gott kennt keine Schubladen

Von Beate Wolf

Politische Korrektheit nervt! Immer musst du aufpassen. Sag ein falsches Wort und schon bist du Rassist, Antisemitin, frauenfeindlich oder homophob. Du willst nicht mehr ständig aufpassen müssen, was du sagst, dass niemand sich beleidigt oder ausgegrenzt fühlt? Dann mach es einfach so: Lobe den Herrn! Immer! In jedem Wort, das du sprichst.        

Aber nicht, indem du ständig den Leuten deine Frömmigkeit unter die Nase reibst, sondern indem du in jedem Menschen deine Schwester, deinen Bruder siehst. Vom selben Schöpfer geschaffen. Sieh nicht die Hautfarbe, das Geschlecht, die Kleidung. Menschen machen so ein Tamtam darum. Der Schöpfer kennt keine Schubladen. Jedes Menschenkind ist ein Unikat.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Melodie der Dankbarkeit

Von Sibylle Sterzik

Gottes Namen darfst Du nicht unnütz in den Mund nehmen. Das bekam ich als Kind und Jugendliche immer wieder in Christenlehre und Konfirmandenunterricht zu hören. Meine Eltern nahmen das auch zu Hause sehr ernst, was Luther in seiner Erklärung zum Zweiten Gebot „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht“ schrieb: Bei seinem Namen sollen wir nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, schreibt er im Kleinen Katechismus weiter. Auch nicht bei Belanglosigkeiten. Genervt „Oh je“ zu sagen, ohne Jesus überhaupt im Sinn zu haben, missachtet Gottes Namen. So verstand ich das und bin bis heute dankbar für diese Übung in Respekt.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Erst ganz leise, dann brodelnd

Von Jürgen Engelhardt

Fröhlich singend, mit kräftiger Stimme betend, tanzend, festlich gekleidet, die Frauen in farbenfrohen Gewändern, dazu Trommeln und Rhythmusinstrumente – so loben die Mitglieder der Pentecostgemeinde sonntags am Nachmittag in der Osterkirche Gott im schmuddeligen Sprengelkiez im Berliner Wedding. Manchmal dringt diese brodelnde und lautstarke Gottesdienstatmosphäre bis auf die Straße und lockt Neugierige in die Kirche. Oder sie lässt die Wände unserer direkt an die Kirche anschließenden Wohnung erzittern.       

Und wir? Wir loben und feiern den Herrn sonntags am Vormittag um viele Phon leiser in derselben Kirche ebenfalls mit Liedern und Gebeten. Distinguiert und ruhig sitzen wir auf Stühlen. Wir lauschen andächtig den Worten der Pfarrerin oder des Pfarrers.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Jubel, der nicht verklingt

Von Thilo Haak

Wir spüren deutlich, dass Jubeln ­einen Grund braucht, damit es bleibt und lebt. So klingt es auch aus einem Weihnachtslied herüber, das mir selbst im Hochsommer nicht aus dem Gedächtnis geht: „Hirten, ­warum wird gesungen? Sagt mir ­eures Jubels Grund!“

Wenn wir auf die vergangenen Wochen zurückschauen und all den Jubel noch mal hören, der in den Stadien der Fußball-WM laut wurde, wird es nicht schwierig sein, die Gründe dafür zu finden: Ein Tor fällt, die favorisierte Mannschaft gewinnt, einer kommt weiter.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Freude suchen

Von Angelika Obert

„Vom Aufgang der Sonne ...“ Viele hören da den Kanon mit, der von der Konfifahrt bis zur Seniorenreise lustvoll gesungen wird. Aber wer denkt schon über den Text nach? Was könnte das heißen: von morgens bis abends lobend auf Gottes Dasein ausgerichtet zu sein? Komme ich nicht schwer aus dem Bett? Fällt mir nicht schon unter der Dusche ein, was heute ansteht, wovor ich mich graule, was alles nicht nach Wunsch läuft? Und wenn ich abends ins Bett gehe, habe ich vielleicht gerade erst den Fernseher ausgemacht und mich über einen Politiker geärgert.

Eingesponnen in Pflichten, Sorgen, Befürchtungen bleibt nicht viel Raum für die Freude über „des ­großen Gottes großes Tun“, die mich ermuntern könnte, „was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen“ zu lassen.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Spuren der Sterblichkeit

Von Matthias Brix

Früher war es nur ein kleines Etikett, unsichtbar auf der Innenseite des Kleidungsstücks, jetzt steht der Name des Schöpfers außen, deutlich sichtbar, ein Ausrufungs zeichen: Der Name macht’s!    

Was macht der Name Gottes? Er wird verschwiegen. Woraus bin ich? Spricht die Kleidung, die ich kaufen kann, von mir?     

Stellen Sie sich nackt vor den Spiegel. Ihr Körper spricht. Vielleicht haben Sie noch die Augen eines Kindes? Manchmal spiegelt ein Teil des Körpers einen Wunsch, der groß wird.

Betrachten Sie sich verschämt? Was stört Sie? Jeden Tag werden Sie älter und genauer betrachtet können Sie das Handzeichen Gottes, seine Unterschrift, auf Ihrer Haut sehen. „Wo?“, fragen Sie.   

Es sind die Spuren der Sterblichkeit, eine Wunde, eine Färbung vielleicht, die Ihr Körper nach außen trägt.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

Schönheit und Nöte

Von Barbara Manterfeld-Wormit

Venedig versinkt – nicht bloß im Wasser, auch in Touristenströmen. Sie vernichten bezahlbaren Wohnraum, haben Sex neben der Rialtobrücke, pinkeln auf den Markusplatz, brüllen durch die Nacht. Nicht alle, aber viele. Die Venezianer*innen haben Pech. Und nicht nur sie: Italien leidet unter vielen Flüchtlingen und Wasserknappheit. Rom, die ewige Stadt, verkommt. Beispiele aus einer beliebten Urlaubsregion.         

Und wir? Wir haben immer noch unverschämtes Glück. Weil die Temperaturen zwar auch bei uns merklich steigen, aber wir das noch fröhlich unter Sommer verbuchen. Weil kräftige Gewitter noch keine Naturkatastrophe sind. Weil immer genug frisches Wasser aus der Leitung kommt. Weil es schöne Biergärten gibt und keiner hierzulande Durst leiden muss wie die Menschen in der Sahelzone.

Ausgabe kaufen und weiterlesen