Gottes Bodenpersonal

Jens Blanck

Von Jens Blanck

Menschen, die manchmal Mist bauen wie Aaron, der dem Volk Israel erlaubte, ums Goldene Kalb zu tanzen, während Mose auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote von Gott abholte, sind mir schon immer irgendwie sympathisch. Bitte nicht falsch verstehen! Die Verfehlung ist natürlich nicht zu akzeptieren, aber der Mitmensch, der mal vom Wege abkommt. Ja, auch ein Uli Hoeneß! Fußball hin oder her, FC Bayern sowieso, aber so ein Mensch mit Ecken und Kanten sind wir doch alle.

Auch Christian Wulff tut mir Leid. Seinen Tanz ums goldene Kalb hat er sehr teuer bezahlt. Ja, ich sympathisiere mit den Sünderlein, weil ich selber einer bin. Natürlich will ich es nicht wahrhaben, hoffe nur theoretisch einer zu sein. Über Gottes Bodenpersonal gibt es ja so manche Geschichten, die den Gemeindebuschfunk würzen in alle Geschmacksrichtungen.

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Ganz nah

Sibylle Sterzik

Von Sibylle Sterzik

Vom Nahesein und Nahekommen klingt die Adventszeit beim Singen und Predigen, „denn es ist das Wort ganz nahe bei dir“. Aber hier ist nicht vom kommenden Jesuskind die Rede. Mose sagt das seinen Landsleuten, den Kindern Israels, nachdem er alle Gebote Gottes verkündet hat, wie der es ihm auftrug. Gleich nach seiner Rückkehr vom Heiligen Berg, der Begegnung mit dem Heiligen, die sein Gesicht leuchten ließ, so dass er eine Decke darüber werfen musste.

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Anders

Rolf Wischnath

Von Rolf Wischnath

„Meine Seele erhebt den Herrn … Denn er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut die Hochmütigen; er stößt die Gewaltigen von ihrem Thron und die Getretenen richtet er auf.“ So inszeniert Lukas einen prophetischen Gesang als Lied eines wohl zwölfjährigen schwangeren Mädchens. Eindringlich lässt er die junge Frau singen von ihren Erfahrungen mit dem Gott Israels. Kaum ein biblischer Text ist so oft vertont worden wie ihr „Magnificat“; Orlando di Lasso (1532–1594) hat über 100 Versionen komponiert, Palestrina 35.

Was heißt es, dass diese Frau den Herrn „erhebt“? Sie singt (in genauerer Übersetzung): „Meine Seele macht ihn groß.“ Maria bejubelt die adventliche Revolution im kommenden Christus. In ihm macht Gott es anders, weil er das Unterste zu Oberst kehrt. Er schickt das, was oben bleiben will, nach unten.

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Gewissen und Herz

Christina-Maria Bammel

Von Christina-Maria Bammel

Tut man das unter Freunden? Alle Daten offenlegen? Und unter Kollegen und Nachbarn? Und zwischen Gott und Mensch? Wirklich alles offen…bar? Wird alles einst klar sein, ohne jedes Lesen zwischen den Zeilen? Wie kann die Aussicht auf Klarsicht im Letzten helfen für das Vorläufige und Alltägliche hier und jetzt?

Um die Kultur des Klarlegens von Fakten und Daten streiten wir gerade. Das Klarwerden und Aufklaren wünsche ich mir, nicht gnadenlos aufdeckend, sondern auf erleichternde und befreiende Weise. Einerseits.

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Jetzt ist die Zeit!

Hans-Georg Filker

Von Hans-Georg Filker

„Eigentlich müsste, sollte, könnte ich ...“ Jedem ist klar, dass es besser ist, Probleme direkt anzupacken. Jetzt ist die Zeit! Die Novemberdunkelheit kriecht mit ihrer Kälte heran. St.-Martins-Umzüge erinnern uns und prägen schon bei Kindern eine wichtige Haltung ein: Da teilt einer seinen Mantel mit einem fremden Menschen. Er geht, fährt, reitet nicht an der Not vorüber. Jetzt ist die Zeit! Eine Kultur des Teilens bringt Licht in die Fins-ternis. Martinsumzüge zeigen das öffentlich. Hilfe in der Not – dafür gehen wir auf die Straße, wie zum Beispiel mit dem Kältebus der Berliner Stadtmission. Lebensrettung für Menschen, denen das Zuhause verlorengegangen ist. Hört sich dramatisch an und ist auch so.

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Trost für Prinzen

Von Stefanie Hoppe

Kürzlich wurde der kleine Prinz George in London getauft: eine Familie, eine Kirche, ein Taufbecken, „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Eine Taufe wie jede andere, ein Kind wie jedes andere. Und doch nicht ganz. Die Taufe eines vielleicht zukünftigen Königs. Die Weltöffentlichkeit hat daran teilgenommen, wie immer. Und so wurde gefilmt und fotografiert, berichtet und kommentiert. Ein König der Zukunft, aber nur wenn sein britisches Volk es will. Eine Monarchie kann schnell verschwinden, so hat es die Geschichte gezeigt. Dann bleibt George einfach George. Ein Mensch. Nicht mehr und nicht weniger.

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Warum fürchten?

Von Wolf Krötke

Das ist auf den ersten Blick ein merkwürdiger Psalmvers. Denn er stimmt offenkundig irgendwie nicht. Wer mir vergeben kann, den fürchte ich doch nicht! Oder doch? Eine gewisse Unsicherheit ist immer im Spiel, wenn wir auf die Vergebung von jemandem angewiesen sind, den wir gekränkt oder hintergangen haben. Wird er uns das wirklich nachsehen? Oder wird er uns zurückstoßen?

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Waage und Kreuz

Von Jürgen Israel

Seit einem knappen halben Jahr lebe ich in Rumänien; immer wieder erlebe ich heftige Auseinandersetzungen über angebliche und tatsächliche Verstrickungen von Geistlichen, Schriftstellern und anderen in die Machenschaften der Securitate, des rumänischen Geheimdienstes vor 1990.

Die Diskussionen wirken auf mich oft unerbittlich und wie schon viele Male mit den gleichen Argumenten geführt. Da fand ich hilfreich und tröstlich, was ich in den Erinnerungen eines ehemaligen Pfarrers aus Siebenbürgen las: „Nicht die Balken der Waage sollen predigen, sondern die Balken des Kreuzes.“ Die Waage ist das Zeichen für Gerechtigkeit. Auf den meisten Darstellungen hält die Göttin der Gerechtigkeit eine Waage in der Hand.

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Drei Schritte

 

Von Amet Bick

Es gibt Bücher, deren Titel lauten „Die sieben Wege zur Effektivität“, „Die zehn Geheimnisse der Liebe“ oder „Das Einmaleins der Achtsamkeit“. Sie wollen Wesentliches kurz und knapp auflisten und eine chaotische Welt übersichtlich machen. Wenn der Prophet Micha ein Ratgeber-Buch geschrieben hätte, dann hätte er es „Drei Schritte zum Gutsein“ nennen können. Denn sehr prägnant beschreibt er, was dazu nötig ist: Gottes Wort halten, Liebe üben, Demut vor Gott.

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Lebenslust und Lebensernst

Von Ulrike Trautwein

Das Erntedankfest ist für mich eins der schönsten Feste, die wir im Kirchenjahr feiern. Es ist ein Fest für unsere Sinne. Wir sehen und riechen all die aufgebauten Köstlichkeiten. Wir können im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, was wir feiern. Wir feiern die vielen bunten Gaben, mit denen uns Gott beschenkt hat.

Der Name des Festes ist Programm, auch diese Klarheit gefällt mir. Inmitten von all den irrwitzig vielen Gütern, die unser Leben bestimmen, beladen, belasten, steht ganz elementar: Erntedank. Wir danken für die Ernte, wir danken für das, was in Gärten und auf Feldern gewachsen ist. Wir freuen uns über Obst, Gemüse und Getreide. Wir danken für das tägliche Brot.

Das ist eine heilsame Konzentration auf das Lebensnotwendige und steht in einem starken Kontrast zu unserem Alltag, leben wir in Deutschland ja vielmehr mit einem Überangebot an Nahrungsmitteln. Jeden Tag landen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Das Leben in dieser beschleunigten, leistungsorientierten Gesellschaft trägt dazu bei, dass Menschen ihr Gefühl für den eigenen Körper verlieren.

Wir essen zu viel oder zu wenig. Und Essen wird auf diese Weise zu einem Thema der Schuld: Wir werden schuldig an uns selber, weil wir den richtigen Umgang mit dem Essen nicht finden, schuldig an anderen, weil unser Luxus hier anderen Menschen auf der Welt das Leben kostet. Auch in unserer Stadt sind immer mehr Menschen auf Hilfsangebote durch „Laib und Seele“ oder die Tafel angewiesen.

Wir sind gefangen in einem Kreislauf, der unseren Blick auf das Essen alles andere als unschuldig macht. Und es stellt sich die Frage: Wie finden wir einen Weg zwischen Lebenslust und Lebensernst?

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