Das ist die Lösung

Von Beate Wolf

„Wir sorgen uns gar nicht um die Gewalt in Ägypten, denn du, Gott, wirst für uns sorgen!“

Wetten, dass bei einer solchen Fürbitte die Köpfe erstmal hochgehen und etliche Leute irritiert gucken würden? Ein solches Fürbittengebet würde man als provozierend empfinden, dabei entspricht es dem biblischen Auftrag. Nicht mehr sorgen? Das wäre aber schade, denn das können wir doch besonders gut. Wenn wir uns nicht mehr sorgen sollen, dann fehlte ja die Hälfte unseres Gesprächsstoffes! Und abgesehen davon, dass wir dann ganz neue Themen finden müssten, unsere Mitmenschen würden uns doch als reichlich naiv betrachten, wenn wir sagen: „Ich sorge mich nicht, Gott wird für mich sorgen!“

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Die Weichen neu stellen

Von Johanna Friese

Sie haben kaum Zeit für Langeweile zwischen Sport, Theater, den Freunden und dem Ehrenamt. Ihre Kinder sind erwachsen. Doch alt fühlen sie sich noch lange nicht. Die Aussicht auf ein Leben im Ruhestand wirft neue Fragen auf. Sie stellen die Weichen noch einmal neu. Die „Jungen Alten“ nennen Soziologen ältere Menschen, die mitten im Leben stehen. 2030 werden in Deutschland etwa 23 Millionen Menschen über 65 Jahre leben. Wer will die gewonnenen Lebensjahre nicht aktiv und selbstbestimmt gestalten, wenn die Gesundheit mitmacht?

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Luxus für alle

Von Christina-Maria Bammel

„Wer das Angesicht eines Menschen schmäht, schmäht das Angesicht des Herrn“, heißt es in einem apokalyptischen Buch aus dem ersten christlichen Jahrhundert. Warum lässt sich Gott mit dem nächsten Menschen identifizieren? Warum lässt sich Jesus mit dem nächstbesten Notleidenden identifizieren? Warum sollte die Klarheit Christi in zerlumpten, durstigen Menschen erscheinen – im Widerspruch zu allem, was ich im ersten Impuls als klar, schön und rein empfinde?

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Verletzte Dinge

Von Matthias Brix

Wie weit haben wir uns von der Spur der Propheten entfernt? Nicht an das Ansehen einer Volkskirche, die im Blitzlichtgewitter leuchtet, an das Licht einer Kerze, die soeben ausgeht, werden wir erinnert! Sind wir das, Kirche, die glimmt, nicht glänzt? Sind wir Christen mit jenem Knick wie beim Rohr? Wir ringen um Beachtung, anstelle bei den uns Verwandten zu sein, denen man ihre Bedeutung geraubt hat.

In meinem Amtszimmer behüte ich eine ganze Sammlung beschädigter Gegenstände. Sie hat für jeden, der mich besucht, eine merkwürdige Anziehungskraft. Was ist das, fragen die Augen und vorsichtig finden Dinge, die zum Wegwerfen sind, den Weg in eine Hand.

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Genau hinhören

Von Jürgen Wandel

Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr unter einen Bibelspruch zu stellen, ist ein schöner Ausdruck evangelischer Spiritualität – und problematisch. Denn leicht werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und falsch verstanden. So geht es in Petrus 5,5 nicht allgemein um Hochmut und Demut. Schließlich wird er von einer Ermahnung eingeleitet, die im Wochenspruch fehlt: „Ihr Jüngeren ordnet euch den Ältesten unter.“ So bekommt die Aufforderung zur Demut natürlich eine uns fremde Bedeutung.

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Zu ihrem Wohl

Von Ute Gniewoß

Eine Jüdin erzählt einer deutschen Reisegruppe in Israel, wie sie Begegnungen zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen organisiert. Sie erzählt von den Schwierigkeiten, überhaupt zusammenkommen zu können und von den Anfeindungen, die sie von allen Seiten erfährt. An einem Tag nach einem Attentat in Israel, bei dem eine junge Bekannte von ihr umgekommen ist, spricht ihr Sohn sie an, der gerade in der israelischen Armee seinen Dienst tut: „Wie kannst du dich weiter für diese jüdisch-palästinensischen Treffen einsetzen? Du siehst doch, dass es überhaupt nichts bringt. Hör damit auf.“ Es folgt eine schlaflose Nacht für sie. Sie denkt an die junge Frau, die gestorben ist. Sie denkt an ihren Sohn. Wo wird er noch eingesetzt werden? Als sie uns davon erzählt, schließt sie ihre Schilderungen mit dem Satz: „Ich habe die ganze Nacht mit mir gerungen, aber am Morgen wusste ich, dass ich weitermachen muss. Ich wusste, es gibt keine Alternative. Wir müssen einander begegnen. Wir müssen die Leiden der anderen wahrnehmen und miteinander sprechen.“

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Große Sprünge

Von Angelika Behnke

Bibbernd steht der kleine Junge auf dem Sprungturm im Freibad. „Nein, Papa, ich schaff’ das nicht!“ Der Vater winkt unten im Wasser und ermuntert seinen Sohn. Einige Kinder lachen schon. Auf der blauen Badehose prangt ein leuchtend gelbes „S“ für „Superman“. Ach ja, denke ich, so ein Aufdruck macht noch keinen furchtlosen Supermann aus dem ängstlichen Kind.

Wie gut kann ich mich in den Jungen hineinversetzen: Eben noch habe ich beherzt Ja gesagt zu einem Vorhaben. Aber im nächsten Moment erfasst mich die Sorge, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ein andermal sage ich gleich: Nein, das kann ich nicht; ich betrete den Sprungturm gar nicht erst. Doch dann ermutigen mich Menschen, denen ich vertraue und die mir etwas zutrauen. Ich springe. Und wachse an der überwundenen Angst.

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Als mildtätig getarnt

Von Bernd Krebs

Der Verdacht fiel stets auf ihn. Aber man konnte ihm nichts nachweisen. Manchmal legte er selbst Hand mit an. Meistens aber schickte er seine Handlanger. Er zog die Fäden. Das Ganze war als mildtätiges Unternehmen getarnt. Doch es galt nur dem einen Ziel, den Gewinn dessen zu mehren, der an der Spitze stand. Macheath alias Mackie Messer.

Bertold Brechts „Dreigroschenoper“ ist eine Parabel auf den Kapitalismus seiner Zeit. Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte dienten nur noch als Sichtblende. Sie verstellten, was der eigentliche Zweck war. Sind die grundlegenden Werte aber in ihr Gegenteil verkehrt, bleibt anscheinend nur noch Zynismus.

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Gottes Wohngemeinschaft

Von Ulrike Trautwein

Bei diesen Worten aus dem Epheserbrief muss ich sofort an meine Zeit in der Wohngemeinschaft denken. Als ich zu studieren anfing, hatte ich keine Lust, alleine zu leben. In einer fremden Stadt wollte ich von Anfang an Menschen haben, mit denen ich den Alltag teile. Also habe ich mir eine Wohngemeinschaft gesucht. Zuerst waren wir uns ziemlich fremd, jeder kam woanders her. Aber in kurzer Zeit entwickelte sich so etwas wie Familie und wir wurden uns immer vertrauter. Wir lebten, aßen, diskutierten, beteten und feierten zusammen. Teilten Fröhliches und Schweres miteinander.

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Ulrike Trautwein ist Generalsuperintendenting des Sprengels Potsdam in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Geschichte der Erlösung

Von Viola Kennert

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1

Die Frau ist schon sehr schwach – vorsichtig wird sie aus dem Haus geführt. Noch einmal blickt sie aus allen Fenstern und nimmt das geliebte Zuhause in sich auf. Sie wird es nicht mehr wiedersehen. Nach wenigen Tagen im Krankenhaus wird sie erlöst. Bei ihrem Namen gerufen zu Gott – so werden die Trauernden es am Grab hören. Wir trösten einander: Sie ist in der Ewigkeit angekommen.

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Viola Kennert ist Superintendentin