Schöne neue Welt

Beate Wolf zum neuen Wochenlied

Ja, genau, lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen! Ich weiß auch schon, wie der aussehen soll: Zuerst müssen die Flüchtlinge gerettet werden, die im Mittelmeer ertrinken. Dann muss den Menschen in den Krisengebieten wieder Perspektive geschenkt werden. Und das Klima darf sich nicht weiter aufheizen, der Rassismus muss bekämpft werden. Und Kinder müssen mehr Rechte ­bekommen.

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen, mein Reich komme! ­Ehrlich! Ich wüsste ganz genau, wie die schöne neue Welt aussähe.

Nur schade, dass andere ganz andere Vorstellungen von Gerechtigkeit haben. Einige finden, dass vor allem die Arbeitnehmer gestärkt werden müssen, dann kommt alles andere von ganz allein. Andere sagen: Um Himmels willen nicht mehr so viele Flüchtlinge, die machen das „Abendland“ kaputt. Und wieder andere rufen: Härtere Strafen gegen Kriminelle! So hofft jeder: „Mein Reich komme!“ Und während wir uns die Köpfe heiß reden, wessen Weg der Gerechtigkeit wir nun gehen wollen, sterben Menschen!

Also dein Reich komme, Herr. In Demut ziehe ich meinen oberschlauen Plan zurück. Mit Staunen nehme ich war, dass Gottes Geist auch bei denen wirkt, die ich bisher viel zu jung und ungebildet fand. Statt zu belehren, höre ich zu und erkenne: Andere Mütter haben auch schlaue Töchter.

Dein Reich komme, Herr! Nicht mein, nicht das von Parteien, nicht das von Philosophen. Dein Reich komme! Erst dann sind wir auf dem Weg der Gerechtigkeit.

Beate Wolf ist seit Oktober Polizeiseelsorgerin im Land Brandenburg. Am 20. Oktober wird sie in ihrer ­Gemeinde in Menz im Kirchenkreis Oberes Havelland verab­schiedet (14 Uhr). Foto: privat

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