Glauben und ­Zuversicht

Susanne Kahl-Passoth zum neuen Wochenlied

Ob er schon geahnt hat, was den Menschen bevorstand? Als der Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder 1936 die Verse dieses Liedes schrieb, schien die Welt noch in Ordnung. Es war das Jahr der Olympischen Spiele. Die demütigenden Folgen des Ersten Weltkrieges schienen überwunden. Es ging wirtschaftlich wieder aufwärts. Drei Jahre ­später, als das Lied zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ­veröffentlicht wurde, konnte, wer wollte, erkennen, dass Trug und List Einzug ­gehalten hatten, dass Frevel, Missetat die ­Politik bestimmten. ­Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, politisch Andersdenkende wurden verfolgt, misshandelt, auf grausame Weise ermordet. Das Lied deutet an, was alles aus dem Ruder geriet in diesen Jahren. Zugleich ist es ein Mutmachlied: Am Glauben festhalten, den Gerechten lebend aus dem Feuer gehen sehen, sich nicht schrecken lassen, streiten – trotz alledem sich nicht unterkriegen lassen, die Hoffnung nicht aufgeben. „Deine Zeit und alle Zeit stehn in Gottes Händen.“ Und dennoch wird es nicht einfach gewesen sein, die Verse dieses Liedes zu singen: ein Singen gegen die Wirklichkeit, ein fast verzweifeltes Bemühen, sich nicht unterkriegen zu lassen von den Schrecken dieser Zeit, von den Ängsten, den Sorgen.

Und heute? Als hätte es all das Grauen der Zeit damals nicht gegeben, das uns warnen könnte: Ausgrenzung – zum Teil mit mörderischer Gewalt betrieben – von Fremden, von Juden, von Randgruppen unterschiedlichster Art. Und die, die diese Art Nationalismus betreiben, leugnen mehr oder weniger offen genau die Vergangenheit, die uns warnen könnte. Aber es gab damals auch andere, und es gibt sie heute auch, die wie Rudolf Alexander Schröder dichten und trachten – und das voller Glauben und Zuversicht.

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