Gebet zu Christus

Rolf Wischnath zum neuen Wochenlied

Bei diesem schönen Lied mögen uns sogleich wunderbare Grenzöffnungen einfallen. Wie aber klingt die Bitte „Mit dir, o Herr“ möchte ich „die Grenzen überschreiten“, im ­Augenblick? Die unaufhörlichen Aufdeckungen schrecklicher Grenzüberschreitungen etwa bei den sexuellen Missbräuchen an Kindern und Jugendlichen lassen das Ansinnen der Gebetszeilen zweifelhaft erscheinen.

Wie gehen wir mit dem Befund um, dass „die Grenze“ in der Bibel nur eben positiv verwendet wird? Sie steht unter Gottes Schutz. Als der Schöpfer des Himmels und der Erde setzt er die Grenze zwischen Licht und Finsternis und gibt er den Wassern eine Grenze. Die Grenzen des ­Israel zugedachten Landes werden weit gespannt. Sie sind gleichwohl markant. Zugleich ist die Grenze der Schutz- und Lebensraum des Gottesvolkes, auch von Sippen und Familien. Grenzüberschreiter, die die Grenzsteine verrücken, sind Frevler, denen im 5. Mosebuch Strafen angedroht werden. Wie aber lassen sich „Grenzüberschreitungen“ als solche wahrnehmen? Das liegt nicht einfach auf der Hand. Denn das Problem ist ja: Was für die einen zutiefst sündhaft ist, kann für andere absolut innerhalb der Grenzen des erlaubten Ver­haltens sein. 

Bekanntlich hat der Theologe Martin Niemöller einmal gesagt, für ihn sei der Kompass die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Gibt es ­einen besseren?

Das neue Wochenlied ist ein Gebet zu Christus. Es öffnet den Sin-genden die Augen und das Herz und den Verstand, wo die Grenze liegt, die das Angemessene vom Widerwärtigen abgrenzt.

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