Die Türen hoch

Sibylle Sterzik zum Wochenpsalm

In Kirchen ziehen neue Zeiten ein. Anders gesagt: Tore hoch für neue Mieter. Die Bibliothek, die Jazzband, Konzerte, der Hörsaal der Uni, das Kiezcafé. In den Kirchenbänken darf mehr anklingen als Gotteswort und Zimbelstern. Muss sich mehr abspielen. Neue Mieter bringen Leben in die mancherorts zerbröselnden Wände und Dächer und Türme. Und vielleicht nötiges Geld. Türen auf für gemeinsame Aktionen mit Gemeinwesen und Kultur. Das fördern ­Fördertöpfe. Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, darf stehen an der heiligen Stätte des Herrn.

Sind Kirchen leer, weil es nur noch wenige gibt, die nach Gott und Glaube fragen? Ist das so? Oder fragen Menschen nur neu und anders? Alte Antworten und neue Fragen ­gehen nicht zusammen. Oder doch? Nur ihre Sprache nicht? Passend könnten sie Übersetzende machen. Tore hoch dafür. Und für Menschen, die anders nach Gott fragen. Er segnet sie: die, die sein Antlitz suchen, seit den Tagen der jüdischen Kinder Israels. Und die, die heute auf andere Weise seine Nähe suchen. Tore auf, ­damit ­Suchende und Gott, die Quelle allen Lebens, sich begegnen.

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