Behüter, Licht und Tröster

Von Johanna Friese

„Resilienz“ ist in aller Munde. Als ­geheimnisvolle Kraft, die es möglich macht, sich durch Krisen zu manövrieren, Widerstand auszuhalten und trotz allem optimistisch nach vorne zu sehen. Ob einem das leicht fällt, ist eine Typfrage, aber man kann etwas dafür tun. Wer sich ­erinnert, dass er in allem, was auch passieren mag, von Gott angesehen ist, ist schon auf dem richtigen Weg.

Gerhard Tersteegens Lied „Brunn alles Heils“ ist ein Segensgebet. Er empfahl es „morgens, abends, bei Tisch, nach der ­Predigt und zu aller Zeit gläubig zu beten“. Der fromme Kaufmann und Weber aus Mühlheim an der Ruhr veröffentlichte sein Lied in seinem Erbauungsbuch „Geistliches Blumen-Gärtlein inniger Seelen“ von 1745. Wer es betend mitsingt, bemerkt schnell die Steigerung bis zur letzten Strophe. Jeder Seinsweise Gottes – dem Vater, Sohn und Heiligen Geist – ordnet Tersteegen ein allumfassendes Wirken zu: als Behüter, Licht und Tröster.

So vielschichtig sind Segens­erfahrungen und oft erst rückblickend zu deuten. Leicht zu haben sind sie aber nicht. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, sagte Jakob am Jabbok nach einer dunklen Nacht. Dennoch: gesegnet und gehalten. Ein Segen kann nicht im magischen Sinne vor Unheil bewahren, aber zu einem anderen Blick und Selbstverständnis verhelfen. In der fünften Strophe findet sich die ­passende Segensbitte an Gott gerichtet: „O Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!“

Diese Gewissheit bringt mehr als jeder Versuch, aus eigenen Kräften möglichst widerstandsfähig durchs Leben zu gehen. Und es befreit:
nicht alles selbst erringen müssen und sich manches geschenkt sein lassen.

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