Frag nach Wichtigem

Von Beate Wolf

Da ist sie wieder, diese komische Frage! Nach einem schönen Festgottesdienst werde ich regel­mäßig gefragt, ob ich eigentlich ­katholisch oder evangelisch sei.

Früher habe ich noch eifrig den Unterschied erklärt – der dann doch niemanden interessiert hat. Heute zucke ich mit den Schultern. „Spielt das eine Rolle?“ stelle ich die Gegenfrage. Letztlich geht es nur um Klischees und damit um eine gewisse Denkfaulheit. Katholisch – das sind die mit dem sexuellen Missbrauch und dem Bischof von Limburg. Evangelisch – das sind die, wo Männer (!) heiraten dürfen. Gegen Klischees zu kämpfen nervt und bringt wenig. Das, was wirklich wichtig ist, geht unter.

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Kirchenmutter mit Haltung

Von Uwe Baumann

Weiß Gott, was für eine mutige Frau, diese Katharina Zell. In einem liberalen Elternhaus groß geworden verschlingt sie Bücher und Schriftkram in Größenordnungen und versucht, in der Bibel den gnädigen Gott zu finden. Sie stieß jedoch auf die Diskrepanz zwischen Evangelium, praktischer Verkündigung und der Völlerei etlicher Priester mit ausdrücklicher Billigung der kirchlichen Teppich-Etage.

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Bildung kostet, Unbildung ist teurer

Von Helmut Ruppel

„Die Deutschen“, schreibt Martin Luther, heißen „in aller Welt Bestien.“ Sie können nichts mehr als „Krieg führen, fressen und saufen“. Der Weg von den deutschen Bestien zur deutschen Bildungs­nation war lang, windungsreich und von Abstürzen begleitet. Der Impuls Luthers – und mit Respekt: Melanchthons – ist in seiner Langzeitwirkung dennoch einmalig. 

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In die Ohren, nicht ins Herz

Von Christian Stäblein

Luther ist noch auf der Wartburg im Frühjahr 1522, als in Wittenberg Unruhen ausbrechen. Im Reformationsübereifer entflammen Bildersturm und Gottesdienstdurcheinander. Da bricht Luther auf und predigt vom Sonntag Invokavit an eine Woche lang jeden Tag in der Wittenberger Stadtkirche. Diese „Invokavitpredigten“ bewirken, dass die Reformation wieder in gute, ruhige Bahnen kommt. Luther schafft, was wir heute mit dem Wort Integration beschreiben würden, er schafft die Integration von Traditionalisten und Erneuerern. Friedlich, allein durch das Wort.

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Der Lehrer

Von Heilgard Asmus

Man sagt, Martin Luther nannte ihn „seinen kleinen Graeculus“, andere nannten ihn den „Praeceptor Germanie“. Leidenschaftlich lehrte Philipp Melanchthon antike Schriftsteller, Sprachen und biblische Bücher. Seine Vorlesungen wurden begeistert aufgenommen, vielen Studenten war er Mentor auch in deren späteren Anstellungen als Pfarrer, Lehrer oder Ratsherren.

Mich beeindrucken die vielfältigen Arbeitsgebiete, die dieser Reformator kannte und strukturierte. Dazu gehörten Armenfürsorge, Kirchbudenbau, Philosophie, Bibliothekswesen, Bekenntnisschriften. Für mich ist er der Fleißige, der die Reformation in ein System aus Schriften, Traktaten und Ordnungen brachte. Er war auch der pädagogische Reformer, für den das Bildungswesen entscheidend war. Das stellen wir uns einmal vor: In nur einer Woche waren das gesamte Schulsystem inhaltlich und personell organisiert. Solche Verwaltungsgeschwindigkeiten gab es 1541! 

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Sich von der Gnade Gottes finden lassen

Von Martin Herche

Mehr muss nicht gesagt werden. Aber das auf jeden Fall. Im Jahr 2017. Auch uns. Der Kirche der Reformation. Alles andere wäre zu wenig. Bloß gut, dass Luther seine 95 Thesen veröffentlicht hat. Und dass These 62 dabei war. Allein ihretwegen hätte sich damals schon die ganze Aufregung über seine Botschaft gelohnt.

Und wenn das Reformations­jubiläum dazu beiträgt, dass wir selber und andere auch uns in der Betrachtung dieses Schatzes und der Freude an ihm verlieren – umso besser. Es wird unser Gewinn sein. „2017 haben viele den wahren Schatz der Kirche erkannt und es hat ihr Leben verändert. Sie sind gelassener geworden und zuversichtlicher. Und fröhlicher.“ – Das wäre ein Resümee!

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Keine Scheu vor Fürsten

Von Jutta Schreur

Ihr Name ist so besonders wie sie selbst: Argula von Grumbach, Streiterin für die Reformation in Bayern, war eine Frau, die nicht nur in Glaubensfragen überkommene Traditionen und die herrschenden Verhältnisse in Frage stellte. Selbstbewusst setzte sie sich über vorgegebene Rollenbilder für Frauen hinweg, öffentlich wie privat. Während ihr Mann katholisch blieb, schloss sie sich der Reformation an. Sie scheute nicht die Auseinandersetzung mit den männlichen Autoritäten an der Ingolstädter Universität, sondern forderte sie zu einer offenen Debatte über Luthers Schriften auf. Sie ­hatte auch keine Scheu vor Fürs­tenthronen. 

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Humor hat einen guten Grund

Von Johanna Friese

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, sagt der Volksmund. Ein ­solcher Trotzdem-Humor zeichnete Martin Luther aus. Mit dieser ­Haltung konnte ihm nicht nur das Machtgehabe des Klerus nichts ­anhaben, sogar sich selbst brauchte er nicht so wichtig zu nehmen. In närrischer Art schleuderte er manchmal in schockierender Sprache den Menschen die Wahrheit entgegen. Denn kaum einer hat es ­radikaler als er verstanden, was der Apostel Paulus mit seiner Rechtfertigungsbotschaft meinte: den unbedingten Freispruch jedes einzelnen Menschen. Auch in der Ewigkeit sei jedem, der an Jesus Christus glaubt, diese Freiheit garantiert. Wer dies für sich erkannt hat, lebt anders: nicht eingeengt, sondern grenzenlos frei. Der kann noch ­lachen, wo anderen das Lachen längst vergangen ist.

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Neuer Joghurt

Von Constance Bürger

Der Alltag: Die Abläufe sind doch immer sehr ähnlich. Jeder rennt in seinen geregelten Bahnen. Wenn nicht – der Bus kommt zu spät, im Supermarkt ist der Lieblingsjoghurt nicht im Regal zu ­finden oder die Verabredung sagt kurzfristig ab – dann verlieren viele sehr schnell die Geduld. Genervte Gesichter an der Bushaltestelle. Supermarkt-Verkäufer werden beschimpft. Eine Beziehung in Frage gestellt. Für viele, so scheint es mir manchmal, geht die Welt in diesen Momenten zugrunde.

Kürzlich schaffte ich es noch gerade so in die Straßenbahn. Hätte ich sie verpasst, hätte ich 40 Minuten warten müssen. Ganz schön lang. Es war kalt an diesem frühen Abend, der Wind fegte durch den Bahntunnel. Davor prasselte der Regen. Ruhe bewahren.

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Tolerante Kirchenmutter

Von Stefanie Hoppe

„Katharina“ – das ist wohl der weibliche Name der Reformation. Neben Katharina von Bora war Katharina Zell eine bedeutende Frau jener Zeit. Seit ­ihrem zehnten Lebensjahr ist sie eifrige Kirchgängerin. Auch sie sucht wie Luther nach dem gnädigen Gott. Als belesene Frau empfindet sie einen garstigen Graben zwischen der christlichen Botschaft und dem praktizierten kirchlichen Leben.

Seit 1521 wird im Straßburger Münster evangelisch gepredigt. Als Katharina den Worten des Reformators Matthäus Zell lauscht, ist es für sie eine geistige Offenbarung. 1523 heiratet die 26-Jährige den 20 Jahre älteren Pfarrer Zell. ­Katharina kann in dieser Ehe ihre Begabungen und Interessen aus­leben: Pfarrfrau, Publizistin, Kommunalpolitikerin, Theologin, Seelsorge

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