Glauben und ­Zuversicht

Susanne Kahl-Passoth zum neuen Wochenlied

Ob er schon geahnt hat, was den Menschen bevorstand? Als der Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder 1936 die Verse dieses Liedes schrieb, schien die Welt noch in Ordnung. Es war das Jahr der Olympischen Spiele. Die demütigenden Folgen des Ersten Weltkrieges schienen überwunden. Es ging wirtschaftlich wieder aufwärts. Drei Jahre ­später, als das Lied zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ­veröffentlicht wurde, konnte, wer wollte, erkennen, dass Trug und List Einzug ­gehalten hatten, dass Frevel, Missetat die ­Politik bestimmten. ­Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, politisch Andersdenkende wurden verfolgt, misshandelt, auf grausame Weise ermordet. Das Lied deutet an, was alles aus dem Ruder geriet in diesen Jahren. Zugleich ist es ein Mutmachlied: Am Glauben festhalten, den Gerechten lebend aus dem Feuer gehen sehen, sich nicht schrecken lassen, streiten – trotz alledem sich nicht unterkriegen lassen, die Hoffnung nicht aufgeben. „Deine Zeit und alle Zeit stehn in Gottes Händen.“ Und dennoch wird es nicht einfach gewesen sein, die Verse dieses Liedes zu singen: ein Singen gegen die Wirklichkeit, ein fast verzweifeltes Bemühen, sich nicht unterkriegen zu lassen von den Schrecken dieser Zeit, von den Ängsten, den Sorgen.

Und heute? Als hätte es all das Grauen der Zeit damals nicht gegeben, das uns warnen könnte: Ausgrenzung – zum Teil mit mörderischer Gewalt betrieben – von Fremden, von Juden, von Randgruppen unterschiedlichster Art. Und die, die diese Art Nationalismus betreiben, leugnen mehr oder weniger offen genau die Vergangenheit, die uns warnen könnte. Aber es gab damals auch andere, und es gibt sie heute auch, die wie Rudolf Alexander Schröder dichten und trachten – und das voller Glauben und Zuversicht.

Ostdeutsche Wunderprediger

Von Johanna Haberer

Im November 1989, gleich nach dem Fall der Mauer, habe ich, die Theologin aus Bayern, mit Theologen-Freunden zusammen gesessen. Wir haben uns gefragt: Was um Gottes Willen haben die Pfarrerinnen und Pfarrer in der DDR ­eigentlich gepredigt, wenn Tausende von Menschen erst in die Kirchen strömten und danach zur Demo. Was haben ­unsere ostdeutschen Wunderprediger gesagt, dass die ­Demonstrationen friedlich blieben? Und der Widerstand hartnäckig und geduldig?

Ich habe dann alle Prediger und Predigerinnen, die ich aus den Nachrichten und aus den Erzählungen ostdeutscher Freunde kannte, angeschrieben und habe sie gebeten, mir ihre Predigten zu schicken. Alle diese Predigten, die sie zwischen dem 13. August (Gedenktag des Mauerbaus) und dem 9. November (Fall der Mauer) 1989 anlässlich der Sonntagsgottesdienste und der Friedensgebete am Montag gehalten hatten.

Man konnte sich auf die DDR – Kolleg*innen verlassen. Ich bekam tatsächlich Antwort. Es stapelten sich bald zahlreiche Manuskripte. Sie waren entweder auf uralten Schreibmaschinen getippt oder noch mit der Hand geschrieben. Und ich las sie alle aufmerksam und begierig. Ich wollte genau wissen, wie man das macht: solch ein Wunder herbei zu predigen.

Nach tagelangem Lesen legte ich die Manuskripte aus der Hand und war ehrlich enttäuscht. Diese Predigten klangen genauso, wie wir sie im Westen an jedem Sonntag in der Kirche hören konnten. Gänzlich unspektakulär. Sonntagspredigerhandwerk. Es war nichts Aufrührerisches dabei, keine Widerstandsrhetorik, keine Durchhalteparolen. Hier wurde die Schrift ausgelegt.

Und plötzlich begriff ich! Diese eher unspektakulären Predigten hatten es in sich, wenn man die gepredigten Bibeltexte im Zusammenhang las. Die Kollegen hatten nicht die vorgeschriebenen Texte verwendet. Sie hatten sich die Texte zur Situation gesucht. „Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg“! Die Auswahl der biblischen Texte vor 30 Jahren in Ostdeutschland liest sich wie ein roter Faden in die Freiheit – ohne Waffen.

Im Advent 1989 brachten wir das kleine Büchlein auf den Markt. Es wurde wenig später ins ­Koreanische übersetzt.

Gott hat einen Plan

Sibylle Sterzik zum neuen Wochenlied

„Ist das nicht ein Kinderlied?“, fragt der junge Mann, dem ich erzähle, dass „Meinem Gott gehört die Welt“ neu als Wochenlied vorgeschlagen ist. In Christenlehre, Kindergottesdienst und vor dem Einschlafen haben wir es rauf und runter ­gesungen.

Doch als ich lese, dass es vermutlich 1933 entstand, kommen mir Zweifel, ob es für Kinder gedacht war. Der Dichter Arno Pötzsch (1900–1956) hatte mit 33 Jahren schon viel durchlebt. Mit 17 meldete er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zur Kriegsmarine. Die Schrecken des Krieges lösten eine Lebenskrise in ihm aus. Er findet eine neue Aufgabe als Erzieher und Fürsorger in den Brüdergemeinen Kleinwelka und Herrnhut. Mit fast 30 Jahren studiert er Theologie und will Pfarrer ­werden.

1933 schrieb er unter dem Titel „Woher? Wohin?“ Gedanken über Lebensfragen. Alle Wege münden in dem einen letzten Ziel, Gott, heißt es darin. Gott gehört Raum und Zeit und die Ewigkeit. Für alles hat der Schöpfer einen Plan, nicht nur für die Sterne, auch für die Menschen. Keiner fällt da heraus. Täglich gibt er Brot, hilft er in der Not und rechnet um Jesu ­willen Schuld nicht an. Im Leben und im Tod ist Gott durch seinen Heiligen Geist gegenwärtig.
Mit dem Lied lehnt Pötzsch jeden anderen Herrschaftsanspruch auf das Leben ab, in einer Zeit, in der ein neuer Krieg droht. Die National­sozialisten sind gerade an die Macht gekommen. Nicht ihnen, sondern Gott gehört die Welt, bekennt er.

Auch heute. Nicht den Höckes, die in Thüringen ein unbegreifliches Wahlergebnis eingefahren ­haben, weil sie die Welt nicht mit Liebe ­decken wie Gott, sondern Hass schüren. Im Glauben fand der Dichter Antwort auf die Woher-und-­Wohin-Frage. Damit sein Wille geschieht, sind heute auch unser Bekenntnis und unsere Liebe gefragt.

Sehnsucht nach Heilung

Friederike von Kirchbach zum neuen Wochenlied

Der 19. Sonntag nach Trinitatis hat das Thema Heilung als zentrales Stichwort. Heilung im weiteren Sinn. Leib und Seele, Gesellschaft und Umwelt brauchen Heilung. Das Lied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ nimmt die Sehnsucht nach Heilung im umfassenden Sinn auf.

Dem Liedermacher Eugen Eckert verdanken wir gut singbare neue Lieder, von denen wir ein paar im Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch finden. Nicht alle hat er selbst komponiert. Einige verdankt er seiner sehr guten internationalen Vernetzung mit Musikerinnen und Musikern weltweit. Sie sind für unsere Gottesdienste ein großer kultureller Gewinn. „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ gehört dazu. Gedichtet und komponiert wurde dieses Lied von einer englischen Frau, Anne Quigley, im Jahr 1973. Der ­ursprüngliche Titel ist „There is a longing in our hearts“. Ich habe nicht viel über sie herausfinden können, nur, dass sie sich sehr bewusst der Pflege und Komposition von geistlichen Liedern widmet. „There is a longing“ ist wohl ihr größter Hit, wenn ich das so sagen darf.

Eugen Eckert hat das Lied sensibel übersetzt. Ich hörte es zum ersten Mal von ihm auf einem Kirchentag. Damals interpretierte er es sehr rhythmisch. Das gefiel mir gut. Das Internet bietet einige Versionen an, auch in englischer Sprache. Die sind eher langsam und getragen. Das ist mir eigentlich zu soft. Aber in dieser Form ist das Lied sehr meditativ. ­Heilung braucht Kraft und Kontemplation. Beides ist zu finden.

Die Strophen spannen einen Bogen zwischen dem, was ersehnt und dem was tatsächlich empfunden wird. Auch, wenn es das Lied schon ein paar Jahrzehnte gibt, es wird an diesem Sonntag viele Menschen ­geben, die denken, dass es genau in unsere aufgewühlten Tage passt.

Schöne neue Welt

Beate Wolf zum neuen Wochenlied

Ja, genau, lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen! Ich weiß auch schon, wie der aussehen soll: Zuerst müssen die Flüchtlinge gerettet werden, die im Mittelmeer ertrinken. Dann muss den Menschen in den Krisengebieten wieder Perspektive geschenkt werden. Und das Klima darf sich nicht weiter aufheizen, der Rassismus muss bekämpft werden. Und Kinder müssen mehr Rechte ­bekommen.

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen, mein Reich komme! ­Ehrlich! Ich wüsste ganz genau, wie die schöne neue Welt aussähe.

Nur schade, dass andere ganz andere Vorstellungen von Gerechtigkeit haben. Einige finden, dass vor allem die Arbeitnehmer gestärkt werden müssen, dann kommt alles andere von ganz allein. Andere sagen: Um Himmels willen nicht mehr so viele Flüchtlinge, die machen das „Abendland“ kaputt. Und wieder andere rufen: Härtere Strafen gegen Kriminelle! So hofft jeder: „Mein Reich komme!“ Und während wir uns die Köpfe heiß reden, wessen Weg der Gerechtigkeit wir nun gehen wollen, sterben Menschen!

Also dein Reich komme, Herr. In Demut ziehe ich meinen oberschlauen Plan zurück. Mit Staunen nehme ich war, dass Gottes Geist auch bei denen wirkt, die ich bisher viel zu jung und ungebildet fand. Statt zu belehren, höre ich zu und erkenne: Andere Mütter haben auch schlaue Töchter.

Dein Reich komme, Herr! Nicht mein, nicht das von Parteien, nicht das von Philosophen. Dein Reich komme! Erst dann sind wir auf dem Weg der Gerechtigkeit.

Beate Wolf ist seit Oktober Polizeiseelsorgerin im Land Brandenburg. Am 20. Oktober wird sie in ihrer ­Gemeinde in Menz im Kirchenkreis Oberes Havelland verab­schiedet (14 Uhr). Foto: privat

Gebet zu Christus

Rolf Wischnath zum neuen Wochenlied

Bei diesem schönen Lied mögen uns sogleich wunderbare Grenzöffnungen einfallen. Wie aber klingt die Bitte „Mit dir, o Herr“ möchte ich „die Grenzen überschreiten“, im ­Augenblick? Die unaufhörlichen Aufdeckungen schrecklicher Grenzüberschreitungen etwa bei den sexuellen Missbräuchen an Kindern und Jugendlichen lassen das Ansinnen der Gebetszeilen zweifelhaft erscheinen.

Wie gehen wir mit dem Befund um, dass „die Grenze“ in der Bibel nur eben positiv verwendet wird? Sie steht unter Gottes Schutz. Als der Schöpfer des Himmels und der Erde setzt er die Grenze zwischen Licht und Finsternis und gibt er den Wassern eine Grenze. Die Grenzen des ­Israel zugedachten Landes werden weit gespannt. Sie sind gleichwohl markant. Zugleich ist die Grenze der Schutz- und Lebensraum des Gottesvolkes, auch von Sippen und Familien. Grenzüberschreiter, die die Grenzsteine verrücken, sind Frevler, denen im 5. Mosebuch Strafen angedroht werden. Wie aber lassen sich „Grenzüberschreitungen“ als solche wahrnehmen? Das liegt nicht einfach auf der Hand. Denn das Problem ist ja: Was für die einen zutiefst sündhaft ist, kann für andere absolut innerhalb der Grenzen des erlaubten Ver­haltens sein. 

Bekanntlich hat der Theologe Martin Niemöller einmal gesagt, für ihn sei der Kompass die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Gibt es ­einen besseren?

Das neue Wochenlied ist ein Gebet zu Christus. Es öffnet den Sin-genden die Augen und das Herz und den Verstand, wo die Grenze liegt, die das Angemessene vom Widerwärtigen abgrenzt.

Michael kämpft – und alles gut?

Von Helmut Ruppel

Engelbedürftigkeit und Heiligenschweigen – blicken wir auf den ­Engel und Heiligen Michael, so fällt auf: Von Engeln sprechen, singen und erzählen viele, von Heiligen niemand. „Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ (Psalm 91,11) ist der beliebteste Tauf- und Konfirmationsvers seit Jahren. Zum Glück ist der „GAU“, der größte anzunehmende Unterhaltungsspruch, „Alles gut“ noch nicht im Gottesdienst angekommen, Ton und Klang zufolge steht er vor der Tür.

Es gibt eine tiefe Sehnsucht nach Beruhigung, Stärkung, Zuwendung, auch Berührung, sprachlich umarmendem Zuspruch. Unnachahmlich im protestantischen Beruhigungssong schlechthin von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten treu und still umgeben“ – sieben Verse Verlangen nach Erlösung. Die Frau an der Aldi-Kasse sagt: „Alles gut“ – eine nichtreligiöse Meisterleistung. „Lass deine Engel um uns sein“, singt das Michaelis-Lied EG 142,5 im Ein-Klang mit den Psalmen und Bonhoeffer. Engel­bedürftigkeit – der ­Gegenwart Gottes bedürftig sein!

Die Kirchenbedürftigkeit scheint abzunehmen, die Gottesbedürftigkeit zuzunehmen. Michael, hebräisch: „Wer ist wie Gott?“, ist ein trotzig-bekennendes Widerwort in einer Welt voller angemaßter Gottgleicher, die uns peinigen. Michael – ein Heiliger des Widerstands, der ­Drachen und Dämonen besiegt, von denen es viele gibt. Michael – von den Heiligen Widerstand, von den Engeln Ergebung.

Ohrwurm

Bernd Krebs zum neuen Wochenlied

Wenn ein Lied bereits als Raubdruck zirkuliert, noch bevor alle Strophen geschrieben sind, hat der Komponist den richtigen Ton getroffen. Norbert Kissel, Komponist von „Lobe den Herrn, meine Seele“, hat es deshalb gelassen hingenommen, dass seine Psalmvertonung zunächst von Hand zu Hand ging, ohne das Copyright zu beachten. Heute ist das Lied, das er ursprünglich für seine kleine hessische Gemeinde komponiert hatte, längst ein „Ohrwurm“ und in allen neuen Liederbüchern vertreten.

Dass ein Lied auf einen biblischen Text den Ton trifft und zum „Hit“ wird, ist gut reformatorisch. Martin Luther hatte keine Scheu, sich von Volksliedern inspirieren zu lassen. Und Johannes Calvin gelang es, angesehene Komponisten seiner Zeit zur Mitarbeit am Genfer Psalter zu gewinnen.

„Lobe den Herrn, meine Seele“ wird – ich wage die Prognose – auch künftige Generationen beflügeln und zum Lobpreis einladen. Ich mag das Lied wegen seiner langen Melodiebögen und seiner Fröhlichkeit. Die Worte des Kehrverses zunächst nacheinander gesungen und dann als Kanon miteinander verschränkt, bringen meine Seele zum Klingen – noch nach vielen Stunden habe ich den Klang im Ohr. Und: Angesichts der ins Apokalyptische gewendeten Stimmung, die gerade durch unser Land zieht, bleibe ich zuversichtlich, dass Gott „Himmel und Erde“ unter sein „göttliches Ja-Wort“ stellt, wie es in der dritten Strophe heißt. Ein Psalmlied, das in die Zeit spricht – es bräuchte mehr davon!

Rosenbrot

Wolf Krötke zum neuen Wochenlied

Verwandlung ist das Thema dieses Liedes: Verwandlung von Brot in ­Rosen, von Worten in Töne, von Not in Freude, von Schenken in ­Beschenkt werden, von Schmerz in Hoffnung, von Tod in Leben.

Der Anlass für den Erfurter ­katholischen Dozenten Claus Peter März, dieses Lied zu schaffen, war der 750. Todestag der Elisabeth von Thüringen im Jahre 1981. Eine Legende erzählt ein besonderes Wunder, das ihr widerfuhr. Obwohl ihr Mann, der Landgraf von Thüringen, es ihr verboten hatte, kümmerte sie sich um Kranke und versorgte Hungrige. Eines Tages ertappte er sie dabei, wie sie Brot aus der Wartburg schmuggelte. Er befahl ihr, den Brotkorb zu öffnen. Sie tat es. Doch da waren nur lauter Rosen drin.

Rosen sind die Blumen der Liebe. Sie erfreuen mit ihrer Schönheit. Sie erquicken mit ihrem Duft. Es war nicht bloß ein Nahrungsmittel, das Elisabeth in ihrem Brotkorb hatte, sagt uns dieses „Wunder“. Die Liebe hat es in eine Gabe verwandelt, die Menschen dessen versichert, wie sehr sie geliebt und geschätzt sind.

Überall, wo solche Liebe am Werke ist, entstehen Räume, in ­denen Menschen, die von Not, Schmerz, Leid und Tod gequält sind, aufatmen können. Gott hat da „schon sein Haus gebaut“, nimmt unser Lied das biblische Wort vom „Wohnen“ Gottes unter uns, der in Christus die Liebe ist, auf (vergleiche Johannes 1,14 mit 1. Johannes 4,16).

Ein bisschen zu überschwänglich ist sogar davon die Rede, dass wir in der Liebe, zu der Gott Menschen ­be­fähigt, schon Gottes „Angesicht“ schauen können. Dass wir im Glauben und nicht im Schauen leben (vergleiche 2. Korinther 5,7), sollten wir nicht vergessen, wenn wir dieses Lied mit seiner eingängigen Melodie singen.

Aber dass Gottes Liebe, „die alles umfängt“, das einzige Wunder ist, auf das wir uns wirklich verlassen können, bleibt dennoch wahr.

Gottes Handschrift in unseren Spuren

Matthias Brix zum neuen Wochenlied

Die Melodie aus Griechenland von Jo Akepsimas weckt in mir die Lust, mich selbst zu bewegen! Und der Text im französischen Original von Michel Scouarnec bestärkt mich: Es können gut viele Fußabdrücke von mir entstehen, gleich um die Ecke oder im letzten Winkel, wo die Vergessenen Zuflucht suchen!

„Wir haben die ‚pas‘ von unserem Gott gesehen.“ Die Titelzeile des Liedes spricht vom „pas“, einem Wort der französischen Sprache, das bei uns im „Fauxpas“, wörtlich „Fehltritt“, als Begriff für unangemessenes Verhalten und Taktlosigkeit verbreitet ist.

Fassen wir wieder richtig Tritt, Sie und ich? Sind wir weit davon entfernt? Ein Fauxpas der Kirche, ein Fehltritt, wenn wir nur noch die Jubiläen vergangener Bedeutung feiern und die Chancen des Augenblicks mit müden Augen beantworten. „Man darf keinen Menschen abschreiben oder für verrückt erklären!“, lautet der Leitspruch von Dominkanerpater Dietmar Zils, dem Übersetzer des Liedes. Schläft die Kirche in einer Welt, die sie verständnislos für verrückt erklärt, blättert in alten Fotoalben und weint dabei oft, gerührt von der eigenen Vergangenheit, verwaltet Werte wie ein Briefmarkensammler und vergisst die Heilige Schrift, die als Gegenwart aufgeschlagen draußen vor der Tür liegt? Lesen wir im Augenblick!

Die Lust an der Gegenwart kommt, wenn Sie und ich die Füße bewegen und wir bemerken, dass sich Gottes Handschrift in den Spuren unserer Schritte schreibt. Auf und los, das Lied auf den Lippen!