Halleluja trotzt dem Ohnmachtsgefühl

Von Ulrike Trautwein

Ein bekanntes englisches Sprichwort heißt: „No news is good news“. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Da ist was dran. Täglich erreichen uns eine Menge Nachrichten, meistens „bad news“, schlechte Nachrichten. Kriegsszenarien, Terror anschläge, Fluchtdramen, Unwetterkatastrophen, antisemitische Angriffe, rechtsextremistische Aufmärsche. Die Liste scheint endlos in diesen Tagen. Das ist bedrückend und manchmal macht es mir auch richtig Angst.          

Immer öfter aber regt sich in letzter Zeit ein innerer Widerstand in mir. Nein, denke ich, ich will nicht in Traurigkeit, Angst oder Ohnmacht versinken! Darin unterstützen michdie Worte aus Psalm 89. Der Psalmbeter hat Schlimmes erlebt. Trotzdem bleibt er an Gott dran, lobt Gott von ganzem Herzen:   

„Halleluja. Ich will Dir singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Halleluja.“

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Dem Tod von der Schippe springen

Von Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Kirchenkreises Oder-Spree.

In der Welt geht es hoch her. Da sind „Könige von Heerscharen“, „Völker, die gerne Krieg führen“ und natürlich die, „die das Silber lieb haben“. Auch die Natur leidet und ist „dürre“. Das ist die Welt des 68. Psalms, und es ist auch unsere Welt. In ihr haben die Waisen und die Witwen, die Einsamen, die Gefangenen, die Elenden und die Gerechten Angst, unter die Räder zu kommen. In dieser Angst hoffen sie auf Gott – nicht, dass sie getröstet werden, wenn sie unter die Räder gekommen sind, sondern dass die großen Räder gestoppt werden, bevor sie sie zermalmen. Schließlich hat Gott in der Vergangenheit immer wieder aus Todesnöten geholfen: Er hat das Volk Israel bei der Flucht aus dem Sklavenhaus Ägypten vor dem Heer des Pharaos bewahrt. In der Wüste hat er den Menschen zu essen und zu trinken gegeben. Und Jesus befreit Kranke von lebensbedrohlichen Dämonen und schützt geschickt eine wehrlose Frau, die gesteinigt werden soll.

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Ein starkes Herz für Menschen

Von Wolf Krötke

„Kommt, denn es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.“ Aus diesen Einladungsworten zum Abendmahl ist uns Christinnen und Christen unser Psalmwort wohl vertraut. Wir werden eingeladen, uns nicht nur durch Worte, sondern auch durch unsere körperlichen Empfindungen Gottes Freundlichkeit angehen zu lassen. Beim Abendmahl sind es Brot und Wein – Früchte der Erde, die wir schmecken und sehen – , welche uns sinnlich daran erinnern, dass Gottes Freundlichkeit im Leben und Sterben Jesu Christi geerdet ist. Da wird also die Wahrnehmung unseres Psalms aufgenommenen.

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Gebete geben Antworten

Von Jürgen Israel

Vermutlich könnten wir unbeschwerter in diesen Halleluja-Vers einstimmen, wenn statt „fürchten“ das Wort „lieben“ stünde, oder wenigstens „ehren“. Aber fürchten? Ist nicht Jesus gekommen, um uns die Furcht zu nehmen, um das Himmelreich auch denen aufzuschließen, die den Vater nicht fürchten? Hat nicht die Vorstellung vom strengen, strafenden Vater, den die Kinder fürchten sollen, ausgedient? Bemühen wir uns nicht, unsere ­Kinder angstfrei zu erziehen? Aber hier steht nun einmal „fürchten“.

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Gottes Barmherzigkeit ruft nach unserer

Von Rolf Wischnath

Im Buch der Zehn Gebote, der Thora, in jüdischen Schriften um die Zeitenwende und im Buch des Juden Jesus Christus ist unter „Barmherzigkeit“ zu verstehen: Hinwendung zur Barmherzigkeit Gottes als dem Grund aller Hoffnung; Wohltätigkeit gegenüber den Armen, die nichts zu essen oder zum Anziehen haben; Hilfe für anderweitig sozial Bedrängte und für Verfolgte und Flüchtlinge; Zuwendung zu denen, die unser Ohr erreichen und die wir hören können und die nach unserem Erbarmen schreien und Nachsicht im Umgang mit Sündern. Muss man das kommentieren?

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Demut vor Gott kennt keine Schubladen

Von Beate Wolf

Politische Korrektheit nervt! Immer musst du aufpassen. Sag ein falsches Wort und schon bist du Rassist, Antisemitin, frauenfeindlich oder homophob. Du willst nicht mehr ständig aufpassen müssen, was du sagst, dass niemand sich beleidigt oder ausgegrenzt fühlt? Dann mach es einfach so: Lobe den Herrn! Immer! In jedem Wort, das du sprichst.        

Aber nicht, indem du ständig den Leuten deine Frömmigkeit unter die Nase reibst, sondern indem du in jedem Menschen deine Schwester, deinen Bruder siehst. Vom selben Schöpfer geschaffen. Sieh nicht die Hautfarbe, das Geschlecht, die Kleidung. Menschen machen so ein Tamtam darum. Der Schöpfer kennt keine Schubladen. Jedes Menschenkind ist ein Unikat.

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Melodie der Dankbarkeit

Von Sibylle Sterzik

Gottes Namen darfst Du nicht unnütz in den Mund nehmen. Das bekam ich als Kind und Jugendliche immer wieder in Christenlehre und Konfirmandenunterricht zu hören. Meine Eltern nahmen das auch zu Hause sehr ernst, was Luther in seiner Erklärung zum Zweiten Gebot „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht“ schrieb: Bei seinem Namen sollen wir nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, schreibt er im Kleinen Katechismus weiter. Auch nicht bei Belanglosigkeiten. Genervt „Oh je“ zu sagen, ohne Jesus überhaupt im Sinn zu haben, missachtet Gottes Namen. So verstand ich das und bin bis heute dankbar für diese Übung in Respekt.

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Erst ganz leise, dann brodelnd

Von Jürgen Engelhardt

Fröhlich singend, mit kräftiger Stimme betend, tanzend, festlich gekleidet, die Frauen in farbenfrohen Gewändern, dazu Trommeln und Rhythmusinstrumente – so loben die Mitglieder der Pentecostgemeinde sonntags am Nachmittag in der Osterkirche Gott im schmuddeligen Sprengelkiez im Berliner Wedding. Manchmal dringt diese brodelnde und lautstarke Gottesdienstatmosphäre bis auf die Straße und lockt Neugierige in die Kirche. Oder sie lässt die Wände unserer direkt an die Kirche anschließenden Wohnung erzittern.       

Und wir? Wir loben und feiern den Herrn sonntags am Vormittag um viele Phon leiser in derselben Kirche ebenfalls mit Liedern und Gebeten. Distinguiert und ruhig sitzen wir auf Stühlen. Wir lauschen andächtig den Worten der Pfarrerin oder des Pfarrers.

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Jubel, der nicht verklingt

Von Thilo Haak

Wir spüren deutlich, dass Jubeln ­einen Grund braucht, damit es bleibt und lebt. So klingt es auch aus einem Weihnachtslied herüber, das mir selbst im Hochsommer nicht aus dem Gedächtnis geht: „Hirten, ­warum wird gesungen? Sagt mir ­eures Jubels Grund!“

Wenn wir auf die vergangenen Wochen zurückschauen und all den Jubel noch mal hören, der in den Stadien der Fußball-WM laut wurde, wird es nicht schwierig sein, die Gründe dafür zu finden: Ein Tor fällt, die favorisierte Mannschaft gewinnt, einer kommt weiter.

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Freude suchen

Von Angelika Obert

„Vom Aufgang der Sonne ...“ Viele hören da den Kanon mit, der von der Konfifahrt bis zur Seniorenreise lustvoll gesungen wird. Aber wer denkt schon über den Text nach? Was könnte das heißen: von morgens bis abends lobend auf Gottes Dasein ausgerichtet zu sein? Komme ich nicht schwer aus dem Bett? Fällt mir nicht schon unter der Dusche ein, was heute ansteht, wovor ich mich graule, was alles nicht nach Wunsch läuft? Und wenn ich abends ins Bett gehe, habe ich vielleicht gerade erst den Fernseher ausgemacht und mich über einen Politiker geärgert.

Eingesponnen in Pflichten, Sorgen, Befürchtungen bleibt nicht viel Raum für die Freude über „des ­großen Gottes großes Tun“, die mich ermuntern könnte, „was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen“ zu lassen.

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