Den Schmerz ertragen

Von Beate Wolf

In Filmen werden die Guten oft eingesperrt und zusammengeschlagen. Aber irgendwie kommen sie wieder raus, schlagen zurück und am Ende ist das Böse besiegt und der Gute glücklich. In der Regel hat er nicht mal ein blaues Auge, weil das nicht hübsch aussähe.

Aber in Wahrheit tragen Menschen dauerhaften Schaden durch Gewalteinwirkung davon. Ist der körperliche Schaden noch zu heilen, so ist der seelische Schaden oft viel gravierender. Die Demütigung, die die Menschen erlitten haben, die Todesangst, der Verlust jeglicher Sicherheit: Das macht was mit ihnen.

Das ist keine moderne Erkenntnis. Die alten Passionslieder erzählen von Hohn, Spott und Schanden, von bitterer Verlassenheit. Sie wissen, dass die körperliche Folter eigentlich unter der seelischen Folter steht. Nicht als Held stirbt Jesus, sondern als ausgelachter Verlierer.

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Tu doch was

Von Christina-Maria Bammel

„Ich bin wütend“. So der Titel einer Fortbildung; fix ist sie ausgebucht. Wut und Zorn, mal inszeniert, mal erschreckend echt und ungebremst. Einerseits nicht verkehrt: Zorn verleiht ja Kraft. Andererseits: Ist das Dazwischenrufen und Türen schmeißen mehr geworden? Ist es diese grassierende Unanständigkeit, die uns gerade auseinander treibt?

Es sind nicht die Gefühle an sich, die den Zusammenhalt gefährden. Gefühle sind da – ob komfortabel oder nicht – und anzunehmen. Etwas anderes alarmiert: Wenn das Ich seinen Willen nicht erhält, seine Ansichten nicht unterstützt und verstärkt bekommt, dann platzt es seinen wütenden Protest heraus. Konstruktiv geht anders; Erwachsensein auch! Der Text von Kurt

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Verklebtes Wort

Von Angelika Obert

Es geht auf die Passionszeit zu. Bis Ostern wird kein Halleluja-Vers mehr gesungen. Jetzt soll an dieser Stelle ein Vers aus einem Passionslied bedacht werden, ausgerechnet! Hieß es nicht am letzten Reformationstag hier: „Schluss mit Sünde“? Da müsste es wohl auch heißen: Schluss mit Passionsliedern! Denn die kreisen mehr oder weniger alle darum: Der Menschensohn muss leiden „um unserer Sünde willen“. Bevor ich diesen Gedanken verwerfe, versuche ich, ihn zu verstehen und so viel verstehe ich jedenfalls: All das, was in Jesus als wahre Menschlichkeit aufscheint, seine Freiheit, sein Offensein, sein unbedingtes Vertrauen – es wird immerzu verdrängt, erstickt, tot gemacht, nicht nur in dieser Welt, auch im eigenen, ich-besessenen Herzen.

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Weisheit ist mehr als Wissen

Von Jürgen Israel

An diesem Sonntag werden noch einmal der Glanz und die Helligkeit des Epiphanias-Festes aufgerufen. Christus ist in die Welt gekommen, um sie zu erleuchten. Die Finsternis verschwindet. Wenn wir diesen Vers hören, denken wir selbstverständlich, er beziehe sich auf Christus. Und dann lesen wir, er stammt aus dem Alten Testament und heißt dort: Sie ist ein Glanz. Und damit ist die Weisheit gemeint. Wir wollen denen, die die Halleluja-Verse ausgewählt haben, nicht unterstellen, sie legten das Alte Testament gewaltsam so aus, bis sich alles auf Christus beziehe, als besitze es keinen Wert in sich selbst.

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Apostel mit feinem Gespür

Von Wolf Krötke

Für uns Christinnen und Christen heute ist das sicherlich eine schwierige „Ansage“, die dieser Psalmvers uns macht. Wir sollen uns rühmen. Gemeint ist: Wir ­sollen uns dessen rühmen, was wir Gott verdanken. Das aber sollen wir so machen, dass es bei Menschen, welche Luthers Über­setzung „Elende“ nennt, Freude auslöst.

Welche „Elenden“ unser Psalm vor Augen hatte, weiß niemand ­genau. Andere Bibelübersetzungen reden von „Armen“, „Gebeugten“ oder „Entmutigten“. Es sind jedenfalls Menschen, denen ihr Elend die Freude an ihrem Leben erstickt hat. Doch ist das lautstarke „Rühmen“ des Gottes, das ihnen zu Ohren dringt, angesichts ihres Elends die richtige Tonart?

Wolf Krötke ist Professor für ­Systematische Theologie und Mitherausgeber von „die Kirche“. 
Foto: privat

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Jubeljauchzer

Von Alexander Höner

Gleich hören wir sie – die guten Worte. Im besten Fall werden sie uns tragen, durch die neue Woche. Und wir können nicht anders als ein Kind, dem schon im Anblick ­eines verpackten Geschenkes ­unkontrolliert ein Jubeljauchzer entweicht, und singen: Halleluja – gleich, gleich werden wir es hören! Der Hallelujavers ist die Vorfreude auf die Lesung des Evangeliums – das ist in einigen Gottesdiensten durch liturgische Sonderlichkeiten nicht mehr gut zu erkennen.

Wir wissen nicht, was wir gleich hören werden, aber wir wissen, dass es um Jesus geht. Und wenn
er spricht und handelt, dann hat es Kraft. Das spüren wir. Auch am dritten Advent: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Halleluja! Johannes der Täufer hatte aus dem Gefängnis gefragt: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“

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Offene Tür

Von Sibylle Sterzik

Wer die Unwahrheit über andere sagt, darf nicht davonkommen. Die das aufgebracht zu mir sagt, fühlt sich ungerecht beschuldigt. Zornig macht sie, dass Lügner ihre Fake-News ungehindert verbreiten und selten gestoppt werden. Dreist kommt weiter. Wer dagegen versucht, bei der Wahrheit zu bleiben, wird doppelt bestraft. Der Erfolg bleibt aus und die Dreisten lachen sich noch ins Fäustchen.

Wer zuletzt lacht, lacht am ­besten? Wird Gott die Ungerechten und Lügner bestrafen, so dass sie nicht davonkommen? Wird er Christinnen und Christen das letzte Lachen schenken? Gott als langer Arm unserer Genugtuung und ­Rache kann und will ich mir nicht vorstellen. Nicht um unsere, um seine Gerechtigkeit geht es doch. Nicht darum, Sieger und Verlierer zu machen. Richten sich die Völker und der Erdkreis selbst, wenn sie seine Wahrheit gering achten, dass alles Leben sich Gott verdankt und jedes Geschöpf mit gleicher Würde von ihm beschenkt ist? Diese Herrscher werden nicht be­stehen, hoffe ich. Und durfte das schon im eigenen Land erleben. Die negativen Folgen ­ihres Handelns wären dann Gottes Urteil?

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Schweigen für das Lachen

Von Constance Bürger

Kürzlich lief ich mit meiner ­Einkaufstüte voller frischer Lebensmittel durch meinen Berliner Kiez nach Hause. Ich ging über die Ampel, der Fahrradfahrer neben mir sprang plötzlich von seinem Draht­esel. Er griff den Fußgänger hinter ihm an, schubste ihn, sie schrien sich an. Zwei erwachsene Männer, gut gekleidet, mittleren Alters. Der eine unterwegs mit seiner Ehefrau, der andere mit seiner etwa zehn­jährigen Tochter. Beide sprachlos.

„Was ist denn hier los? Wo bin ich hier plötzlich nur hineingeraten?“, dachte ich. Ich weiß nicht, warum der Fahrradfahrer plötzlich auf den anderen losging, aber der Fußgänger provozierte ihn immer weiter. Im Reflex drehte ich mich zu ihnen um, war selbst von mir überrascht. Ich konnte nicht schweigen: „Was soll das? Warum provozieren sie ihn immer mehr?“ Irgendwann löste sich die Situation.

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Luther und der Buchdruck

Von Hans-Jürgen Grundmann

4Ist Ihnen bewusst, wenn Sie – schwarz auf weiß – diese Buchstaben lesen, dass wir auch das der ­genialen Erfindung des Mainzers Johannes Gutenberg verdanken, der um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand? Wenn wir auch heute andere Herstellungsverfahren benutzen, so gehen grundlegende Erkenntnisse auf ­diese Erfindung zurück. Wäre doch die Reformation ohne das Können von Druckern des 16. Jahrhunderts schnell in Vergessenheit geraten und hätte nicht diese schnelle Verbreitung gefunden. Durch den Druck von Flugblättern und Einblattdrucken in hohen Auflagen hätten sich die Gedanken L­uthers nicht in den deutschen Landen und darüber hinaus ­verbreiten können.

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Schön einfach und klar

Von Jens Blanck

Schnell sind viele Worte gesagt, ohne etwas gesagt zu haben. Substanzielles ist Mangelware. Aber auch mit dem Richtigen kann man falsch liegen, wenn man es so verklausuliert, dass es niemand versteht. Gerade für Theologen kommt es auf das Wichtigste an: die Frohe Botschaft. Sie ist so schön einfach und klar und muss nicht künstlich verkompliziert werden.

Vor Jahren auf einer Klassenfahrt nach Sachsen durfte ich als begleitender Lehrer meine Reli-Schüler fragen, ob sie in den Gottesdienst gehen wollen. Zu meiner Verwunderung waren sie begeistert und jemand sagte: „Geil, da gehen wir hin!“ Es kamen viel mehr mit, als ich Reli-Schüler hatte. Doch der Gottesdienst war so mit theologischen Begriffen überfrachtet, dass vermutlich auch die Gemeinde es nicht verstand. Der Pfarrer hätte mit gleichem Effekt den Gottesdienst auch in Latein halten können.

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