Zu viel Geld im Ohr

Predigttext am 1. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 5,39–47

Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind's, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen an; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? Meint nicht, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; der euch verklagt, ist Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

 

Von Friederike Hasse

Wenn es irgendwo etwas umsonst gibt, bin ich erst mal skeptisch. In Wahrheit hat doch niemand etwas zu verschenken, das habe ich in der Marktwirtschaft gelernt. Will der Verkäufer nur Kunden anlocken nach dem Motto: Eine Ware geschenkt, eine zweite gekauft? Oder ist es kurz vor Marktschluss, wo er seine restlichen, vielleicht nicht mehr ganz frischen Sachen loswerden möchte? Ist das, was den Menschen „hinterhergeschmissen“ wird und nichts kostet, wirklich Qualitätsware?

Wie ein Marktschreier preist Gott an, was er zu geben hat, besser als ein Schnäppchen: Wasser, Milch, Wein, Brot – geschenkt! Doch wer kommt? Wo sind die Durstigen? Schnell wird klar, dass es nicht um materielle Lebensmittel geht, sondern um andere Köstlichkeiten – Gnadengaben. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Doch offenbar weiß er es nicht. Gott muss die Menschen zweimal auffordern zu hören, denn sie nehmen gar nicht wahr, was er Gutes zu bieten hat.

Andere Marktschreier sind lauter
Ein alter Mann aus einer meiner früheren Dorfgemeinden sagte einmal. „Die Leute haben zu viel Geld in den Ohren.“ Geht es uns zu gut, um auf Gottes Wort zu hören? Wir sind gar nicht mehr durstig und hungrig nach dem, was Gott zu schenken hat? Andere Marktschreier sind lauter, sie bieten auf den ersten Blick Besseres an. Doch wie lange hält das vor? In dem Übersättigtsein und dem Überangebot zum Konsumieren bis dahin, dass Brot weggeworfen wird, liegt auch eine Not.

Wer lässt sich gern etwas schenken?
Sind wir bereit zu hören? Sind wir bereit, uns von Gott etwas schenken zu lassen? Vielleicht ist ja gerade Letzteres das Problem: Niemand lässt sich gern etwas schenken. Es wird als Schwäche interpretiert, etwas anzunehmen, was man nicht verdient hat, was man sich nicht erarbeitet hat. Etwas annehmen können, das heißt ja: Ich bin nicht mehr autonom und selbstbestimmt. Etwas zu bekommen, macht mich womöglich von dem Schenker abhängig. Oder ich fühle mich genötigt, mich zu bedanken. Von einem anderen etwas annehmen zu können, dazu ist Vertrauen nötig, dass er mich dabei frei lässt.

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