Worauf hoffe ich?

Predigttext am 4. Sonntag nach Trinitatis: 1. Petrus 3, 8–15a (15b–17)
8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 10 Denn „wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber sieht auf die, die Böses tun“ (Psalm 34, 13–17). 13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; 15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, 16 und das mit Sanftmut und Ehrfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

 

Von Manfred Moll

Worauf hoffe ich eigentlich? Darauf, dass ich noch einige gute Tage vor mir habe. Darauf, dass unsere Jüngste ihr Examen besteht. Darauf, dass sich Enkelkinder einstellen. Darauf hoffe ich.

Und dann kommt Paulus und fordert von mir Rechenschaft über „die Hoffnung, die in mir ist“. Und mir wird schlagartig klar, dass ich mich geirrt habe. Meine Hoffnung darauf, gute Tage zu erleben, ist nicht die Hoffnung, von der Paulus redet. Paulus will nicht wissen, was ich mir vom Leben wünsche, sondern er will wissen, was der Grund meines Lebens ist und mein Ziel. Woraus lebe ich?           

Woraus leben wir, die Gemeinde Jesu Christi? Es geht um Rechenschaft über unsere Lebensführung und unseren Glauben. Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Sind wir „allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig“? Das ist keine Frage der Moral; Paulus will es den Seinen nicht um die Ohren hauen, wie sie zu leben hätten. Wenn Sie den Predigttext für den kommenden Sonntag als „Mahnungen an die Gemeinde“ lesen (wie es als Überschrift über diesen Text in meiner Bibel steht), dann werden Sie keine großen Erwartungen an die Wirkung dieser Mahnungen haben dürfen. Eine Mahnung wie „seid gleich gesinnt“ ist nicht sinnvoller, als wenn Sie zwei streitende Kinder auffordern: „Nun vertragt euch mal wieder!“ Mag sein, dass die Streithähne sich dann schön die Hand geben, aber versöhnt sind sie damit noch lange nicht.

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