Wollen habe ich wohl ...

Predigttext am 22. Sonntag nach Trinitatis: Römer 7,14–25a

Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an. Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

 

Von Bernd Krebs

Warum tun wir bisweilen Dinge, von denen wir wissen, dass sie nicht richtig sind? Ist es der Reiz, etwas Unerlaubtes zu tun, wo wir uns doch „sonst immer“ an die Regeln halten? Oder ist es Bequemlichkeit, gepaart mit der Hoffnung auf schnellen Vorteil: das Auto auf dem Behindertenparkplatz abstellen, weil der so nah am Supermarkteingang liegt. Mit dem Billigflieger nach Prag jetten, obwohl die Bahnfahrt vernünftig wäre. In den Kaminofen Braun­kohlebriketts werfen, weil das die Wärme so schön hält. „Eigentlich sollte ich nicht, aber dieses eine Mal, was macht das schon!“

Was leitet uns?

Woher kommt der Widerspruch zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun? Der griechische Philosoph Sokrates war der Überzeugung: Wer um den Unterschied zwischen Gut und Böse weiß, den wird dieses Wissen immer leiten. Wirklich? Sein Landsmann Platon war da skeptischer: Nicht Wissen und Einsicht leiten uns, sondern die Affekte: Zorn, Leidenschaft, Liebe, Furcht. Ist es also sinnlos, einander an die Gebote Gottes, die Tora zu ­erinnern?

Das Problem, schreibt der Apostel Paulus, liegt woanders. Es sind nicht unkontrollierte Affekte oder mangelhaftes Wollen, die den Menschen am Tun des „Guten“ hindern.

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