Wir kommen mit leeren Händen

Predigttext am 16. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 12, 1–11

Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Abteilungen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Passafest vor das Volk zu stellen. So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir! Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Gasse weiter, und alsbald verließ ihn der Engel. Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.

 

Von Jens-Peter Erichsen, Pfarrer der EKBO und der Berliner Stadtmission.

Menschen, verfolgt um ihres Glaubens willen, verachtet, gefoltert, gefangen. Der Willkür eines nach Anerkennung heischenden Herrschers ausgeliefert. Machtgier, die über Leichen geht. Abhängige Schergen, die blind Befehle ausführen.        

Was Lukas hier beschreibt, könnte aus Zeitungsberichten unserer Tage stammen. Immer wieder und an unerträglich vielen Orten dieser Erde geschieht solches Tag für Tag. Anhänger vieler Religionen, eben auch Christen, wurden und werden durch die Jahrhunderte hindurch verfolgt, gefoltert, umgebracht – bis heute.     

Zuerst trifft es den Jünger Jakobus, einen der Apostel aus der Urgemeinde, ein Augenzeuge, der mit Jesus durch das Land gewandert war und seine Wunder, seine Macht, aber auch sein Leiden und Sterben mit - erlebt hatte. Und seine Auferstehung bezeugte. Er wird einfach umgebracht. Die Formulierung im Text legt nahe, dass es dabei nicht unbedingt mit dem (wenn auch gebeugten) Recht zugegangen ist.         

Dann wird der bekannteste Jünger, Petrus, ebenfalls verhaftet. Aufgrund des Feiertages kann ihm nicht sofort der Prozess gemacht werden, aber der Herrscher (Herodes) Agrippa I. lässt ihn aufs Schärfste bewachen. Vier Schichten à vier Mann, zwei an den Gefangenen gefesselt, zwei als Bewacher an der Tür, mehr Überwachung geht nicht.              

Die Gemeinde ist entsetzt – und spürt angesichts dieser Machtdemonstration des weltlichen Despoten die eigene Ohnmacht. Das Einzige, was ihnen übrig bleibt, ist das Gebet. Damit werden sie zum Vorbild für alle, die sich nicht mit Gewalt gegen die Unrechtsregime wehren, sondern in der eigenen Ohnmacht den anrufen, der allein Hilfe bringen kann. Wie beispielsweise in heutiger Zeit die christliche Menschenrechtsorganisation ACAT (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter), die ihre Motivation, sich für Gefolterte und zu Unrecht Inhaftierte durch Briefe an offizielle Stellen, aber eben auch durch Gebet einzusetzen, auch aus unserem Text nimmt.

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