Weine nicht

Predigttext am Ersten Advent: Offenbarung des Johannes 5,1–5
1 Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. 2 Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3 Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun noch es sehen. 4 Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. 5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.

 

Von Sibylle Sterzik

Ein Buch mit sieben Siegeln – sprichwörtlich ist diese Passage aus dem Kapitel 5 der Offenbarung des Johannes geworden. So liest sich auch der Bibeltext, bleibt ein Rätsel beim ersten Lesen, ein Buch mit sieben Siegeln. Was will dieses Wort zum Beginn der Adventszeit sagen?

Schauen wir genauer in das Szenario, das Johannes, dessen Gemeinden in Kleinasien unter Verfolgung leiden, als eine Art Vision beschreibt. Auf dem Thron sitzt Gott. Im Kapitel 4 wird er beschrieben. Er leuchtet wie die Edelsteine Jaspis und Sarder, um ihn herum ein ­Regenbogen, anzusehen wie ein Smaragd. Johannes, vermutlich ein Prophet am Ende des ersten Jahrhunderts, beschreibt mit irdischen Mitteln die Schönheit Gottes. Der Regenbogen, Zeichen der Gnade, nach der Sintflut von Gott in den Himmel gesetzt, ist ein Zeichen dafür, dass Gott die Welt nie wieder durch eine Flut richten wird. Der Edelstein Sarder gilt später im Mittelalter als Stein mit großer Heilkraft. Hildegard von Bingen empfahl ihn als Heilstein.

24 Throne stehen um den Thron, darauf sitzen 24 Älteste mit weißen Kleidern und Kronen auf dem Kopf. Vier Gestalten stehen um den großen Thron, über und über mit Augen besetzt. Sie sprechen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. Die Ältesten fallen nieder und beten den an, der auf dem Thron sitzt: Gott, dessen Macht unerschütterlich ist. Preis und Ehre und Kraft sind sein von Ewigkeit zu Ewigkeit. Kraftvoll vertonte Bach die Worte im Weihnachtsoratorium.

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