Verlorene Plätze beleben

Predigttext am 3. Sonntag nach Trinitatis: 1. Johannes 1, 5-2, 6
5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. 1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. 2 Und er selbst ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 3 Und daran merken wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. 4 Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. 5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. 6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll so leben, wie er gelebt hat.

 

Von Anne Hensel

Es ist der Sonntag des Suchens und Findens, des Verloren-Gehens und Gefunden-Werdens. Das Evangelium erzählt von zwei Söhnen. Zum Predigttext erzähle ich von drei Söhnen, angelehnt an ein altes philippinisches Märchen.               

Ein Mann hatte drei Söhne, und er wollte sie auf die Probe stellen. Da führte er sie in drei große, wenig benutzte, ziemlich schäbige Räume des Hauses und stellte ihnen eine Aufgabe: „Jeder von euch soll einen dieser Räume wieder bewohnbar machen, schön herrichten, ganz neu füllen. Hier habt ihr dafür jeder ein bisschen Geld.“      

Die drei Söhne betrachteten die Räume. Es stand manch unbenutztes Gerümpel herum, es gab Staub bis zum Abwinken. Aber vor allem die Fußböden waren kaputt und nicht mehr begehbar: Diverse Dielen waren beschädigt oder fehlten ganz, Holzwürmer hatten ihre Spuren hinterlassen, es gab etliche Brandschäden und in schlechten Zeiten hatte man sich wohl auch mit Brennholz bedient. Manches war mal notdürftig geflickt worden.           

Der erste Sohn räumte alle Sachen aus dem Raum, ging hin und kaufte ausgedroschenes Zuckerrohr – denn für mehr reichte das Geld nicht – und legte damit den Boden des Raumes aus. Alle Unebenheiten waren so bedeckt, auch wenn ein Darübergehen noch stolpergefährlich blieb. Aber wenn man an der Tür stehenblieb, war es gut. „Vater!“, rief er, „schau hinein: Es ist alles in Ordnung!“

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