Ungleiche Kinder

Predigttext am 11. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 21,28–32

28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ­ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. 29 Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin. 30 Und der Vater ging zum andern Sohn und sagte ­dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin. 31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. 32 Denn Johannes kam zu euch und wies euch den Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr’s saht, reute es euch nicht, sodass ihr ihm danach geglaubt hättet.

 

Von Barbara Deml 

Kinder können so verschieden sein! Obwohl von gleichen Eltern geboren und erzogen, gehen sie oft unterschiedliche Wege und brauchen Zeit für die eigene Entwicklung. Es kommt zu unausgesprochenen und offenen Konflikten, manchmal zu Brüchen und Entfremdung. „Was meint ihr?“ Mit dieser Frage beginnt das Gleichnis von den ungleichen Kindern. „Ein Mann hatte zwei Söhne.“ Sofort danach wird die Unterschiedlichkeit auf den Punkt gebracht. Ein Kind, das mit einem deutlichen „Ich will nicht!“ den Auftrag des Vaters ablehnt und dann doch noch losgeht. Und eines, das ganz ergeben Ja sagt und damit dem direkten Konflikt ausweicht – aber den Auftrag nicht erfüllt.

Die Sympathie der Hörenden gehört ganz klar dem ersten Kind. Mit dieser Einschätzung seiner Hörerschaft hatte Jesus auch gerechnet und darauf seine Argumentation aufgebaut: Ihr – gemeint sind zunächst wohl die Pharisäer und Ältesten, die ihm die Nachfolge verweigern – seid wie das zweite Kind. Konfliktscheu, ihr entscheidet euch nicht für das Richtige, obwohl ihr die ersten, die Johannes nachgefolgt sind, gesehen habt. Die Ersten auf dem Weg der Gerechtigkeit waren Huren und Zöllner, und sie werden auch vor euch im Reich Gottes sein!

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