Superheld aus Holz

Predigttext am letzte Sonntag nach Triniatis: Offenbarung 1, 9–18
9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie
tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig

 

Von Uwe Baumann

Goldener Gürtel, Augen wie Feuer und ein zweischneidiges Zungenschwert – meine fast zehnjährige Tochter schaute mich mehr als skeptisch an, als ich ihr aus der Offenbarung des Johannes vorlas. „Das klingt nach Spiderman oder den Klingonen aus Star Trek, das kann nicht Jesus sein“, war sie überzeugt.

Aber es steht tatsächlich so geschrieben, warf ich ein. Die Menschen waren seinerzeit von der Vorstellung erfüllt, Christus würde als Gott seine göttlichen Fähigkeiten machtvoll demonstrieren und sich in unglaublicher Herrlichkeit offenbaren.

„Papa, du hast ja wirklich keine Ahnung“, sagte die Tochter und rannte, um ihren hölzernen Christus zu holen. „So sieht Jesus aus. Siehst du hier irgendwo Feuer und Schwert oder einen goldenen Gürtel und anderes Gebammsel?“

Nein, sah ich nicht. Nur ein Buch in der rechten und einen Wanderstab in Jesu linker Hand. Allerdings hat die Skulptur vielleicht auch nichts mit der biblischen Überlieferung zu tun, sondern eher mit der Vorstellungskraft des Schnitzers, der sie geschaffen hat?

„Quatsch“, warf die Tochter ein, „Jesus muss nicht aussehen wie zu Fasching und Goldklunkern kann er nicht leiden. Er steht auf Holz, er ist Zimmermann.“

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