Retter geht, Tröster kommt

Predigttext zum Pfingstsonntag: Johannes 16,5–15
5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. 13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. (Auszug)

 

Von Clemens Bethge

Der Text führt uns an das Ende der Abschiedsrede Jesu an seine Jünger, so wie sie uns das Evangelium nach Johannes überliefert. Zu Pfingsten werden wir mit diesem Abschnitt zurückgeführt auf die Zeit vor Karfreitag, vor die Zeit des Kreuzes und des Todes Jesu auf Golgatha. Es scheint zunächst so, als wenn es gar kein pfingstlicher Text ist.

Jesus weiß, was ihm widerfahren wird. Er weiß, dass sein Weg unumkehrbar ist, dass er diese Welt, seine Freunde, seine Schüler, seine Jünger verlassen wird. Er muss zum Vater gehen. Zu dem Vater, der nur in ihm erkennbar ist. Der mit ihm wesenseins ist. Mit dem er eins ist und von dem er getrennt nicht gedacht und geglaubt werden kann.
Schwer, sehr schwer nur sind diese Glaubensätze für die Jünger, für jeden Nachfolger Jesu nachzuvollziehen. Traurigkeit, Trennungsangst, Hoffnungslosigkeit bestimmt die Gedanken der Jünger.

Doch dazu gibt es keinen Anlass. Mehrfach verspricht Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist, den Tröster, der bei ihnen bleiben wird. Gesendet vom Vater, um sie zu lehren und zu erinnern, was Jesus gesagt und getan hat. Da kommt der pfingstliche Gedanke, der ­Geistesblitz in die Predigt Jesu zu seinen Nachfolgern hinein!

Jeder Abschied aus vertrauten und liebgewordenen Zusammenhängen tut weh, bringt Trauer und Traurigkeit mit sich. Auch wenn die Erfahrung lehrt, dass das Leben oft aus Bruchstücken besteht. Jeder Bruch des Vertrauten bringt Schmerz mit sich. Und jeder Abschied bringt Fragen mit sich, für die, die bleiben und für den, der geht. Was bleibt von mir? Werden sie sich meiner erinnern? Wird es ohne mich so sein, wie es bisher war? Welche Veränderungen werden kommen, für mich, für die anderen?

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