Nicht zuständig

Gedanken zum Predigttext am 22. Sonntag nach Trinitatis: Philipper 1,3–11 

3 Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke – 4 was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden –, 5 für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute;
6 und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. 7 Wie es denn recht und billig ist, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige. 8 Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus. 9 Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. (Auszug)

 

 

 

 

 

Von Uwe Baumann 

Momentan kann ich Gott nicht mehr erkennen. Bei so viel Tunnel am Ende des Lichts: Sudan, Syrien, Kaschmir, Jemen, Irak, Ukraine. Krieg, Massenvergewaltigungen, Blut­vergießen, Terrorismus, Schlachthaus. Brände an allen Ecken der Erde und mitten unter uns. Die Weltgemeinschaft schaut weg, weicht aus oder bombt stellvertretend, was die Waffenarsenale hergeben. „Ich habe Menschen mit Verletzungen gesehen, die ich nicht beschreiben kann“, berichtet der Unfallchirurg Abu Khalid über die Situation in Ost-Aleppo. Den „Ärzten ohne Grenzen“ sterben die Opfer unter den Händen weg, oft Frauen und Kinder. Derweil in Deutschland und anderswo über ver-
schmorte Samsung-Handys diskutiert wird. Hass und Sadismus auf der einen Seite, Flucht in Kinkerlitzchen und phlegmatische Fröhlichkeitsattitüden auf der anderen. Das ist gefährlich. Auch für die, denen der ganze Irrsinn am Hintern vorbeigeht.

Wäre es möglich, dass unsere Aufmerksamkeit jenen gehören muss, die Paulus – selbst in Gefangenschaft geraten – in seinem Brief an die Philipper anspricht, die auch Dietrich Bonhoeffer lebenslang im Blick hatte: Menschen in Not? Schon. Aber Aufmerksamkeit ist eine lustige Schaumkrone, die hin- und hertanzt und mit uns spielt. Auch, weil die komplexen geo- und wirtschaftspolitischen Verstrickungen von breiten Schichten der Zivilgesellschaften nicht mehr verstanden werden, was zu kollektiven Ablenkungsmanövern führt.

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