Nicht nur reden, sondern tun

Predigttext am Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 58,7–12

7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, ­führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir ­antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den ­Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: „Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne“.

 

Von Hans-Georg Baaske

„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land ...“ So heißt es in dem wunderbaren Erntedanklied von Matthias Claudius. Aber gerade noch einer von achtzig Menschen in Deutschland pflügt und erntet.

Wenn ich zur Arbeit fahre, dann berührt mein Fuß nur Stein, Asphalt und Beton, aber kein Stückchen Erde. Wir säen und wir streuen doch schon lange nicht mehr selbst. Trotzdem verbrauchen wir immer mehr an Lebensmitteln, von denen aber pro Jahr über elf Millionen Tonnen im Müll landen.

Könnte es sein, dass dieser Skandal auch daran liegt, dass ich in meinem Leben und in meinem Herzen kaum noch Platz habe für Gott und sein Handeln? Aber Achtung! Denn ohne Gott kann es passieren, dass wir allzu leicht unsere Hoffnung verlieren und schneller allein oder auch als Gesellschaft der Gefahr erliegen, die Menschen und auch die Tiere und Pflanzen gnadenlos einzuordnen, auszuquetschen und – wenn sie nicht mehr können oder nicht mehr gebraucht werden – wegzuschmeißen.

Der Glaube an den lebendigen Gott, der das Leben gegeben und uns die Güter dieser Welt anvertraut hat, setzt diesen Realitäten eine befreiende Kraft entgegen.

Natürlich bin ich im Alltag gefragt, mit meinen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Selbstverständlich muss ich auch weiterhin pflügen und streuen, das heißt, mich auch um die Alltagsfragen und Probleme kümmern. Aber nichts sollte ich anfassen oder entscheiden, ohne vorher zu fragen, ob das auch vor Gott Bestand hat. Denn Wachstum und ­Gedeihen, das liegt in Gottes Hand. So heißt es in dem Lied von Matthias Claudius weiter. Die wunderbare Nachricht Gottes für uns heißt: Ich lasse dich nicht allein. Gott gibt uns auch noch konkrete Handlungshilfen für unser Leben. Die Worte des Propheten Jesaja sind hier klar und eindeutig. Vertraue in deinem Pflügen und Säen auf Gott. Und setze dich für Gerechtigkeit ein. Noch ist unsere Art zu leben eher von Eitelkeit geprägt; wir wollen gerecht aus­sehen, statt gerecht sein.

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