Nicht müde werden

Predigttext am Sonntag Jubilate: 2. Korinther 4, 16–18

16 Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. 17 Denn unsere Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, 18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

 

Von Alexander Heck

Der Philosoph Byung-Chul Han beobachtet in seinem Bestseller „Müdigkeitsgesellschaft“ eine kollektive Erschöpfung in unserer globalisierten Leistungsgesellschaft. Leistungsfähig ist nur der, der motiviert, kreativ, initiativ und in allem selbstverantwortlich genug ist. Wer aber derart immer nur aus sich selbst schöpft, der erschöpft irgendwann.   

Wir Menschen sind dabei Täter und Opfer zugleich. Weil nur Leistung zählt, stehen wir in einem ständigen Kampf mit uns selbst; mit unserem inneren Schweinehund oder gegen das eigene Versagen. In diesem ständigen Kampf gegen die eigene Durchschnittlichkeit bleibt der Mensch als Verwundeter, als ausgebrannte Seele auf der Strecke.     

Paulus nimmt in seinem Brief darauf Bezug, wenn er im Hinblick auf den „äußeren Menschen“ um dessen Mutlosigkeit, Verzagtheit und Müdigkeit weiß. Die aus Selbstoptimierungszwängen resultierende Müdigkeit ist letztlich „der Sünde Sold“. Ist doch Sünde nicht die gelegentliche Entgleisung, sondern der Wahn, in allem sein eigener Lebensmeister zu sein.  

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