Mut zum Lassen

Predigttext am 18. Sonntag nach Trinitatis: Markus 10,17–27

17 Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm ­nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? 18 Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. 19 Du kennst die Gebote: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ 20 Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. 21 Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! 22 Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. 23 Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich ­Gottes kommen! 24 Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. 26 Sie ­entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? 27 Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

 

Von Rebecca Marquardt

„Es gab mal Zeiten, da mussten wir hungrige Menschen satt machen; heute müssen wir dafür sorgen, dass satte Menschen hungrig werden.“ Letzte Woche schauten wir mit unseren Konfis einen Film an zum Thema Lebensmittelverschwendung. Dieser Satz des Filialleiters einer Supermarktkette geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Wir fühlten uns ertappt und schuldig. Denn uns wurde bewusst, dass auch wir zu diesen satten Menschen gehören. Dass die Regale auch für uns immer prall gefüllt sind.

Unser Reichtum besteht aus ­unendlich vielen Auswahlmöglichkeiten. Das ist schön. Und fühlt sich nach Freiheit an. Aber ist das wirklich Freiheit?

Jesus trifft auf einen Mann, der satt ist und doch nach etwas hungert: „Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ Jesus sagt ihm nicht, was es zu tun, sondern was es zu lassen gilt. „Verkaufe ­alles, was du hast, und folge mir nach.“ Ein radikaler Bruch mit ­allem, woran er sich gewöhnt, ja, was ihm Sicherheit gegeben hat.

In der Nachfolge Jesu ist man besser dran mit leichtem Gepäck. „It’s hard to dance with the devil on your back“, heißt es in einem Song von „Florence and the Machine“, „so shake him off!“ Man tanzt nicht gut mit dem Teufel auf dem Rücken, also schüttel ihn ab!

Es fällt schwer, zu lassen, wenn man haben kann. Manchmal vergesse ich, dass der Überfluss mir wie ein ständiger Begleiter auf dem ­Rücken sitzt. Und dann stelle ich mir die Frage des Jünglings: „Was soll ich tun; wie werde ich selig?“

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