Mit leeren Händen

Predigttext am Sonntag Rogate: Johannes 16,23b–28 (29–32) 33

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei. (Auszug)

 

Von Franziska Roeber

„Ich habe eine schwere Zeit hinter mir.“ Aufmerksam und mit freund­lichem Blick sieht mich die Frau an. Die Bibelstunde ist soeben beendet und die Frau ist danach noch sitzen geblieben. Sie beginnt zu erzählen: Ihr Mann war Alkoholiker. Immer mehr und immer tiefer vergrub er sich in seiner eigenen Welt, während sie sich immer ­hilfloser fühlt. „Wissen Sie, was ich dann gemacht habe?“, fragt sie mich und antwortet sogleich: „Ich habe gebetet. ‚Du gehe trinken‘, habe ich zu meinem Mann gesagt. ‚Ich gehe beten‘.“

Es ist viele Jahre her und doch ist mir das Gespräch mit der Frau bis heute in Erinnerung geblieben, so sehr hat mich ihre Erzählung berührt. Und beeindruckt. Wie oft stehen Angehörige von körperlich oder seelisch Kranken gefühlt mit leeren Händen da, weil sie trotz aller Anstrengung nichts gegen die Krankheit tun ­können und gezwungen sind zuzusehen, wie die Krankheit den anderen verändert.

Solche leeren Hände hat die Frau zum Beten gefaltet, ganz so wie es Jesus in seiner Abschiedsrede nahelegt und wenig später selbst tut. Er ermutigt uns, Gott unsere Bitten vorzulegen. Wie einen Vater, dessen Tür für sein sorgenbeladenes Kind immer offen ist, so beschreibt Jesus Gott.

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