Mahner, Spaßbremse, Jesaja

Predigttext am Sonntag Palmarum: Jesaja 50, 4–9

4 Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 5 Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. 7 Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. 8 Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! 9 Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.

 

Von Uwe Baumann

„Man könnte vom Glauben abfallen“, resigniert mein französischer Freund Flavien mit Blick auf die Nachrichtenlage, obwohl er ohnehin nicht sonderlich gläubig ist. Was er meint: Weder den weltweiten Streithammeln und Regierungsgockeln noch der „Achse der Guten“ traut er die Befriedung zahl - loser Kriegs- und Krisengebiete zu. Sein Vertrauen ist futsch, verschüttet zwischen niederschmetternden Ereignissen und eigenen Erlebnissen als Reporter im Nahen Osten. 

Dem Propheten Jesaja wird es viele hundert Jahre vor Christus nicht anders ergangen sein. Die Völker waren zerstritten, Frieden ein rares Gut. Der Prophet jedoch sah seine Aufgabe darin, entgegen der zeitgeistigen Trends seinem Volk Israel von der Heilsmacht Gottes – Jahwes – zu predigen. Er setzte dabei nicht so sehr auf politische oder wirtschaftliche Bündnisse, denn die waren selten durch Paritäten geprägt und zerbröselten auch damals schon über Nacht zu Staub. Die Heilsmacht Gottes hingegen „währet ewiglich“, war der Prophet überzeugt. Und rieb den Menschen ununterbrochen Gottes Gerichtsansagen unter die Nase. Ein unbequemer Typ, dieser Jesaja. Und überdies der erste, der einen „zukünftigen Messias“ verhieß. Er sägte gewaltig am Stuhl der Mächtigen und wurde dafür schließlich grausam ermordet.

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