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Predigttext am 4. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 6,36–42

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg ­weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles ­gelernt hat, der ist wie sein Meister. Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus ­deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

 

Von Andrea Gorys

Was für eine Verheißung! Uns wird ein Maß zuteil, ein volles Maß, nicht ein Maß, das nur locker gefüllt ist, in dem sich kleine Hohlräume befinden. Nein, so eins nicht, sondern ein gedrücktes, ein gerütteltes, ja sogar ein überfließendes Maß. Und die ­Voraussetzung dafür? Barmherzigkeit, schlicht und einfach Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit fällt uns in der Regel nicht schwer, gerade, wenn wir sie als Mitleid, als Verteilen von Almosen verstehen, oder wenn es um barmherziges Verhalten gegenüber uns lieben Menschen geht. Aber diese Form der Barmherzigkeit ist hier nicht gemeint. Es geht ans Eingemachte. Im Vorfeld dieser Verse spricht Lukas von Feindesliebe. Es wird erwartet, dass wir uns allen Menschen gegenüber barmherzig zeigen, auch denen, die uns unsympathisch sind, die wir als ­unangenehme Zeitgenossen empfinden. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6,36). Barmherzigkeit aus­gedrückt sowohl im „Nicht Richten“, „Nicht ­Verdammen“, als auch im „Vergeben“ und „Geben“.

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