Jesus nimmt sich was raus

Predigttext am 13. Sonntag nach Trinitatis: Markus 3,31–35

31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und ­meine Schwester und meine Mutter.

 

Von Erika Schweizer

Diese Szene ist konfrontativ. Auf der einen Seite Jesus, umgeben von einer Menge Leuten. Auf der anderen Seite Jesu Mutter, seine Brüder und wohl auch Schwestern. Sie fragen nach ihm. Dabei müssen wir die zuvor erwähnte Reaktion mithören.

Als die Familie erfährt, dass Jesus mit vielen Menschen in einem Haus zusammenkommt, vermutlich doch, um über Gott, Gott und die Welt, Gott und die Menschenbeziehung, Gott und die heiligen jüdischen Schriften zu debattieren, da wollen seine Verwandten ihn greifen. Sie sagen: „Er ist von Sinnen.“

Familienerfahrung hat jeder. Sie mag gut sein oder beschädigend oder beides zugleich. Jesus will sich von seinem „Verwandten-Ego“ nicht vereinnahmen lassen. Ihre Ansprüche, ihr Urteil ihm gegen­über weist er zurück. Mich beeindruckt Jesu brüske Eindeutigkeit. Ich frage mich, welche Bedeutung Familie hat. Im besten Fall ist sie eine offene Gemeinschaft intakter Zugehörigkeit; dann zehren wir davon unser Leben lang.

Jesus nimmt sich heraus, seinen eigenen Weg zu gehen, und „Wahlverwandte“ zu finden. Jene, so sagt er warm und klar, sind ihm nah im Geist. Ursprung dieser weitläufigen „Nicht-Verwandten-Familie“ ist die Ausrichtung von Gott her und zu Gott hin. Es kann befreiend sein, im Kreis Gleichgesinnter den eigenen Glaubensherzschlag zu spüren sowie die
eigene Leidenschaft dafür, Gottes Willen als weltlich-öffentliches Engagement ins Werk zu setzen. In diesem Zusammenhang frage ich mich trotzdem nochmals: „Was bedeutet Familie?“

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