In Ewigkeit leben

Gedanken zum Predigttext Sonntag Lätare: Johannes 6,55–65

55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. 60 Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist es, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

 (Auszug)

 

Blut ist dicker als Wasser. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Freundin Britta und ich Blutsbrüderschaft schlossen. Wir waren zehn Jahre alt, hatten uns bei „Jungs fangen die Mädchen“ aufgeschrammt und nutzten die Gelegenheit, unsere Hände aufeinander zu drücken und uns ewige Freundschaft zu schwören. Blutsbrüderschaft – geschlossen mit Blut, um ewig zu halten. Wir hatten das im Fernsehen bei Winnetou und Old Shatterhand gesehen und wollten es ihnen gleichtun.

Blutsbrüderschaften spielen sowohl in verschiedenen traditionellen Kulturen als auch in der modernen Zeit eine Rolle. Durch die Blutsbrüderschaft soll eine besondere Verbundenheit der Blutsbrüder erreicht werden, die sonst nur bei leiblichen Brüdern vorhanden ist. Der somit geschlossene Bund soll ihnen gegenseitig dieselben Rechte und Pflichten verschaffen, wie sie ein Brüderpaar verbinden. Damit kann der Bund, einmal geschlossen, nicht mehr aufgehoben werden. Inzwischen leben Britta und ich längst in verschiedenen Städten und haben jede unser eigenes Leben – doch wenn wir uns sehen, ist es wieder so wie früher.

Blut ist dicker als Wasser. Das gilt natürlich erst recht für leibliche Geschwister und Eltern-Kind-Verhältnisse. Doch es bedeutet nicht, dass dort immer eitel Sonnenschein und Harmonie herrschen. Im Gegenteil – wahrscheinlich gibt es nirgendwo im Privatleben solche Konflikte wie zwischen Geschwistern oder Eltern und Kindern. Erb-rechtsstreitigkeiten, bei denen sich Geschwister gegenseitig vor Gericht verklagen – oder Kinder nach dem Tod des einen Elternteils ihr anderes Elternteil – sind nur die Spitze des Eisberges des schwierigen Verhältnisses, das zwischen Geschwistern und Eltern und ihren Kindern bestehen kann. Die Tatsache, miteinander verwandt zu sein, zieht eben nicht automatisch innige Liebe, Verbundenheit und Verantwortung füreinander nach sich. Keine Familie ist per se eine heile Familie.

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