Hirt*innen im Wahljahr

Predigttext am Sonntag Miserikordias Domini: Johannes 10,11–16 (27–30)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Von Katharina Köhler

Von Hirten und Schafen, von Wölfen und Jägern ist viel zu hören und zu lesen. Nur wenige wollen Hirten werden. Viele wollen mitreden. Politiker stehen auf Schafwiesen. Manche fragen, ob sich die Politik mehr für Wölfe als für Menschen interessiere.

Überraschend ist es uns nahe gekommen, dieses Thema aus dem Landleben. Für die Leute um Jesus herum war das Alltag: Schafe hüten, Milch und Wolle verarbeiten, von Käse und Leder leben. Der Hirte steht auch in der Nacht auf, wenn ein Lamm geboren wird. Die Hirtin bleibt dabei, wenn ein Schaf krank ist. Sie kennen ihre Schafe. Die Schafe hören auf sie. Sie kümmern sich.

Ein Mietling, also ein Angestellter, macht Dienst nach Vorschrift. Ein Mietling, eine Angestellte, verschwindet, wenn es brenzlig wird, und bringt sich selbst in Sicherheit.

Schon immer war in der Bibel der Hirte auch ein Bild für Propheten und Könige, für Menschen, die das Volk führen. Jesus sagt, dass er ein solcher Hirte ist. Sind wir dann seine Schafe? Das passt uns nicht so recht. Wir wollen individuell sein und einzigartig. Jede und jeder von uns drückt sich aus in seinem Kleidungsstil, in ihren Hobbys, in seiner Arbeit, in ihrer Wohnungseinrichtung. Und doch sind wir auch immer Teil einer Herde. Wir sind Hipster oder Nerds, wir sind Helikoptermütter und Wochenendväter. Wir hören gern diese Musik und kaufen dort ein – und dabei gehören wir immer zu einer Gruppe. Und wir wollen gern irgendwo dazu gehören, deshalb teilen wir Geschmack und Ideen. Schon äußerlich lässt sich erkennen, zu welcher Gruppe wir gehören wollen. Wir sind Herdenmenschen. Und die Herde besteht aus vielen Einzelnen.

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