Hieb- und stichfest

Predigttext am 21. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 10,34–39

34 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. 36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. 39 Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

 

Von Sibylle Sterzik

Was denn nun? Jesus bringt das Schwert und keinen Frieden? Das kann nicht sein, hämmert es in meinem Kopf. Wie ist das zu verstehen? Selig sind doch die Friedensstifter und nicht die Schwertschwinger! Halte dem, der dich schlägt noch die andere Wange hin, liebe deinen Feind, sagt die Bibel. Friede auf Erden verkündigt der Weih­nachtsengel.

In jedem Gottesdienst wird uns zweimal Frieden zugesprochen. Daran erinnerte der Friedensbeauftragter Renke Brahms in seinem Vortrag auf der Landessynode. Erst im Kanzelsegen vor der Predigt „Friede sei mit euch“. Und im Aaronitischen Segen am Schluss „Der Herr gebe euch seinen Frieden.“ „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15), heißt es in der Friedensdenkschrift der EKD. Es ist auch die Jahreslosung für 2019.

Frieden untereinander halten, ist also biblisches Gebot. Wieso entpuppt sich dann Jesus hier als waffenklirrender Schwertkämpfer? Ich lese noch einmal genauer und stelle fest: Dort steht nicht, dass er mit dem Schwert fightet oder ­seine Jünger damit herumwirbeln sollen. Die schickt er mit dieser Rede gerade in die Spur und schwört sie auf ihre Mission ein.

Worum geht’s also? Das Schwert steht hier wohl nicht für eine kunstvoll gearbeitete Hieb- und Stich­waffe aus Bronze oder ­Eisen. Die Person Jesu und seine Predigt sind es, an der sich die Geister scheiden. Er trennt die einen und die anderen mit der scharfen Klinge seines Evangeliums.

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