Heimat in Gottes Haus behalten

Predigttext am Kirchentagssonntag, 28. Januar: Kirchentagspsalm 23

1 Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Übersetzung des Kirchentages

1 Ein Psalm, David zu eigen. Gott ist meine Hirtin, nichts mangelt mir. 2 Auf frischem Grün lässt Gott mich lagern und leitet mich zu Wassern der Ruhe. 3 Meine Kraft gibt Gott mir zurück, führt mich in gerechten Spuren – so liegt es in Gottes Namen. 4 Wenn ich auch gehn muss durchs Todschattental, fürchte ich kein Unheil. Du bist ja bei mir. Dein Stab, deine Stütze trösten mich. 5 Du deckst vor mir einen Tisch, im Angesicht derer, die mir feind sind. Du salbst mir den Kopf mit Öl, mein Becher ist übervoll. 6 Nur Güte und Treue verfolgen mich alle Tage und ich bleibe in Gottes Haus mein Leben lang.

 

Von Julia Helmke

Wie kostbar sind diese Worte, dieses Gedicht, dieses Lied. Tausende von Jahren alt – und jung zugleich. Neben Vaterunser und Glaubensbekenntnis ist es das dritte biblische Geschenk, das Jugend - liche in ihren Glaubensrucksack mitbekommen, wenn sie sich auf den Weg der Konfirmation und in das Erwachsenen-Leben aufmachen. Auswendig, in Teilen jedenfalls, können den Psalm viele. Inwendig schaffen die Worte einen lebenslangen Resonanz- und Resilienzraum für das, was wir in einem Begriff als „Vertrauen“ zu fassen versuchen. Wie gelingt dies gerade Psalm 23? Was macht seinen Zauber aus? „Er geht direkt ins Herz, rührt irgendwie an, spricht mich da an, wo ich es gerade brauche. Er tut mir gut, baut mich auf, besser könnte ich es nicht ausdrücken.“ So lautete eine aus vielen ähnlich klingenden Antworten, die ich auf meine Fragen erhalten habe. Genauer können – oder wollen – es viele auch gar nicht beantworten. Psalm 23 ist ein persönlicher, ja, intimer Psalm. Es geht um mich. Um meine Beziehung zu Gott. Meine Hoffnung und mein Wunsch nach einem Leben, das durch Fülle und nicht Mangel gekennzeichnet ist. Um Beistand auch in dunklen Tälern und Zeiten des Lebens, um Beständigkeit und Verlässlichkeit.

Diese Bedürfnisse sind existenziell und nicht immer nach außen kommunizierbar. Ist es deshalb ein Aufruf zu Egoismus oder die Vorstellung eines Glaubens, dem es im Kern um Selbst-Befriedigung und losgelöste Selbstverwirklichung geht? Passt das überhaupt zum Kirchentag, in dem das Gemeinschaftserlebnis mit vielen im Vordergrund steht, auch die kreativ-geistliche Parteilichkeit für eine gerechte Welt? Psalm 23 ist für mich genau der richtige Psalm für diese Zeit. Denn er ist ein Beweis dafür, dass es möglich ist, (scheinbare) Gegensätze eines „Vorrangs des Ich“ oder „Gemeinsam für ein Wir“ zu überwinden. Es ist ein Gebet, in dem Lob und Dank, Trauer und Klage, Freude und Weisheit nebeneinander, nacheinander und miteinander bestehen können. Unsere Welt, unsere Zeit braucht keine weiteren Aufspaltungen in die, die sich gegenseitig vorwerfen, zu kurz zu kommen und Mangel zu leiden oder nicht genügend zu tun für die, die vor dem Angesicht ihrer Feinde flüchten.

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