Heil werden, heilsam sein

Predigttext am 19. Sonntag nach Trinitatis: Markus 1,(29–31) 32–39

29 Sobald sie die Synagoge verlassen hatten, gingen sie mit Jakobus und ­Johannes in das Haus von Simon und Andreas. 30 Die Schwiegermutter des Simon aber lag fiebernd danieder und sofort erzählten sie ihm von ihr.
31 Er ging zu ihr, ergriff ihre Hand und ließ sie aus der Krankheit heraus auferstehen. Da ließ das Fieber sie los und sie wurde wie die anderen eine Nachfolgerin Jesu. 32 Als am Abend die Sonne untergegangen war, trugen sie viele zu Jesus, die litten und besessen waren. 33 Ganz Kafarnaum hatte sich vor der Haustür versammelt. 34 Jesus heilte viele, denen es wegen der unterschiedlichs­ten Krankheiten schlecht ging. Er vertrieb auch viele Dämonen und ließ die Dämonen nicht reden, weil sie ihn gut verstanden. 35 Frühmorgens, als es noch völlig dunkel war, stand Jesus auf, verließ die Stadt und ging in die Einsamkeit der Wüste, um dort zu beten. 36 Simon und die, die bei Simon waren, ließen ihm keine Ruhe und kamen ihm nach. 37 Sie fanden ihn und riefen: Alle suchen dich! 38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die Nachbarorte, damit ich auch dort verkündige. Denn dazu bin ich unterwegs. 39 In ihre Synagogen kam Jesus, verkündigte in ganz Galiläa und befreite von den Dämonen. (Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)

 

Von Monika Matthias

Heilung von Leib und Seele, von Herzen und Gemeinschaften, Heilung unserer Erde. Das ist für mich Grundanliegen jüdisch-christlicher Tradition. Der 19. Sonntag nach Trinitatis bringt das zum Leuchten.

Ich habe mich entschieden, den Predigttext etwas früher beginnen zu lassen. Die Schwiegermutter des Petrus wird von der Perikopenordnung stiefmütterlich behandelt. Die Verse 29 bis 31 kommen nirgends vor. Die feministische Theologie hat sie neu entdeckt und durch eine sorgfältige Übersetzung neue Akzente geschaffen.

Jesus lässt die Frau aus der Krankheit heraus auferstehen. Es ist eine Auferstehungserfahrung, die Leib und Seele heilt und ihr Leben verändert: Sie wurde wie die anderen eine Nachfolgerin Jesu. Früher wurde es so verstanden: Sie diente den anderen und kochte für sie. Aber das griechische Wort „diako­nein“ meint, „sich in den Dienst stellen“ in einem ganz umfassenden Sinn, es meint auch geistliches Wirken. Die Schwiegermutter von Petrus aufersteht in den Wirk­raum Jesu hinein und wird Teil­habende und Mitwirkende seiner heilsamen Gegenwart.

Und dann versammelt sich die ganze Not Kafarnaums vor ihrer Haustüre. Und Jesus heilt und befreit von Dämonen und Besessenheiten. Da mag Persönliches im Blick sein, familiäre Verstrickungen und kollektive Traumata, die durch Kriege, Unterdrückung und Zerstörung immer mächtiger wurden.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben