Gottesdienst darf schön sein

Predigttext am Sonntag Estomihi: Amos 5, 21–24

21 Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen – 22 es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. 23 Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! 24 Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

 

Von Beatrix Spreng

Sehr freundlich ist der Prophet Amos nicht zu seinen Zuhörerinnen und Zuhörern. Er ist wütend und beschimpft die Priester, die Gottesdienst nach Tradition und Bedürfnis der Menschen im Tempel feiern. Er will die Feiern nicht riechen, den Gesang und die Musik nicht hören, wenn sie nicht gleichzeitig Quelle für Recht und Gerechtigkeit sind. Die Diskrepanz regt ihn auf. Offenbar wurden die Opfergaben immer größer, die Musik immer schöner und das praktische Tun immer weniger.

Diese Gefahr gibt es, dass unsere Gottesdienste zwar festlich, kompetent und mit ausgezeichneter Orgelmusik sind, aber leider die Parteinahme für die Schwachen und Leidenden nachlässt. Was nutzt ein schöner Gottesdienst, wenn wir Gottes Wort nicht tun, wenn wir die Fremden nicht aufnehmen, die Gefangenen nicht besuchen, den Hungernden nicht zu essen und den Durstigen zu trinken geben?

Das ist dann kein Gottesdienst, denn er selbst ist fern. Das gilt für die Kirche als Ganzes. Keine denkmalgeschützten Gebäude, keine super organisierte Verwaltung, selbst steigende Mitgliederzahlen halten Gott bei uns, wenn da nicht das Tun für die Vernachlässigten und Schwachen ist.

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