Gottes Blick schenkt Ansehen

Predigttext am Schlussgottesdienst in Wittenberg: 1. Korinther 13
12,31 Einen großartigen Weg zeige ich euch: 13,1 Wenn ich in allen Sprachen rede, der Menschen oder sogar der Engel, aber ohne Liebe bin, dann bin ich ein schepperndes Blech oder eine gellende Zimbel. 2 Auch wenn ich die Gabe der Prophetie habe, um alles Verborgene weiß und alle Erkenntnis besitze, und wenn ich so viel Gottvertrauen habe, dass ich Berge versetze, aber ohne Liebe bin, dann bin ich ein Nichts. 3 Selbst wenn ich alles, was ich habe, spende, wenn ich Leib und Leben riskiere und damit berühmt werde, aber ohne Liebe bin, dann nütze ich niemandem. 4 Die Liebe hat Geduld, gütig ist die Liebe, nicht eifersüchtig; sie prahlt nicht, bläst sich nicht auf; 5 sie ist nicht respektlos, sucht nicht den eigenen Vorteil; sie lässt sich nicht provozieren, trägt nichts nach; 6 sie hat keine Freude am Unrecht, sondern teilt die Freude an der Wahrhaftigkeit. 7 Alles trägt sie, in allem vertraut sie, gibt die Hoffnung nie auf; sie hält allem stand. 8 Die Liebe geht niemals zugrunde, anders die Gaben der Prophetie – sie werden verschwinden, die Sprachen – sie werden aufhören, die Erkenntnis – sie wird verschwinden. 9 Denn Stück für Stück nur erkennen wir, und stückweise nur prophezeien wir. 10 Wenn aber das vollkommen Ganze da ist, dann wird das Gestückel verschwunden sein. 11 Als ich ein kleines Kind war, sprach ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind. Erwachsen geworden, hatte ich das Kindliche abgelegt. 12 Wir sehen jetzt noch ein rätselhaftes Spiegelbild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Noch erkenne ich stückweise. Dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich schon erkannt bin. 13 So bleiben Gottvertrauen, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die Größte von ­ihnen ist die Liebe (Übersetzung für den Kirchentag Berlin Wittenberg 2017)

 

Von Clemens Bethge

Andreas hat auf dem Hocker Platz genommen. Er unterhält sich mit Abebi. Neben den beiden sitzen sich Melly und Tarik gegenüber. Daneben Meike und Olaf. Sie alle ins Gespräch vertieft: Wer von uns beiden kann besser zuhören – du oder ich? Welche Pflichten halten dich von deinen Träumen ab? Wer bist du? Wirkliches Interesse. Gespräche voller Offenheit, ohne Miss-trauen, ohne Argwohn. Face-to-face. Begegnungen, wie sie am ers­ten Abend des Kirchentages auf den Inseln der Begegnung stattfinden und im Zentrum Berlin.Zu­kunft.Kirche. Und wie zigmal auf dem Kirchentag „von Angesicht zu Angesicht“.

Um das Sehen geht es bei diesem Kirchentag: wie Menschen einander wahrnehmen; darum, dass ein offener, liebevoller Blick auf seine ganz besondere Art viel verändern kann. Und um den Blick Gottes geht es, wie Gott uns Ansehen und Würde schenkt.

Der große Höhepunkt, der Festgottesdienst am kommenden Sonntag, 28. Mai, auf den Elbwiesen in Wittenberg, steht unter dem Motto „Von Angesicht zu Angesicht“ (1.Korinther 13,12). Das ist die Entsprechung zur Kirchentagslosung „Du siehst mich“ (1.Mose 16,13). Dieses „Du siehst mich“ sagt Hagar zu Gott, Ausdruck ihrer Gottes­erfahrung. Sie fühlt sich angesehen von Gott und erlebt diesen Blick als Kraftquelle, als „Brunnen der Lebendigen“.

Das Sehen Gottes hat viele Facetten. In biblischen Texten scheint es auf. In Lukas 1,39–56, Grund­lage für die Bibelarbeiten auf dem Kirchentag am Donnerstag, begegnen sich Maria und Elisabeth. Maria preist Gott dafür, dass er die „Niedrigkeit seiner Magd“ ansieht. Dass er sich in dem Kind, das sie in sich trägt, der Welt rettend zuwendet. Gottes Blick schafft An­sehen, sein Blick ist Zuwendung.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben