Gott hat „umgeplant“

Predigttext am 4. Sonntag nach Trinitatis: 1.Mose 50,15–21
15 Die Brüder Josephs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. 16 Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte. 18 Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19 Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 20 Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. 21 So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

 

Von Ulrich Hutter-Wolandt

Mir fiel im Zusammenhang mit dieser biblischen Geschichte aus dem Alten Testament ein kluger Spruch der Schriftstellerin Ricarda Huch ein: „In der Bibel stehen lauter alte Geschichten, die jeden Tag neu passieren.“ Konfliktgeschichten werden an vielen Stellen der hebräischen Bibel erzählt. An diesem Sonntag geht es um Joseph, der von seinem Vater nicht nur bevorzugt wurde, sondern in den der Vater geradezu vernarrt war, ein „charming boy“, wie er im Buche steht. Es kommt, wie es kommen musste: Die Brüder Josephs spüren diese Bevorzugung und versuchen den unliebsamen Bruder loszuwerden.

Jeder kennt Berichte oder Geschichten von Familienkonflikten, wenn nicht aus der eigenen Familie, so doch wenigstens aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Da wird nicht mehr miteinander gesprochen, sondern höchstens noch übereinander und in vielen Fällen, kommt dann noch ein Rechtsanwalt ins Spiel, der den Konflikt zwischen den streitenden Parteien lösen soll. Die Familien-Konfliktgeschichten sind voll von Vorwürfen, Aggression, Wut und Angst. Besonders krass sind solche Geschichten bei Scheidungen oder Todesfällen. Da wird meistens nicht einmal mehr bis nach der Beerdigung gewartet, da bricht der Streit schon vorher auf, wie wir jüngst beim Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl medial hautnah miterleben konnten.

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