Gott als Bürge

Predigttext am Sonntag Quasimodogeniti: Kolosser 2, 12–15

12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. 13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. 14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. 15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

 

Von Wolfgang Wendt

Wenn ein Machthaber seiner Macht entkleidet wird, ist das ein Spektakel. In den vergangenen Jahren wurden wir wiederholt Zeugen einer Macht-ent-Kleidung: beim ägyptischen Präsidenten Muhammad Husni Mubarak (2011), dem tunesischen Präsidenten Zine el- Abidine Ben Ali (2011), der Apart - heidsregierung in Südafrika und anderen. Starke Machthaber wurden durch den stärkeren Volkswillen entmachtet.

Vor über 70 Jahren war das bei uns anders. Nur durch das Selbstopfer von Millionen alliierter Soldaten wurden wir Deutschen von zerstörerischen Kräften und Gewalten, von einem verführerischen Machthaber und seinen Gehilfen befreit und durften dann unter neuen Regeln weiterleben. Bilder deutscher Soldaten auf dem Weg in die Gefangenschaft, flankiert von Offizieren der Siegermächte, gingen in die Geschichtsbücher ein. Eine Zeitenwende trat ein.

Doch wie wir täglich erleben, wurden Leben vernichtende Philosophien nicht völlig weggetan, nicht aus den Köpfen und nicht aus der Politik. Heute, Jahrzehnte später, stehen wir immer noch und wieder neu vor den Schreckgespenstern der Macht von Hass, Gewalt und der Herrschaft des Tötens.

 Eine Zeitenwende, ein Machtwechsel von anderer Art wird in der Sprache der Justiz im Kolosserbrief beschrieben: durch Bürgschaft. Gott macht sich selbst in der Person seines erwählten Bürgen auf den Weg zu den Menschen. Er erweist seinen Gegnern in dieser Welt seine Macht und wirksame Kraft im Oster-Triumph seines Gekreuzigten, des Messias Jesus. So sehr hat Gott die Welt geliebt. In ihm wirken Gerechtigkeit und Liebe, diese zwei Seiten der Medaille des göttlichen Wesens, und bewirken auch für den Menschen Gerechtigkeit und neues Leben aus der Auferstehungskraft heraus. Wie sich Gott von alters her im Bund mit dem Volk Israel als der gerecht-liebende und heilend-rettende erfahren ließ, so erst recht, als die Zeit erfüllt war für den Anbruch seiner Königsherrschaft.

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