Globale Weidegründe

Predigttext am Sonntag Miserikordias Domini:
Hesekiel 34,1–2. (3–9). 10–16.31
1 Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 10 So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit ­machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

 

 

 

 

 


Von Cornelia Füllkrug-Weitzel

Leicht ramponiert hängt es an der Wand im einzigen Raum einer armen Familie in Nigeria: Das Bild vom Guten Hirten mit einem Lamm auf dem Arm! In das Elend, die Rechtlosigkeit und kriegerische Gewalt, der Arme hilflos ausgesetzt sind, strahlt es seine frohe Botschaft: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“

Es gibt einen guten Hirten, für den wir zählen! Wir, für die sich kein politischer Führer interessiert – welch ein Trost! Aber auch Trotz: So also sieht ein wahrer Hirte aus, einer der uns führen will: Er opfert eher sich selbst, als die zu opfern, die seiner Herrschaft anvertraut sind, denn das Wohlergehen der Herde gibt es nicht umsonst – es hat seinen Preis. Und den zahlt der gute Hirte selber, oder die Schwachen und die Umwelt.

Der Prophet Hesekiel malt sein Bild des guten Hirten, das zur Folie für Jesu Hirtentum und für alle guten Hirten wird: Ihn kümmern die Sicherheit und das Wohl der ganzen Herde. Er führt die Schwachen auf fette Weiden statt sich an ihnen und ihren Ressourcen noch zu mästen. Er sichert die guten Auen für arme Kleinbauern, statt sie auf deren Kosten an Großinvestoren zu verkaufen. Er kümmert sich um die wirtschaftlich Abgehängten und die in Gefahr Geratenen, die Vertriebenen und die Flüchtlinge – statt nur um die eigenen Günstlinge.

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