Er ist nicht hier

Predigttext am Ostersonntag: Matthäus 28,1–10

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

 

 

 

 

 


Von Pfarrer Bernhard Schmidt

ER ist hier. ER ist leidenschaftlich. ER ist mitfühlend. ER ist cool. Von wem ich spreche? Von Jesus? Von Gott? Ein Auszug aus der Predigt eines Jugendgottesdienstes? Weit gefehlt. Die Rede ist von Sankt Martin. Nein, nicht der mit dem Mantel, auch nicht der mit dem Hammer, die Rede ist von „Mister Hundertprozent“, vom ­neuen SPD-Hoffnungsträger, von Martin Schulz. Die Zitate stammen vom letzten SPD-Parteitag, nachzulesen im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, in einem Essay von Christiane Hoffmann „Er ist da“.

Zwar hat nach der Saarland-Wahl der so genannte „Schulzzug“ erst einmal ein Päuschen eingelegt, trotzdem ist nicht zu übersehen, dass der Neue die politische Landschaft – zumindest in den Umfragen – ganz schön aufgemischt hat, und dass seine Partei seit Langem mal wieder Morgenluft wittert. Christiane Hoffmann weist übrigens zu Recht darauf hin, dass Politik und Religion verwandt sind, „beide sind ein Geschäft mit der Hoffnung. Beide leben von Glauben und Zuversicht“. Schulz hat es geschafft, seiner Partei neue Hoffnung zu schenken.

Dass Sankt Martin von Jesus inspiriert war, als er seinen Mantel teilte, wissen wir. Dass Martin Schulz sich gern auf seinen Namens­patron beruft, wissen wir auch. Und wir glauben ihm auch, dass er es mit der Würde und dem Respekt und der Gerechtigkeit ernst meint. Und auch, dass er sich als der reuige Sünder fühlt, über den mehr Freude im Himmel ist als über 99 Gerechte.

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