Eine Hoffnungsgeschichte

Predigttext am Sonntag Epiphanias: Matthäus 2,1–12

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus ­geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): „Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

 

Von Katrin Rudolph

Das Evangelium für Epiphanias klingt wie ein Märchen: Sternen­deuter, später zu Königen gemacht, die kommen, um einem Kind in einer Krippe zu huldigen. Das ist Stoff, der in armen Stuben und langen Nächten weitererzählt werden konnte wie Geschichten von Bauerntöchtern, die einen Prinzgemahl bekommen und schließlich als gerechte und weise Königinnen herrschen dürfen.

Die Fremden kommen in die Stadt und bringen Unruhe, heißt es. König Herodes wird es als Herrscher nicht gefallen haben, dass sie in der Stadt nach dem neugeborenen König herumfragen, statt den Palast selbstverständlich als Sitz der Macht anzusehen und ihn als erstes anzusteuern. So wie allein durch ihr Fragen der Palast an Bedeutung verliert, so sehr wird diese Suche im Gegenzug eine Hoffnungsgeschichte für die am Rand. Für Menschen in provisorischen Unterkünften, für Menschen, die das Gefühl haben, die Macht interessiert sich nur für sich selbst und nicht für sie.

Jetzt also wendet sich das Blatt: Die hohen Herren kommen zu Besuch in einen Stall. Sie gehen dorthin, wo es weh tut, und zwar ohne Herablassung, sondern mit Kniefall. Und sie machen es amtlich: Hier spielt die Musik, hier findet statt, was zählt.

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