Eine göttliche Spielerei

Predigttext am Sonntag Jubilate: Sprüche 8,22–36

Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

 

Von Evamaria Simon

Ich wünsche mir eine Kirche, die selbstvergessen spielt. Wahrscheinlich gibt es Menschen, die so etwas nicht mal heimlich denken würden. Aber in Sprüche 8 können sie es lesen: Ganz im Anfang von allem ist Gott da und Gott ist nicht allein. Der oder die Ewige hat als Erstes aller Werke Weisheit „gewebt“ oder „gebildet“ – wie auch immer: Sie ist da.

Später in Vers 24 sagt die Weisheit, sie sei geboren als Gottes-Geburt? Der Ort des Anfangs füllt sich mir wie auf Pieter Brueghels Gemälde „Die Kinderspiele“ – eine göttliche Spielerei. Eine Schöpfung, in der Gott nichts allein tut. Überall dazwischen spielt und scherzt, wuselt und lacht eine unvorstellbare Weisheit. Zwischen all dem ernsthaften Erdfundamente-Einsenken, Meere-Begrenzen, Himmel-Aufspannen spielt die Weisheit. Noch bis in die hebräischen Worte hören wir sie scherzen. Man darf sich das Hebräische laut vorlesen: „schamajim scham ani“, zu deutsch „Himmel – da bin ich“ oder sogar: Ich bin schon da!?

Auf dem Feld der göttlichen Spielerei sehe ich meinen Enkel auftauchen, wie er im Garten Moos nicht auf den Kompost bringt, sondern zwei hübsche Häuflein macht. Darauf legt er ein Brett, um seine Autos dort fahren zu lassen. Sie stürzen immer wieder sanft ins Moos ab – zu seiner und schließlich auch meiner Freude.

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