Ein Auge darauf haben

Predigttext am Sonntag Okuli: 1. Petrus 1, 13–21

13 Darum umgürtet eure Lenden und stärkt euren Verstand, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. 14 Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, in denen ihr früher in eurer Unwissenheit lebtet; 15 sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. 16 Denn es steht geschrieben (3. Mose 19, 2): „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ 17 Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben in Gottesfurcht, solange ihr hier in der Fremde weilt; 18 denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt war, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, 21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

 

Von Wolfgang Rein

Musst’ schon ein Auge haben. Zum Beispiel ein ganz besonderes für den kommenden Sonntag. Der nennt sich Okuli – meine Augen. Um die geht es, wenn Du ein Auge auf den Brieftext richtest. Es ist der Predigttext am Augen-auf-Sonntag. Der Betende in Psalm 25 weiß, wohin sich die Blicke ausrichten sollen: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“ (Psalm 25, 15). Aus dieser Perspektive schreibt ein Verfasser das Rundschreiben. Er nimmt für sich die Autorität eines Gesandten in Anspruch. Vermutlich hat er deshalb den Namen des Petrus benutzt. Wer sind seine Adressaten?

 Der Briefschreiber hat die verstreute junge Christengemeinde im Blick. Im ersten Jahrhundert leben sie in der Diaspora in Kleinasien, der heutigen Türkei und im Gebiet Vorderasiens. Ursprünglich waren sie Nicht-Christen – Heiden, wie man sagte. Einmal sind sie mit der fröhlichen Christusbotschaft angerührt worden.

Du weißt doch, wie der Blinde von Jesus einst berührt worden ist. Wie die Augen auf- und über gegangen sind. Wie in der Taufe ihre Herzen aus lauter Lieben brannten. Von da an war ihre Ausrichtung klar: „Oculi nostri ad Dominum Deum. Unsere Augen sehen stets auf den Herrn“ (Taizé-Lied 1982). Okuli – meine Augen haben allzeit den Herrn vor Augen – bekennt der Psalmist in Psalm 16, 8. Aber was gibt es zu entdecken? Oder anders gefragt: Was hat sich im Leben der jungen Christen geändert, seitdem sie getauft worden sind? Ich empfinde den Predigttext als Tauf - erinnerung. Zugegeben, die Sprache der Epistel ist aus einer anderen Welt und nötigt zur Interpretation. Ich versuche gerade zu verstehen, was gemeint sein könnte. Was könnte das ausmachen, ein Leben in der Gottesfurcht zu führen? Ein wahrhaft aufrichtiges Leben als geliebte Töchter und Söhne des Allerhöchsten. Mit segensreichen Lebensentfaltungen in Ehrfurcht, im Respekt, in der Anerkennung vor Gott und den Menschen. Okuli eben!   

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