Das Mädchen und ein Pferd

Predigttext am 14. Sonntag nach Trinitatis: Markus 1,40–45

40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! 42 Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. 43 Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich 44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. 45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.

 

Von Mechthild Falk

Es klingelt an der Haustür. Ein 12-jähriges Mädchen in Reiterstiefeln und Helm steht vor der Tür. Sie fragt, ob sie telefonieren könne. Sie wäre auf dem Reiterhof gewesen, hätte den Bus verpasst und kein Handy dabei. Kurz entschlossen fahre ich sie nach Hause. 15 Minuten Fahrzeit.

Ich frage sie nach der Schule. Ein Schleusentor ihrer Seele öffnet sich. Es sprudelt nur so aus ihr. Sie erzählt vom Mobbing in ihrer Klasse. Es war so schlimm, dass sie jetzt in einer anderen Stadt zur Schule geht. Ihr einziger Trost sei Blacky, ihr Pferd auf dem Reiterhof. Sobald sie in den Stall kommt, wiehert er vor Freude. Hier muss sie nicht darum kämpfen, anerkannt zu sein, dazuzugehören.

Was spielt sich da heutzutage ab in den Schulen? Wie kann ein hübsches 12-jähriges Mädchen von den anderen so drangsaliert werden, so allein dastehen? Kann es wirklich sein, dass ein Pferd Freundinnen und Freunde, eine Mädchenclique ersetzen muss? Was macht schon Kinder so hart, so herzlos anderen gegenüber?

Im Markusevangelium wird uns von einem Mann erzählt, der auch zu den Ausgestoßenen gehörte. Er war leprakrank. Diese Infektionskrankheit war damals unheilbar. Um die Ausbreitung und Ansteckung zu minimieren, gab es strenge Gesetze zum Schutz der Gesunden. Leprakranke wurden aus ihren Häusern und Familien verbannt, mussten außerhalb der Ortschaften leben, um Brot betteln und schon von weitem rufen, dass sie ansteckend sind. Da sie als unrein galten, war ihnen auch jegliche Teilnahme am religiösen Leben verwehrt. Sie waren lebendig wie tot. Einer von ihnen will das nicht hinnehmen. Er läuft zu Jesus. Er zeigt ihm sein ganzes Elend und er zeigt ihm seinen ganzen Glauben: „Willst du, so kannst du mich reinigen“. Kürzer kann er nicht sagen, dass er in Jesus den Sohn Gottes glaubt, der vollmächtig handeln kann.

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