Bittet. Sagt Jesus

Predigttext am Sonntag Rogate: Lukas 11,5–13
5 Und Jesus sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Von Joachim Lenz

Wir geben Gutes denen, die wir lieben. Das ist so im Himmel wie auf Erden, sagt Jesus, das ist bei Gott so wie bei euch. Also bittet und sucht und klopft an! Vertraut auf den Vater im Himmel! Euch wird gegeben. Wie gut, das zu wissen und zu glauben. Aber. Aber!

Auf das einfache „Gut!“ folgt mein vielfaches „Aber“: Was ist mit all denen, die ihr tägliches Brot nicht bekommen? Haben die nicht genug gebetet? Nein, das kann doch wohl nicht sein. Aber was ist dann mit den Hilferufen, die ungehört verhallen? Was ist mit all den Skorpionen und Schlangen, mit dem Elend, das nicht enden will?
Bittet, sagt Jesus, so wird euch gegeben. Aber wenn nicht? Das „Aber“ gehört mitten hinein in mein Gebet. Ich glaube, dass Gott ehr­liche Gebete will. Im Beten bekommen meine Fragen und mein Aber die richtige Richtung: Gott hört. Beten ist mehr als Bitten und Danken, Beten ist auch Fragen und Klagen. Eltern mögen artig fragende und dankbare Kinder – und lieben und trösten sie, wenn sie weinen. Vielleicht sind sie ihnen gerade dann besonders nahe. Sollte das bei dir, Vater im Himmel, anders sein?

Zweiter Gedanke: Auf einer Foto­postkarte sehe ich ein Gemälde, Öl, 19. Jahrhundert, ziemlich kitschig. Da sitzt Jesus, lange Haare, milder Blick, neben einem Jünger auf einer Bank. Jemand hat zwei Sprechblasen ins Bild montiert. Der Jünger fragt: „Wie kannst du all die Not und Qual zulassen, o Herr? Den Hunger, den Hass, den Unfrieden?“ – „Seltsam“, sagt Jesus, „das wollte ich dich auch gerade fragen.“

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