Besser als Silber und Gold

Predigttext am 12. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 3, 1–10 (11–12)

Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, der war gelähmt von Mutterleibe an; den setzte man täglich vor das Tor des Tempels, das da heißt das Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an! Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor dem Schönen Tor des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

 

Von Beate Dirschauer

„Silber und Gold, Kisten voll, bring ich dann mit mir; Seiden und Sammet-, Sammetzeug, und alles schenk ich dir!“ Schatzkisten mitzubringen, verspricht der Matrose seiner Liebsten, bevor er wieder in See sticht. Seine schimmernden Vertröstungen sollen ihr über das Fehlen dessen, was sie unbedingt braucht, hinweghelfen. Ich hab’ es noch im Ohr, das alte Kinderlied.           

Und ich sehe ein silbernes und goldenes Geglitzer in diesen Sommertagen, all überall an Hälsen und Armen, an Füßen in filigranen Sandalen. Die Welt im schönen Schein! Der Predigttext erzählt von dem, was trostreicher und viel wertvoller ist als alles Geld und jeder Tand. „Silber und Gold habe ich nicht. Was ich aber habe, das gebe ich dir. Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher.“ Das sagt Petrus zu einem Gelähmten. Er sieht ihn an, er spricht mit ihm, er reicht ihm seine Hand. Alles wird gut, alles wird anders: ein neues Leben. Ein aufrechter Gang. Ein freier Blick. Ein Wunder. Das erste, das in der Nachfolge Jesu geschah. Petrus hat das große Hoffnungslied von Jesaja im Ohr, in dem Gott verheißt, dass Lahme springen, die Blinden sehen und die Stummen sprechen werden. Petrus hat nichts zu bieten, von dem, was in der Welt sonst zählt. Aber er traut Gott zu, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Auch nicht in unserer argen, wie gelähmt liegenden und dabei verschleiernd blinkenden und glitzernden Gegenwart.

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