Beherrscht euch nicht

Predigttext am Sonntag Miserikordias Domini: 1. Petrus 5, 1–4

1 Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: 2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, 3 nicht als solche, die über die Gemeinden herrschen, sondern als Vorbilder der Herde. 4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

 

Von Paul Geiß

Der gute Hirte steht an diesem zweiten Sonntag nach dem Osterfest im Mittelpunkt des Gottes - dienstes. Christus, der gute Hirte, kümmert sich um alles verlorene. Seine Barmherzigkeit ist Bild und Vorbild für die Gemeinde. 

Der Hirte findet das verlorene Schaf, der verlorene Sohn darf nach Hause zurückkehren. Das sind Gleichnisse, mit denen das Neue Testament den guten Hirten Jesus Christus beschreibt. Petrus knüpft an diese Bilder an. 

Gemeinden gab es nach Ostern und Pfingsten rasch in der Umgebung von Jerusalem. Die Botschaft von Gottes Barmherzigkeit in Jesus Christus, sein Sieg über den Tod, seine Macht, mit Krankheit, Leid und Schuld umzugehen, das waren Kernpunkte der guten Botschaft, die sich in wenigen Jahren verbreitete und dazu führte, dass sich überall Gemeinden bildeten.  

Die Gemeinden brauchten Ordnung, klare Regeln. Petrus hat sie gegeben: Seid einander Vorbild, achtet auf die Gemeinschaft, sucht nicht persönliche Bereicherung oder gar danach, einander zu beherrschen. Jahrzehntelang habe ich Kirchengemeinden beraten, Gemeinden, in denen es Konflikte gab, Gemeinden, die sich neue Zielvorgaben aneignen wollten, auch Supervision für kirchliche Mitarbeitende angeboten. Da gab es Gemeinden, in denen Ruhestandspfarrer den Nachfolgern keinen Raum gaben, ihre eigenen Gaben zu entwickeln. Da gab es Gemeinden, in denen ein Gemeindekirchenratsmitglied ständig Streit mit der Pfarrerin hatte, Gemeinden, denen die Mittel und das Personal gekürzt wurden. Sie wussten nicht, wie sie den zukünftigen Mangel auffangen sollten.

Ausgabe kaufen und weiterlesen

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben