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Predigttext zum 21. Sonntag nach Trinitas: Epheser 6,10–17

10 Lasst euch vom Herrn Kraft geben, lasst euch ­stärken durch seine gewaltige Macht! 11 Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten. 12 Denn ­unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die hinter allem Bösen stehen. 13 Deshalb greift zu allen Waffen, die Gott für euch bereithält! Wenn dann der Tag kommt, an dem die Mächte des Bösen angreifen, seid ihr gerüstet und könnt euch ihnen entgegen­stellen. Ihr werdet erfolgreich kämpfen und am Ende als Sieger dastehen. 14 Stellt euch also entschlossen zum Kampf auf! Bindet den Gürtel der Wahrheit um eure Hüften, legt den Brustpanzer der Gerechtigkeit an 15 und tragt an den Füßen das Schuhwerk der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verbreiten. 16 Zusätzlich zu all dem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr jeden Brandpfeil unschädlich machen könnt, den der Böse gegen euch abschießt. 17 Setzt den Helm der Rettung auf und greift zu dem Schwert, dieses Schwert ist das Wort Gottes. (Auszug)

 

 

 

 

 

Von Verena Mittermaier

Neulich erreichte mich der Aufruf zu einer Kundgebung „Für ein friedliches Miteinander und eine weltoffene und tolerante Prignitz – Rassismus und Fremdenhass entgegentreten“. Nachdem vor Kurzem erst Plakate „Refugees not wel­come“ in einigen Ortschaften auf­getaucht waren, begrüßte ich diese Veranstaltung sehr. Bei der Ankunft am Kundgebungsort musste ich mich zunächst orientieren. Welche Seite des Marktplatzes war nun „weltoffen und tolerant“ und wo waren die „Freien Kräfte“? An mehreren Stellen des Platzes sah ich dunkel gekleidete Grüppchen, die ab und zu unter Drohgebärden unverständliche Parolen brüllten.

Erst als ich Sonnenblumen und bunte Luftballons entdeckte, wusste ich mich auf der richtigen Seite. Zwei Bekannte verließen gerade schon wieder den Schauplatz: „Hier sind uns manche Leute unbehaglich.“ Befremdlich, dass einige der „für ein friedliches Miteinander“ Angereisten im Habitus kaum von denen zu unterscheiden waren, gegen die sie antraten.

Ähnlich paradox klingt für mich Epheser 6,10–17. In martialischem Vokabular werden die Angeredeten aufgefordert, für das Evangelium des Friedens einzutreten. Wie? Ich soll mich mit der Ganzrüstung eines römischen Soldaten vertraut machen und in den Kriegsjargon der Pax Romana unter Kaiser Domitian einstimmen, um auf diese Weise die Freudenbotschaft des Friedens zu predigen? Wer Frieden meint, sagt doch: Frieden! Der kommt nicht daher mit Panzer und Stiefel, Schild und Helm. Weder auf der Kanzel noch auf dem Marktplatz!

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